Montag, 18. August 2025

by Ralf Haug

Die Schule hat wieder begonnen und der erste Tag war gleich so schön, vielen Kindern merkt man an, wie sehr sich gefreut haben wieder zur Schule zu dürfen. Auch, wenn sie es nicht zugeben wollen. Ich bin von so vielen Kindern freudig begrüßt worden und die Montagmorgenbegrüßung war eine tolle Veranstaltung. Das Platzieren der Kinder war nicht ganz so einfach, aber nachdem alle einen Sitzplatz gefunden haben, konnte es losgehen. Eigentlich ist Sitzplatz nicht ganz richtig, da in der Sporthalle alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 – 10 stehen mussten. Zuerst warfen wir die Eltern der 5. Klassen raus, um uns dann mit den 9. Klassen zu beschäftigen. Sie absolvieren ein dreiwöchiges Praktikum, ich bin mir sicher, dass diese Erfahrung den ein oder anderen auf der einen Seite erden und auf der anderen Seite motivieren wird. Und dann zogen sie aus unter dem Beifall aller anderen und verließen uns für die kommenden drei Wochen. Danach erzählten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 und 10, wie ihre Herausforderung ablaufen würde, auch sie zogen aus, ich freue mich jetzt schon auf unser Fest in der dritten Schulwoche. Und dann begrüßte Pia die Kinder der neuen 5. Klassen. Hier war die Aufregung besonders groß. Ist doch klar, eine riesige Schule, so viele neue Kinder. Und der erste Tag in einer weiterführenden Schule. Pia hatte mit größeren Kindern für jedes Kind eine Schultüte gebastelt, die Klassen versammelten sich mit ihren Tutorinnen im Kreis, wurden beschenkt und zogen wieder unter tobenden Ablaus aus. Die Kinder der 6. und 7. Klassen waren übrig geblieben. Und sie hörten von den Dingen, die wir ihnen jedes Jahr an die Köpfe werfen. Lasst euer Handy ausgeschaltet im Ranzen, kaut kein Kaugummi und seid freundlich zu euren Mitmenschen. Als ich aufhören wollte und sie auch wegschicken wollte, klagte ein Mädchen, wir hätten noch nicht die Geburtstage besungen. Also riefen wir dazu auf und viele machten mit. Auch Dennis und Jochen, meine beiden Kollegen. Und wir sangen schön und dann war sie zu Ende, die erste Momo. Keine zwei Stunden später gab es auch für die Oberstufe eine Momo, wir stellten fest, wie viele Neue aus anderen Schulen bei uns gelandet sind. Ganz schön viele. Ich formulierte ein paar Bitten, zum einen fände ich es schön, wenn alle, die sich im Haus begegnen, einander grüßen würden, zum zweiten fände ich es großartig, wenn die Oberstüfler Vorbild für die Kleinen seien und nicht mit ihrem Handy telefonierend durch das Schulhaus rennen würden. Zum dritten sprach ich in mehreren Sätzen ein Thema an, welches nicht nur meines ist, sondern auch das von vielen Betroffenen. Es gibt auch bei uns Menschen, die homophob sind, Menschen, die keine Ausländer mögen und auch sonst gegen alles mögliche hetzen, gegen Menschen mit einer anderen Hautfarbe, gegen Menschen, die eine andere sexuelle Orientierung haben. Hier formulierte ich sehr scharf, dass wir hier in unserer Schule so etwas nicht dulden. Und dass für Menschen, die dauerhaft menschenfeindliche Aussagen machen, der Weg nach Russland sicher ein geeigneter wär. Hier könne man so etwas sagen und erhält dafür noch ein Schulterklopfen. Bei uns Gott sei dank nicht. Die Reaktionen waren durchaus verhalten. Doch im Laufe des Tages wurde ich des Öfteren auf meine Worte angesprochen, aber nur von Menschen, die ähnlich denken. Nachdem die Montagmorgenbegrüßung vorbei war, kam per EPOS Post von unserem neuen Minister. Dies war der zweite Brief weniger Tage. Und vom Inhalt her wieder genauso interessant wie der erste. Er weist alle Lehrerinnen und Lehrer im Land dazu an keine schriftlichen und mündlichen Hausaufgabenüberprüfungen mehr unangekündigt zu machen. Das machen an unserer Schule Lehrer so. Diese Sätze werden trotzdem von so manchem Kollegen mit einem großen Unverständnis aufgenommen werden, schließlich haben wir das immer so gemacht, wenn Schüler in der Stunde nicht funktioniert haben, wurde ihnen in der nächsten Stunde eine Überprüfung an den Kopf „geknallt“. Das scheint mir nun vorbei. Schließlich ist das eine Anweisung des Ministers. Weiter so Herr Kollege!