Menschen – wer wir sind

Schulleiters Tagebuch

Tagebucheinträge Oktober 2021

08. Oktober 2021

Heute morgen um 8 Uhr besuche ich eine Veranstaltung in unserer Mensa, Freunde aus Hötensleben sind da. Dieser Ort liegt in Sachsen-Anhalt. Dort steht heute noch ein Stück Mauer. Hötensleben ist ein Ort, der direkt an der damaligen Grenze liegt. Die Mauer war eigentlich keine Mauer, mehrere unterschiedliche Zäune, Signalzäune, Minen, Selbstschussanlagen, irgendwann einmal Hunde. Diese Hunde waren gequälte Monster. Nach dem Fall der Mauer musste der Kreisveterinär 1800 Hunde einschläfern, weil sie nicht mehr lebensfähig waren bzw. eine Gefahr für die Menschen waren. Die Freunde aus Hötensleben erzählen aus ihrer Jugendzeit. Am 26.5.1952 stand plötzlich ein Zug auf dem Gleis und es wurden Menschen einfach zwangsausgesiedelt, von einem auf den anderen Tag. Die, die gingen, wurden nie mehr gesehen. Die, die blieben, hatten von da an richtig Angst. Heute sind manche von denen wieder zurück in Hötensleben, viele sind gebrochene Menschen. Wenn eine Tür zufällt, zucken sie zusammen. In den usern der Menschen lebten nun andere, sie bekamen aber ihre nicht zurück. Sie erzählen von der Schulzeit. Sie reden wieder von Angst, die auch in der Schule systematisch verbreitet wurde. Sie sprechen von Diktatur. Ein Teilnehmer beschreibt sich als Flüchtender, nach Hötensleben gekommen, die Einheimischen mussten teilen und Wohnraum abgeben. Auch die Nahrung musste geteilt werden. Es gab keine Schuhe, Söckchen, Kleidung war Mangelware. Es gab neue Lehrer, die alten Nazilehrer waren verschwunden. Sie sprechen von geistigem Terror. Bei uns wollte keiner Ostmusik hören. Sie hörten Westmusik, David Bowie statt Karat. In den 1970er, 1980er Jahren fing es an, dass die DDR allmählich niederging. Ein Freund erzählt, wie der Staat versuchte, ihn depressiv zu machen, weil er gegen die DDR oppunierte. Er wusste nicht, warum er depressiv wurde, er durfte kein Abitur machen. Er bekam in der Schule gefälschte Noten, so dass er nach der 10. Klasse nicht aufs Gymnasium durfte. Nach der Wende erfuhr er erst davon, dass man von Staats wegen ihn fertig machen wollte. Heute hat er den Menschen verziehen. Sie reden über Grenzen und darüber, dass es heute wieder mehr Grenzen gibt. Und dass Grenzen nicht gut sind. Ein Europa ohne Grenzen sei ein Segen. Sie wünschen sich offene Menschen, die andere Menschen respektieren, sie wollen, dass Menschen ihre eigene Meinung sagen lernen. Schüler fragen: Warum heißt eine Diktatur Deutsche Demokratische Republik? Die Antwort: Das war alles nur Makulatur. Die Wahl war eine Farce. Es gab einen Zettel, auf dem die Kandidaten standen, der Zettel wird einfach nur gefaltet und in die Urne gesteckt. Wer in die einzige Wahlkabine ging, hatte schon verloren. Wenn du nicht wählen gingst, kamen sie zu dir nach Hause. Sie erzählen von der Staatssicherheit, da lebten Menschen unter dir, die dich verraten haben. Warum seid ihr nicht gegangen? Eine schwere Entscheidung, viele sind gegangen. Aber nicht alle, Freunde, Familie verlassen, das war schon schwer. Man hielt es halt aus. Bei der Überlegung zu gehen, stellte man sich die Frage: Wo will ich denn hin? Wusstet ihr, dass ihr bespitzelt werdet? Ja. Wir waren westlich geprägt, bei uns gab es auch Punks. Zurück zu den IM’s. Stasimitarbeiter. Das hatte zur Folge, dass man sehr vorsichtig war. Nur ganz wenige. Denunzianten schliefen sich nach oben. Nach der Wende hat man gemerkt, wie sehr dieses Denunziantentum sich ausgebreitet hatte. Einer erzählt, dass er es geschafft hatte nicht in die Partei einzutreten. Er hat Glück gehabt. Die Grenzschützer waren Berufssoldaten. Bis in die 70er Jahre waren sie anerkannt. Das änderte sich dann. Als Soldat war es an der Grenze lukrativer, das Essen war besser. Und das Gehalt höher. Thema Essen. Die Versorgungslage war schlecht, die Ernährung zum Teil mangelhaft. Wenn du ein Auto bestellt hast, hattest du eine Wartezeit von 14 Jahren! Du hast gekauft, weil es das gerade gab, um mit jemand anderem zu tauschen. Oft waren Geschäfte auch einfach leer oder es gab einen braunen Mantel. Die Geschichte vom Militär am Schluss. An der Grenze Dienst zu tun, war von Vorteil. Wenn man bei der Armee im Land war, war es ein perfides System. Es gab den E und den Glatten. Der Glatte hatte kein Abzeichen, der E konnte mit dem Glatten machen, was er wollte. Ein Redner hatte es selbst erlebt, Klo zu putzen, das bis oben hin mit Schuhcreme verschmiert war, ein Waschraum sauber machen, in den Sand geschüttet wurde oder das private Geschirr des E’s  reinigen. An der Grenze war das nicht so. Da musste der E Angst haben mit dem Glatten zum Dienst gelost zu werden. Mein Gott, was für ein System. Zum Schluss wird gedankt. Den Freunden aus Hötensleben, den Schülern und Uli Roos, der alles so großartig organisiert hat. 

