Donnerstag 14. Mai 2026

by Ralf Haug

Unser erstes Ziel am frühen Morgen ist der Tempel Ramses III. Er war der letzte erfolgreiche, große Pharao, der Ägypten groß machte. Danach ging es steil bergab. Auf der Westseite schauen wir uns die Reliefs an. Da geht es um den Krieg von Ramses II. Geht es um die Seevölker, nicht nur Philister, aber auch die. Ganz groß sehen wir auf Bildern, wie Ramses die Philister verstieß und umbringt, enthaupten ließ. Wir finden dabei ja auch lustige Details, im aktiven Kampf wird er tatsächlich von einem Mann mit einem richtigen Fuchs begleitet. Wir sehen, wie Ramses seine Feinde gefangen nimmt und an einem Seil abführt. Die Reliefs sind hier so tief, dass meine Hand hineinpasst. Etwas fällt auf, immer wieder fehlen Gesichter und das waren diesmal keine Ägypter, sondern das waren die Christen, die viel später hier vorbeikamen. An anderer Stelle sieht man wie Ramses III. die Feinde bestrafen ließ. Zuerst eine Szene, in der die Hände abgehackt wurden. Auf einem anderen Bild sehen wir einen Berg abgehackter Penisse. Insgesamt geht es um die große Seeschlacht im Jahre 1050. Wir sehen den Amun-Re und entdecken ein anderes Detail. Wenn du einen spitz zulaufenden manchmal grünen Hut siehst. Dann ist das Kopfsalat, ein Symbol für Sexappeal. Wir sehen Ramses II. mit einem Löwen, eine lange Stange wird von libyschen Gefangenen gehalten. Und dann tauchen Wandmalereien auf, die weit über 3000 Jahre alt sind und in einem ganz außerordentlichen Zustand. Die Naturfarben wurden immer mit dem Eiklar und dem Essig von Dattelbäumen hergestellt. Rot aus Eisenoxid, gelb aus Sandstein, blau aus Lapislazuli, grün aus Kupfer.

Und dann kommt ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Wir besuchen zwei Gräber, die eben nicht zu Göttern gehören. Das erste Grab ist das eines Wesiren. Eines hohen Regierungsbeamten, er war sehr wohlhabend. Das Grab hat die folgende Form:

Es ist ein Grab und es ist ein Grab eines reichen Mannes und wir sehen hier darauf nicht Heldentaten, sondern Alltag, Industrie und auch ein wenig Protz. Und zwar deshalb, weil der Wesir seinen Reichtum zur Schau stellte.

Es zeigte seinen Reichtum, seine Ländereien, er besitzt einen eigenen See, mit Bäumen und ganz viel Platz. Und es gibt ganz viel Alltag. Berufe werden gezeigt, Maurer, Zimmermann, Glasbläser, einen wunderbaren Hinterschinken, auch die Ägypter wussten, was gut schmeckt. Am Ende sehen wir den Sarkophag, der auf einer Barke ins Jenseits gefahren wird. In einem Seitenarm entdecken mit Mogis Hilfe etwas, das uns natürlich gefällt. Weder die Griechen noch die Römer waren die ersten Weinbauern, sondern die Ägypter. Wir sehen Weinberge und auch wie Menschen mit den Füßen keltern. Das Licht übrigens wird mit Spiegeln und der Sonne, die reflektiert, bei Bedarf von Menschen in den langen Gang hineingebracht. Das zweite Grab ist der Hammer. Nachdem man in gebückter Haltung hinabgestiegen ist, kommen wir in einen kleinen Raum, hier sind an der Decke unterschiedliche Farbspiele und auch Weinreben.

Am Ende unserer Untersuchung des alten Ägyptens besuchen wir den Tempel von Ramses II. Dort erleben wir eine Überraschung. Wir sehen ganz viel Polizei anfahren. Südkoreanische Archäologen führen dort eine Ausgrabung durch und der Tourismusminister von Ägypten kommt vorbei. Wir machen ein Bild mit ihm. Er fordert ein zweites, aber nur mit unseren Damen, ein Profi eben. Das prägende Ereignis oder Monument aber ist natürlich eine Statue Ramses II. Diese liegt in Teilen auf der Erde. Gemacht aus Assuangranit, 1100 Tonnen schwer, umgefallen bei einem Erdbeben. Eine größere Statue gibt es nicht. Ich frage mich, wie die Menschen diese Massen haben bewegen können. Was wir hier sehen sind brutale Kriegsszenen auf den Wänden, die Schlacht von Kadesh, mein Kopf ist voll, an einer Stelle fragt uns Migo, ob wir das Gedicht von Ozymaidis kennen. Natürlich, doch wir lesen es nach und finden, dass es 1817 geschrieben wurde und der Name steht für User-maat-Re und ist damit Ramses II. gewidmet. Es ist schön, hier eine deutsche Übersetzung:

 Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
     Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.

     Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
     Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.

     Und auf dem Sockel steht die Schrift: „Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!“

     Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich, die den Koloß begräbt.

Wir steigen in den Bus und bekommen eine Nachspeise. Ein Boot bringt uns über den Nil direkt zu unserem Hotel. Danke Mogi. Spät am Abend geht es zurück nach Kairo.