IGS - Integrierte Gesamtschule Landau


Fit & Stark 7

Die vergangenen Wochen hat der Jahrgang 7 in Projekten zu sozialem Lernen gearbeitet. Alle Schüler*innen waren in Gruppen eingeteilt, vollkommen gemischt. Ziel war es, eine Gruppenarbeitsstrategie zu entwickeln und mit Kindern zusammenzuarbeiten, die man sich so nicht unbedingt aussuchen würde (nicht die beste Freundin, der beste Freund). Eigentlich so wie im richtigen Leben. Die Kinder haben ihre Gruppenarbeiten geplant, durchgeführt und reflektiert. Hier die Bilder der Abschlusspräsentation.

BLINDENFUSSBALL

In der Tiwo haben wir uns mit dem Thema BLINDENFUSSBALL beschäftigt. Bewundernswert, wie sich die Sportler auf dem Platz bewegen und mit dem Ball umgehen können.

Mulgheta Russom aus Stuttgart ist mit 20 Jahren durch die Folgen eines Autounfalls erblindet. Er ist einer der erfolgreichsten Bundesliga - und Nationalspieler. Auch dieses Jahr ist der 39 jährige Fitnesstrainer für die Blindenfußball EM 2017 in Berlin im Aufgebot.

Wir haben Fragen an ihn gemailt. Er konnte sich erst diese Woche zurückmelden. Hier kommt als Nachtrag zur TIWO unser Interview:

 

Wie trainiert man Blindenfussball? Es ist bestimmt gut, wenn man seine Mitspieler gut kennt oder?

Es ist wichtig, dass die Mannschaft regelmäßig und intensiv miteinander trainiert, damit man sich im wahrsten Sinn des Wortes blind auf dem Platz versteht. Dafür haben wir unter anderem unsere eigene Codesprache entwickelt, über die wir uns während des Spiels verständigen. Das üben wir natürlich immer wieder, denn jeder von uns muss genau die Laufwege der anderen Mitspieler kennen, muss wissen, wie sie sich vorm Tor, in der Abwehr etc. verhalten. Ansonsten trainieren Blinde genauso wie sehende Fußballer: normales Aufwärmtraining ohne Ball, ausgiebiges Dehnen, individuelle Ballarbeit wie Dribbeln, mit dem Ball stoppen, Torabschluss. Am Ende eines jeden Trainings gibt es ein Abschlussspiel. Außerdem ist jeder Spieler verpflichtet, außerhalb des Trainings etwas für seine Kraft und Ausdauer zu tun. Ich jogge regelmäßig. Entweder laufe ich mit einem sehenden Partner durch die freie Natur oder drehe mit meinem Blindenstock für mich allein meine Runden auf der Tartanbahn. Außerdem arbeite ich regelmäßig an den Geräten im Fitness-Studio, in dem ich auch als Fitnesstrainer angestellt bin.

Wie gefährlich ist der Sport? Sind sie schon mal heftig mit einem Gegenspieler zusammengetaner?

Um es knallhart auszudrücken: Blindenfußball ist nichts für Weicheier. Natürlich ist immer eine gewisse Gefahr dabei, weil man als Blinder wachsamer, konzentrierter sein muss. Jeder von uns Spielern muss in der Lage sein, problemlos über den Platz zu sprinten und gleichzeitig die Positionen der Mitspieler sowie Gegner und die Laufrichtung des Balls „im Blick“ zu behalten. Da kommt es natürlich immer wieder vor, dass man mit einem anderen Spieler zusammenrasselt, sich die Nase bricht oder Verletzungen an Füßen und Beinen holt.

Was braucht ein Trainer in Ihrer Sportart?

Am wichtigsten ist, dass unser Trainer sehen kann und den nötigen Sachverstand mitbringt. Aber er muss auch eine hohe soziale Kompetenz besitzen und darf nicht nur der harte Hund sein. Er muss motivieren und uns pushen können, vor allem dann, wenn wir mal nicht so gut drauf sind und nichts wirklich klappt.

Was macht einen guten Blindenfußballer aus und was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ein guter Blindenfußballer kann das Spiel gut lesen und entsprechend schnell reagieren und sich auf die Taktik des Gegners einstellen. Er muss zu hundert Prozent für sein Team da sein.

Mein persönliches Erfolgsgeheimnis liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in meinem Ehrgeiz, meiner Disziplin, meiner hohen Konzentrationsfähigkeit und meiner immensen Freude am Sport allgemein und am Fußball im Besonderen.

Wieso rufen die Spieler "voy"? Gab es Blindenfußball zuerst in Spanien?

Voy bedeutet „ich komme/ich gehe“ und ist ein ganz wichtiges Kommunikationselement zur Sicherheit auf dem Platz. Als ballführender Spieler weiß ich dann, dass mein Gegenspieler mindestens drei Meter von mir entfernt ist. Dieser muss das Wort deutlich und rechtzeitig aussprechen, ansonsten gilt das als Foul. Warum man ausgerechnet ein spanisches Wort dafür gewählt hat, weiß ich leider nicht. Blindenfußball kommt nämlich nicht aus Spanien, sondern aus Brasilien.

Welche Chancen hat die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Berlin?

Wenn alle Spieler unserer Mannschaft dabei und topfit sind, rechnen wir uns gute Chancen fürs Finale aus.

Wer ist der stärkste Konkurrent?

Unsere stärksten Konkurrenten sehe ich vor allem in Spanien, England und der Türkei.

Wer ist der beste Blindenfußballer der Welt?

Es sind zwei Spieler aus Brasilien, an deren Name ich mich aber gerade nicht erinnere.

Was war ihr größter Erfolg und welche sportlichen Ziele haben Sie noch?

Mit meiner Bundesligamannschaft bin ich schon fünf Mal Deutscher Meister geworden. Außerdem habe ich durch mein Tor dafür gesorgt, dass sich die deutsche Nationalmannschaft für die WM 2014 in Japan qualifiziert hat.

Meine nächsten sportlichen Ziele lauten, Europameister und danach Weltmeister zu werden. Abgesehen von Titeln wäre mein größter Wunsch, trotz meines Alters von 38 Jahren noch möglichst lange schmerz- und verletzungsfrei spielen zu können.

Kann man von dem Sport leben?

Nein, in Deutschland verdient man im Vergleich zu manch anderem Land als Blindenfußballer kein Geld, was ich ein bisschen traurig finde.

Finden Sie, dass sich ausreichend genug um den Blindenfußball in Deutschland gekümmert wird?

Der Blindenfußball in Deutschland bekommt viel zu wenig Aufmerksamkeit. Es fehlt die entsprechende Wertschatzung, sowohl von den Verbänden als auch vom DFB. Und damit fehlt auch die Aufmerksamkeit der Medien sowie die der Zuschauer. Bei Nationalspielen dürfen wir auf maximal 3.000 Zuschauer hoffen, bei Bundesligaspielen bewegen wir uns im ganz unteren Hunderterbereich. Deutschland ist in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland.

Klemens, Harushan, Hannes

Begrüßungsfest der neuen 5. Klassen vom 21.07.2015