07. Oktober 2021

Heute hat unsere Schule Besuch bekommen, Besuch aus Hötensleben. Die Menschen dort in Sachsen-Anhalt haben einen 400 Meter langen Mauerstreifen erhalten und pflegen diesen quasi als Mahnmal für das, was die Deutschen Staaten einst trennte. Mein Kollege Uli Roos fährt seit einigen Jahren immer zu Beginn des Schuljahres mit Schülern nach Hötensleben, dort werden Zeitzeugen befragt und gleichermaßen Pflegearbeiten durchgeführt. Die Menschen, die uns besuchen, können berichten, wie es war eingesperrt zu sein und direkt an der Mauer zu leben. Sie werden in den kommenden Tagen einigen Schülergruppen begegnen, morgen werde auch ich bei einer Veranstaltung dabei sein. Gestern Abend hatten wir Elternbeirat und es meldete sich plötzlich ein Mitglied. Er erzählte auf der anderen Seite der Mauer gestanden zu sein. 1984 sei er als junger Grenzschützer im Westen gestanden, seine Aufgabe war es auch die Grenze zu schützen. Und er hat all das, was wir nur aus Büchern kennen, gesehen. Es war ein sehr bewegender Moment im Schulelternbeirat, weil es offensichtlich für ihn eine Erfahrung war, die er sein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen wird. Wir wissen immer noch viel zu wenig von unserer jüngeren Deutsch-Deutschen Geschichte. Gott sei Dank ist Uli da so engagiert.

06. Oktober 2021

Ich habe die letzten 7 Tage Buch geführt in Bezug auf meine Einsatzstunden als Schulleiter. Ich habe im Monat Oktober vom 01. bis zum 06. Oktober 40 Stunden mit dem Ausfüllen von Statistiken zu tun gehabt. Da kommt doch große Freude auf. Jetzt weiß ich wirklich, warum ich meinen Beruf gewählt habe. Die Erfüllung ist da. Und es gibt in diesem komischen System immer für alles eine Erklärung. Alles ist mit allem verwoben und deswegen muss ich als Rädchen meinen Teil zum großen Hamsterrad beitragen. Haben wir uns schon einmal gefragt, ob das tatsächlich so weitergehen soll. Wer beherrscht hier eigentlich wen? Wer will wirklich wissen, ob Frau Schmidt in der 5a oder in der 5b ist? Wir kommen vor lauter Zahlenkolonnen hintereinander zu reihen nicht zum Eigentlichen. Wir haben eine so wunderbare und große Aufgabe vor uns, nämlich Kinder zu helfen möglichst gebildet im 21. Jahrhundert durch das Leben zu gehen. Davon sollten wir uns nicht abhalten lassen, schon gar nicht vom Zwang irgendwelche sinnfreien Tabellen durch den Äther zu schicken. In zwei Tagen soll ich meine Statistik abgeben, ich werde es nicht tun, wie viele andere auch.

