So, der letzte Schultag in diesem Kalenderjahr. Normalerweise gehe ich durch alle Klassen, doch heute schlugen einige Ereignisse über mich herein, sodass ich leider nicht gehen konnte. Zum Teil waren das selbstgemachte Hindernisse. Ich hatte einem Jungen versprochen gegen ihn Schach zu spielen und hatte gestern keine Zeit. Heute Morgen stand er mit einem Schachbrett und Figuren in meiner Tür und nun hatte ich keine Ausrede mehr. Nachdem er mir sagte, dass er gerne Schach spiele, war mir klar, dass er besser spielen würde als ich selbst. Ich wusste, dass ich außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen musste, um nicht zu verlieren. Eine meiner Waffen ist, dass ich mein Gegenüber zuquatsche. Ich verwickelte ihn ständig in ein Gespräch und es dauerte nicht lange bis seine Dame mein Eigen war. Doch auch er überraschte mich und so spielten wir damenlos weiter. Am Ende spielten wir Räuberschach, jeder von uns hatte noch 2 Figuren und wir einigten uns auf ein Remis. Besser hätte es gegen diesen Gegner für mich nicht laufen können. Wir gaben uns die Hand und verabschiedeten uns voneinander. Das Ganze hatte doch mehr Zeit gekostet als ich gedacht hatte. Gerade haben wir Lehrerinnen und Lehrer uns in die Weihnachtszeit verabschiedet und uns bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedankt, die kein Lehrpersonal sind. Wir waren im Freien an unserem Bauwagen, den Rossi mit Schülerinnen und Schülern zu einem kleinen Paradies umgebaut hat. In meinen Dankesworten ging ich darauf ein, dass wir ja nicht nackt in die Schule kommen, ohne Anhang, sondern dass alles, was uns beschäftigt, auch in der Schule eine Rolle spielt. Wenn es mir oder einem Familienmitglied schlecht geht, wenn ich mich gerade getrennt habe oder in Trennung lebe, wenn die eigenen Kinder uns Sorgen machen, wenn die Oma gerade gestorben ist, nehmen wir das mit an unseren Arbeitsplatz. Je mehr wir voneinander wissen, je mehr wir aufeinander achtgeben, umso mehr können wir in unserer Schule Gutes bewirken. Die IGS Landau versucht ein solcher Ort zu sein, ein Ort, an dem man Mensch sein darf.
