Mittwoch, 13. Mai 2026

by Ralf Haug

Mittwoch, 13. Mai 2026

 Ich habe verschlafen, um 04.00 Uhr noch dem Muezzin gelauscht, weggepennt. Mogi ruft mich an, zum Glück brauche ich nur kurz, um vor dem Bus zu stehen. Alle sind entspannt, ich auch ein wenig aufgeregt. Höhenprobleme, hoffentlich werden die nicht meine Freude mindern. Dort angekommen, einmal die Brücke über den Nil finden und dann sehen wir zu, wie die Ballons vorbereitet werden. Wir fahren mit 32 Personen, immer zu viert in einem Korbabteil, ich stelle mich vorsichtshalber in die Mitte. Später wollte ich dann doch auch vorne schauen. Und dann wird der Ballon durch vier große Ventilatoren zum Ballon. Wir steigen schnell ein und ganz sanft fahren wir los. Ich zähle zwischen 10 und 20 Ballons, die unterschiedlich hoch und schnell fahren. Unter uns das Tal der Könige, die riesigen Kolosse ganz deutlich zu sehen, die Grenze zwischen fruchtbarem Land und der Wüste. Wir sehen den Nil und können so gut unser Hotel in der Ferne erkennen. Mal sind wir sehr hoch und sehr tief. Der Kapitän spielt mit der Höhe. Irgendwann setzen wir leider zur Landung an. Ballonfahren ist so kontemplativ, so schön, Schwebezustand, wunderschön. Um 07.15 Uhr sind wir im Hotel, der erste Kaffee schmeckt lecker, ein Zwetschgenkuchen verführt mich zu zwei Stücken. Heute wird es ein brutal heißer Tag und wir besuchen auf der anderen Seite des Flusses das Tal der Könige. Um 07.30 Uhr fahren wir los und im Nachhinein sollte das Tal der Könige in Death Valley umgetauft werden, es war so früh schon sehr heiß. Um 13.00 Uhr über 40 Grad. Unser erstes Ziel war die Tempelanlage von Hatschepsut, einer Königin, die es nicht leicht hatte, in der von Männern dominierenden Welt. Sie war verheiratet mit Thomoses II., nach dessen Tod regierte sie als Pharaonin zwei Jahrzehnte. Auf den Reliefs wird sie oft mit kurzem Schurz und Bart dargestellt. Ihr Stiefsohn Thotmoses III. ließ auf den Reliefs ihr Gesicht einfach zerstören, überall wurde ihr Name durch seinen ersetzt. Was für ein gemeiner Kerl. Die ganze Anlage besteht aus drei Ebenen, mir hat vor allem die zweite Terrasse sehr imponiert. Die dortige Geschichte zeigt vielmals, wie Amun-Re der Königin die Hände auf die Schulter legt. Wie gesagt, ihr Bild ist immer entfernt. Man sieht die Geburt der Königin, die Mutter der Königin. Überall sieht man die Pharaonin vor Anubis, Osiris, stets im Kopf entfernt. In einer anderen Halle sieht man, wie Hatschepsut eine Reise unternimmt und erfolgreich zurückkehrt und Amun-Re Gold und Kostbarkeiten mitbringt. Die Reliefs sind wunderschön und auch farblich gut erhalten. Ein Höhepunkt das Relief, wo Hatschepsut von der Kuh trinkt. Irgendwann sind wir gegrillt, trinken alle eine Cola, sehen uns unterwegs noch zwei Kolosse an, kaufen Hemden und Schals in einer ägyptischen Manufaktur. Ägyptische Baumwolle gilt als die Beste der Welt. Ich kaufe mir drei wunderschöne Hemden zu einem durchaus angemessenen Preis. Was nach dem Essen in einem Lokal mit riesigen Bäumen passierte, war phänomenal. Auch diesmal wieder ehrliches Essen, schmackhaft, würzig, ein bisschen scharf, herrlich. Ich aß noch Auberginenpaste, einen herrlichen Rucola-Salat mit Orangenfilets und Honigmelone, Oliven und einen Salat mit roten Zwiebeln und Zucchini. Dazu gab es Mininudeln und eine im Tontopf gekochte Moussaka, aber ohne Fleisch. Einfach und köstlich. Dann besuchten wir das Tal der Könige, es gibt 62 Gräber, wir besuchten die Gräber von Ramses I., III. und IV. Vorher fahren wir an dem Haus von Howard Carter vorbei, er sollte 1927 das Grab von Tutenchamun entdecken. Er war es eigentlich gar nicht, ein kleiner ägyptischer Junge rannte zu seinem Haus, das am Beginn der Strecke ins Tal der Könige liegt, und holte ihn. In allen Gräbern geht es auf den Reliefs um Anfang und Ende, Geburt und Tod, aber auch um Auf- und Untergang. Zuerst gehen wir zur Nekropole von Ramses II. Ein Wahnsinn, es hat unfassbare Dimensionen. An der Decke des dritten Raumes spielt sich eine Geburt ab und es geht um Anfang und Ende. Es ist so ergreifend. Das Grab Ramses III. ist so riesig und so schön. Wir erleben Szenen aus dem Leben, Metzger, Bäcker, wir sehen Isis, wir sehen den Schutzgeist des Königs, alle möglichen Tiere, lauschen bei Feldarbeiten, wir erleben den Lauf der Sonne in unvorstellbaren Farben. Ein riesiges Grab. Ich möchte das dritte Ramses-Grab überspringen, um zum Grab Sethis zu kommen, das wir uns nun anschauen. Etwas Schöneres, ja Erhabeneres habe ich noch nicht gesehen. Steil geht es bergab, im Reisführer lese ich später, dass dieses Grab 100 Meter lang ist. Die Reliefs sind so alt und so gut erhalten. Wenn ich an hochgelobte Kirchen in Italien denke und das hier sehe, stockt mir der Atem. Wir alle sind so leise und ergriffen. Wir sehen viele Bilder von Re, wir erkennen das Totenreich, viele Reliefs mit vielen Schlangen, bösen und guten. Irgendwo Götter, ich zähle 12, mit Stöcken, die wie eine Gabel aussehen. Ibisköpfige. Eine Schlange mit Menschenkopf. Der falkenköpfige Horus ist auch oft zu sehen, dies ist ein ganz besonderer Ort, hier wird auch Zärtlichkeit zwischen Lebewesen dargestellt und je weiter man nachsieht, umso feiner. Wir genießen die Stille. Apropos, Ägypten leidet enorm unter der weltpolitischen Lage. Die Zahl der Touristen ist dramatisch zurückgegangen. Auch im Tal der Könige, einem wirklichen Hotspot sieht man vergleichsweise wenige Menschen. Es ist schlimm für die Menschen, die Bevölkerung ist so jung, die Perspektiven schlecht oder miserabel. Wir werden sehr bedrängt von Menschen auch Kindern, die etwas verkaufen wollen. Ganz beliebt ist auch, für Euromünzen Scheine zu bekommen, weil die Menschen die in der Bank tauschen können. Es ist traurig, ich kann jeden verstehen, der anderswo sein Glück sucht. Ich denke ständig an Matas, unseren Clubhauswirt, er hat für sich eine richtige Entscheidung getroffen, auch wenn er ein schönes Land verlassen hat. Und noch etwas merke ich gerade. Wir kamen aus Europa, sind jetzt in Afrika und in zwei Tagen in Asien.