05. Oktober 2021

Heute hat der Förderverein am Abend getagt. Dieser Förderverein besteht nur aus wenigen aktiven Menschen, die sind aber hochprofessionell, auf sie ist Verlass, unterstützt durch meinen Stellvertreter arbeiten sie völlig geräuschlos und im Sinne der Schule. Dafür meinen herzlichen Dank und hoffentlich auf ein „Weiter so“. Tagsüber hatten wir eine sehr interessante virtuelle Begegnung. Zugeschaltet aus Barcelona war Till Jaspert, der zusammen mit Berit Mosbrugger den innovationshub.schule gegründet hat. Sie begleiten Systeme, die sich verändern, mein Stellvertreter sagt transformieren wollen und es ist schon verrückt mit Menschen zu sprechen, die nach wenigen Sätzen wissen, worum es uns im Kern geht und durch gute Fragen es uns ermöglichen Dinge klarer zu sehen. Was ich auch dieser ersten Begegnung mitgenommen habe, war eine große Ermutigung, nämlich die, Dinge auszuprobieren. Veränderung geschieht über das Ausprobieren, Irren, Scheitern, wieder Ausprobieren und so fort. Die Tendenz in großen Systemen und unsere Schule ist ein großes System, über Dinge lange zu reden und nicht ins Tun zu kommen, ist sehr stark. Ich habe in diesem Gespräch gelernt, dass es gut ist etwas auszuprobieren.

04. Oktober 2021

Die letzte Woche vor den Herbstferien hat begonnen, die erste Etappe haben wir bald hinter uns. Es ist einfach schön den Kindern auf dem Gang zu begegnen oder in der Mensa oder im Unterricht. Und wie sie sich freuen, überall werde ich begrüßt und erwartungsfrohe Kinderaugen strahlen um die Wette. Heute haben wir es gewagt und mit den Klassen 5 und 6 die erste Montagmorgenbegrüßung seit ich weiß nicht wann durchgeführt. Für die Kinder aus den 5. Klassen war es gänzlich neu, auch die 6. Klassen sind nicht gerade erfahren in Bezug auf die Montagmorgenbegrüßung. Und ich merke wie wichtig die Begegnung und das Miteinander ist. Es hat ziemlich lange gedauert, die Kinder mussten sich ja alle auch noch testen, aber so ein bisschen Momo aus längst vergangener Zeit war doch zu spüren. Ich spüre wie wichtig diese Begegnung ist und freue mich sehr, wenn wir gleich nach den Ferien wieder eine Montagmorgenbegrüßung für die Orientierungsstufe haben.

Tagebucheinträge September 2021

30. September 2021

Heute hatte ich ein wunderschönes Erlebnis in einer 6. Klasse. Meine Kollegin war kurzfristig erkrankt und ich gönnte mir eine Vertretungsstunde. Wieso gönnen? Weil das Zusammensein mit den Schülerinnen und Schülern für mich zu den entspanntesten Dingen zählt, was ich so jeden Tag mache. Ich habe heute Telefonate mit dem Jugendamt, dem Schulamt, zwei anderen Schulen, dem Ministerium, dem Pädagogischen Landesinstitut, den Verantwortlichen für das neue Schulverwaltungsprogramm und der ADD Neustadt geführt. Das volle Programm und meistens ging es um wenig Weltbewegendes. So war mein Highlight des Vormittags die Vertretungsstunde in der 6. Klasse. Und es ging schon lustig los. Ich begrüßte die Schülerinnen und Schüler und bekam ein geleiertes und gelangweiltes „Guten Morgen“ zurück, woraufhin ich sie fragte, wie sie dazu kämen in derlei Weise mich zu begrüßen. Wie sich herausstellte, wussten sie gar nicht warum. Also dachten wir darüber nach. Irgendein pfiffiger Junge, dessen Namen ich nicht kannte, kam auf die Idee „Na ja, vielleicht machen das Lehrer, weil es sie bei ihren Lehrern so gelernt haben“. Schlaues Kind. Die Praktikantin, die sich ebenfalls im Raum befand, nickte heftig. In der davorliegenden Stunde hatten die Schüler ebenfalls eine Vertretungsstunde, sie sammelten Müll. Also griff ich das Thema auf und dachte als Deutschlehrer sei es sinnvoll dazu einen Text schreiben zu lassen. Und weil ich etwas Sinnvolles tun wollte, gab ich den Schülern die Aufgabe einen Text zu schreiben, die Textsorte sei völlig egal, ob Gedicht, Erzählung, Kurzkrimi, Zeitungsartikel, alles ist erlaubt. Ein anderer pfiffiger Junge fragte danach einen Comic zu schreiben und zu zeichnen, auch erlaubt. Und dann machten sie sich an die Arbeit. Das Thema lautet: „Die Müllbergbesieger“. Die Köpfe rauchten, die Stifte flogen über das Papier, einige trauten sich nicht so richtig oder es fiel ihnen einfach nichts ein. Also unterbrach ich einmal kurz und sagte zu den Kindern, dass es wichtig sei, dass sie sich gedanklich aus der Schule entfernen, nix Noten, nix Bewertung, einfach nur schreiben. Alles ist richtig. Dann fingen auch die Letzten an zu schreiben, ich ermutigte sie am Nachmittag vielleicht eine halbe Stunde am Text zu arbeiten und auch am darauffolgenden Tag, wenn wieder eine Stunde Deutsch ansteht. In der nächsten Woche erwarte ich eine Einladung der Gruppe und möchte Geschichten hören, dann, aber nur dann hören die Kinder auch meine eigene Geschichte von den Müllbergbesiegern. Schule kann so schön sein.

