Ich entscheide mich für das Kamel. Respekt habe ich, aber einmal im Leben mit dem Kamel reiten, ja. Die Beduinen leben in einfachsten Höhlen direkt vor Ort. Für 25 Euro bringt mich mein Beduine nach oben. Mit seiner Hilfe kann ich aufsteigen, es ist abenteuerlich, wenn das Kamel aufsteht. Zuerst die Hinter- dann die Vorderbeine. Festhalten ist die Devise, es wackelt, man gleicht ständig aus und versucht, nicht runterzufallen. Bei Günther ist es passiert. Das ist ganz schön gefährlich aus über 2 Metern einfach so unkoordiniert runterkrachen. Günther ist 79 und beratungsresistent. Ich habe ihn vorher gefragt, ob er sich das wirklich zumuten wolle, er habe schließlich neue Turnschuhe gekauft, sie waren nicht eingelaufen, aber das würde ja schon gehen. Ursprünglich war sein Plan hochzulaufen. Irre, der Typ. Seine Gattin nicht minder, nicht gut zu Fuß reitet sie auch Kamel, zurück wollte sie laufen. Unterwegs sind kleine Verschläge fest in Beduinenhand. Kaffee und Tee stärken schwitzende Kletterer. Ein Beduine, der uns begleitete, überzeugte sie, mit einem Kamel auch bergab zu reiten. Auch sie hatte geplant, rauf und runter zu laufen. Für mich lief es gut, ich kam heil oben an und hatte unterwegs einen unfassbaren Sternenhimmel gesehen. Kalt war es, wiederholt war ich underdressed, die kurzen Hosen waren ein Fehler, ich sollte es bitter merken. Ich hatte dann lange nicht mehr so gefroren wie in jener Nacht. Wir Kamelreitenden waren nach 1,5 Stunden oben, nicht ganz oben, von dort gingen 1.750 Stufen nach ganz oben. Ich befand mich auf 2.000 Metern, ganz oben waren es 2.285 Meter. Ich beschloss, nicht weiterzulaufen, Tee zu trinken, die Augen zuzumachen und auf die Waghalsigeren zu warten. Ich zitterte am ganzen Leib, mir wurde bis zum Aufgang der Sonne nicht warm, ich schlotterte, endlich erwachte der Tag. Ich stellte mich in die Sonne und taute auf. Die Kulisse großartig, ein bisschen Rocky Mountains. Der rote Sandstein erzeugte wundersame Gebilde, ich war ergriffen, der Ritt mit dem Kamel hatte sich gelohnt, dann kamen die Wagemutigen vom Berg, gemeinsam gingen wir über zig Stufen und einen endlos scheinenden Weg zurück, trafen uns mit den Übernachtenden und besichtigten das Katharinen-Kloster, das mich nicht wirklich vom Hocker riss, es ist so ein wichtiger Ort, weil hier die Geschichte von Moses und dem Dornbusch gewesen sein soll. Die Orthodoxen glauben das wirklich. Ich kann damit nichts anfangen. Und dann fahren wir zurück ins Hotel, sehen unsere russischen Freunde wieder und essen inklusiv. Ich schlafe am Nachmittag und gehe um 09.00 Uhr ins Bett.




















