Dienstag, 19. August 2025

by Ralf Haug

Ich bin erstaunt und erfreut zugleich, wir haben offensichtlich einen Bildungsminister in Rheinland-Pfalz, der sich mit der aktuellen wissenschaftlichen Lage und Einschätzung in Bezug auf gelingendes Lernen im 21. Jahrhundert auskennt. Er hat tatsächlich gestern einen Brief verschickt, in dem er alle Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz anweist keine unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen zu schreiben. Schon in seinem ersten Brief hat er über die eigene Vita berichtet und vor allem auch über die Themen Angst und Leistung. Selbstverständlich möchten wir alle, dass unsere Schülerinnen und Schüler in der Schule etwas leisten, aber sie sollen dies möglichst angstfrei machen können. Zu einem der Disziplinierungsinstrumente der letzten 200 Jahre gehörten unter anderem die unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen. Diese gehören nun ab heute der Geschichte an. Ich ziehe meinen Hut, Herr Minister. Und ich wünsche ihnen, dass sie den Gegenwind, der von unterschiedlichen Kreisen nun entgegenweht, aushalten, und ihnen ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Ich habe heute mit einem breiten Grinsen im Gesicht folgende Sätze auf der Seite des Philologenverbandes gelesen:

Bei dem Schritt des Ministers handelt es sich um ein massives politisches Hineinregieren in das pädagogische Alltagsgeschäft: Lehrkräften wird pauschal die Fähigkeit abgesprochen, selbst die für ihre Klassen und Kurse passende Form der Leistungsüberprüfung zu wählen. Bisher lag die Entscheidung bei den Lehrkräften; sie war Teil ihrer pädagogischen Freiheit und Verantwortung. Verantwortliches Handeln und pädagogisches Fingerspitzengefühl traut der Minister, der selbst einmal zwei Jahre lang als Lehrer tätig war, seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen offenbar nur sehr eingeschränkt zu.

Ist das nicht herrlich?, da wird von Freiheit und Verantwortung und von Fingerspitzengefühl gesprochen und ganz nebenbei dem Minister frech eingeschenkt, weil er nur zwei Jahre als Lehrer tätig war. Ich musste wirklich grinsen. Ich glaube, dass dieser Verband spürt, dass seine Zeit vorüber ist. Genauso, wie die Zeit eines dreigliedrigen Schulsystems. Lasst uns die Gymnasien in ihrer bisherigen Form abschaffen und eine Schule für alle machen bis zur Klassenstufe 10. Danach gehen die einen in den Beruf und die anderen in eine Schule, die auf das Studium vorbereitet. Und zwar wirklich auf das Studium vorbereitet, ein Studium, in dem freie Geister selbstständig durchstarten und Deutschland voranbringen. Großartig diese Initiative unseres Ministers, bemitleidenswert die Worte der Philologen.