Heute Morgen geht es früher aus den Federn. Vor halb acht Uhr sitzen wir im Bus. Wieder durch die Stadt. Wir fahren durch Dörfer und sehen das ländliche Leben. Diesmal geht es nach Sakkara, hier ist wenig Tourismus und wir sind in der Wüste. Wir werden empfangen und beginnen mit einer Führung. Die Pyramide ist ganz anders gebaut. Eigentlich sind es die Pyramiden. Wir gehen in eine Familiennekropole mit 32 unterschiedlichen Gräbern. Sehr interessant, unfassbar gut erhaltene Materialien und Malereien an den Wänden. Mitten in der Wüste auf den Wänden Fische, Tilapias aus dem Nil, Nilgänse, im nächsten Raum eine Schulszene, wo Kinder bestraft werden, andere warten auf ihre Bestrafung, wir sind 2300 Jahre vor Christus. Auf einem Bild sind Kinder und Tiere abgebildet, Tiere und Menschen haben beide Namen! Eine tolle Erfahrung. Danach gehen wir kriechend in den Bauch einer Pyramide, wir sehen riesige Hieroglyphenwände, Sterne an der Decke und einen großen Sarkophag, nicht spektakulär groß. Spektakulär wird es wirklich bei unserer nächsten Station. Wir gehen durch den Serapistunnel, wo Serapis liegt, halb Mensch, halb Gott. Dieser Ort wurde 1900 von einem Franzosen entdeckt, es ist ein magischer Ort. Es ist eine Nekropole für Stiere! 26 Stiere.
Im Inneren entdecken wir riesige aus Assuan-Granit gefertigte, tonnenschwere Sarkophage, in denen kein einziger Stier gefunden wurde. Nichts, gar nichts. 110 Tonnen soll einer wiegen. Ich frage mich, was zuerst da war, die Sarkophage oder das Grab, das sie enthielt. Wie haben das die Menschen damals angestellt? Man weiß es nicht. Ich stelle mir auch die Frage, die jetzt schon nach kurzer Zeit in Ägypten gestellt werden muss. Von den Ägyptern haben wir die Schrift für die Ewigkeit, Hieroglyphen, Wandmalereien – von uns, was bleibt von uns? Wenn Menschen in 2000 Jahren unsere Zeit erforschen, was bleibt von uns? Mich schaudert ein wenig. Wir fahren an die Pyramide von Sakkara, ein ganz berühmter Architekt soll den Bau veranlasst haben. Eine Pyramide aus der 5. Dynastie, auch wieder anders in der Bauweise, über mehrere Terrassen geht es bis zu Spitze. In den 1950er Jahren sei sein Vater diese Pyramide hochgekrabbelt, höre ich Migo, unseren Reiseleiter, sagen. Etwas weiter auf dem ausladenden Gelände stehen wir vor einer Tür, die unscheinbar in die Erde führt. Wir erfahren, dass hinter der Tür in der Erde 77 Räume zu einer Pyramide aus der 2. Dynastie führen. 77 Räume! Auf diese Pyramide aus der 2. Dynastie ließ der König eine zweite Pyramide bauen, wir befinden uns hier in der 5. Dynastie. Das war es mit dem magischen Ort Sakkara. Reicht eigentlich schon für mein kleines Menschenhirn, doch wir mussten noch nach Memphis, der alten Hauptstadt, hier liegt nicht der King begraben, dafür sehen wir zwei riesige Statuen von Ramses II. Und die zweitgrößte Sphinx nach der in Gizeh. Ein schöner Abschluss des Vormittags. Um 13.00 Uhr gehen wir essen. Zum ersten Mal schmeckt mir das Essen in Ägypten. Empfangen werden wir von Musikern, die eine Melodie ständig wiederholen. Zwei Frauen backen frisches Brot, Falafel, Humus, Auberginen, herrliche Kohlrouladen, wie ich sie noch nie aß. Scharfe Peperoni, gebratenes Huhn und eine Art Kartoffelgemüseauflauf mit Tomatensoße. Es war eine einfach wohlschmeckende Küche. Hier wurde uns serviert, was Ägypter essen, anders als im 5-Sterne-Hotel in Kairo, wo wir zwischen unfassbar hektischen Kellnern eine geschmacklose Einheitsküche erhielten. Die Spezialität des Kellners im Hotel war es, den Teller mit Besteck abzuräumen, bevor du wirklich fertig warst. Ganz süß, wie der emsige Kellner uns das warme Brot einpackte und den Damen als Geschenk überreichte. Ich dankte unserem Reiseführer, der sich ganz gerührt zeigte. Er dachte, das Schicki-Micki-Restaurant von gestern hätte uns besser gefallen. Ich denke nochmals zurück an die Erklärungen unseres Reiseführers, als wir in Sakkara waren. Wir wissen, dass die Stufenpyramide der älteste Steinbau monumentaler Art auf ägyptischem Boden ist. Hier gab es eine Balsamierungswerkstatt, noch heute ist Sakkara eine Fundgrube. 2019 fand man 100 vergoldete Katzen, später fand man eine Bronzestatue des Baumeisters Imhotep und 2023 die komplett mit Blattgold bedeckte Mumie Hatschepsut. 4300 Jahre alt. Nach dem Essen rasen wir mit unserem Bus in einer Stunde zur DEO, der Deutschen Schule Kairo. Unser Aufenthalt dort dauert nur eine Stunde, wir erhalten viele Informationen über die Schule und über das Projekt „Kooperativer Religionsunterricht“, welches Unterricht in den Klassen 11 und 12 stets mit zwei Lehrkräften bedeutet, ein Moslem und ein Christ unterrichten gemeinsam. Spannend und auch innovativ. Mir kommt die Schule wie ein Biotop (das Bild stammt von Uli, unserem Biologen) vor, man lebt in einer eigenen Welt, wohl wissend nach außen, für die 77 Schulplätze pro Jahr werden umfangreiche Aufnahmeprozesse veranstaltet, so dass man am Ende eine Schülerschar hat, die höchsten Weihen würdig ist. Eindrucksvoll ja. Dann geht es ab zum Bus, um 17.45 Uhr erreichen wir den Flughafen, gegen 21.00 Uhr sind wir in Luxor gelandet. Nach dem Abendessen sitzen wir tatsächlich am Nil, es ist um 23.00 Uhr noch 34 Grad und wir genießen den Blick auf den Fluss, vor uns schimmert das Tal der Könige, das einige von uns übermorgen früh mit dem Ballon entdecken werden.