29. September 2021

Wir sind als Lehrerinnen und Lehrer gehalten uns wertfrei gegenüber jeglicher politischen Einstellung zu verhalten oder besser gesagt Werbung für eine politische Partei zu unterlassen. Wie Sie als Leser wissen, habe ich mich schon des öfteren über eine rechte Partei beklagt, die leider auch diesmal wieder im Deutschen Bundestag vertreten ist. Aber immerhin ist es so, dass es keinen Stimmenzuwachs gab und man eigentlich sagen kann fast 90 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben sich für irgendeine der demokratischen Parteien entschieden. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine politische Forderung einer Partei. Hier geht es darum auf keinen Fall ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen zu erlassen. Allein wegen dieser Forderung haben sich Jungwähler entschieden diese Partei zu wählen. Meines Erachtens bedeutet dies auch, dass es der Gesellschaft insgesamt nicht gelingt auch jungen Menschen zu vermitteln, dass ein „Weiter so“ die Welt nicht besser macht. Vom Standpunkt der jungen Menschen aus ist es ja völlig verständlich, gerade den Führerschein gemacht, dann will man eben auf der Autobahn richtig schnell fahren. Da werden alle Verbote als Spaßbremsen angesehen. Argumente, dass man etwa nicht wirklich schneller von A nach B kommt, kommen nicht an. Das Argument, dass es besser wäre von Individualverkehr auf die Bahn umzusteigen und zwar wirklich, zieht auch nicht. Es ist wichtig in der Schule, im Elternhaus miteinander darüber zu reden, wie wir uns ein Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vorstellen. Es ist richtig wichtig einen anderen Konsens zu finden. Das hat nichts mit Parteienwerbung oder gar Personen zu tun, jene Personen, die peinliche Selfies veröffentlichen, es sollte gelingen an der Sache zu diskutieren und gemeinsam einen Weg zu finden, der die Erde und die Menschen schützt. Und wieder einmal gilt der alte Satz: „Es gibt viel zu tun…………“.

P.S. Fast vergessen habe ich uns selbst. Wo fange ich an Müll zu reduzieren oder das Auto stehen zu lassen? An welcher Stelle bin ich konsequent? Es fängt alles im Kleinen an und kann dann zu einer großen Welle werden. Immer nur den anderen einen Spiegel vorzuhalten ist nicht richtig.

28. September 2021

Heute hatten wir ein Meeting mit Berit vom inovationshub.schule. Wir unterhielten uns über die Veränderung von Schule und die Idee einer möglichen Zusammenarbeit. Es war erfrischend, mit einer Person zu sprechen, die unsere Schule eigentlich nicht kennt und so viele kluge Fragen gestellt hat und uns hoffentlich bei der Veränderung unserer Schule begleiten wird. Das wird sicher auch Geld kosten und nicht zu knapp. Aber Qualität hat ihren Preis, so ist das eben. Ich selbst habe in diesem Gespräch zum wiederholten Male gemerkt, dass ich nicht gelernt habe wie Veränderungsprozesse in einem Unternehmen und Schule ist ein Unternehmen mit rund 90 Mitarbeitern und 1000 Kunden, angestoßen und durchgeführt werden können. Niemand von uns hat das gelernt. Nun mit einer Person zu sprechen, die professionell Veränderungsprozesse in Unternehmen begleitet, war ein schönes Erlebnis. In der nächsten Woche sehen wir uns wieder, nur kurz zwar, aber immerhin. Ich werde mich bis dahin mit dem Thema Foundraising beschäftigen und nach Geldgebern suchen. Wenn es jemand unter den Leserinnen und Lesern dieses Tagebuchs gibt, der uns unterstützen möchte, dann kann er oder sie sich gerne melden.

27. September 2021

Schon lange habe ich kein Tagebuch mehr geschrieben und ich ärgere mich sehr darüber. Aber ich bin von Zeitdieben umgeben. Damit meine ich ausdrücklich nicht meine Schülerinnen und Lehrer, meine Lehrerinnen und Lehrer, meine Eltern und auch nicht die Schulbehörde in Neustadt. Meine Zeitdiebe sind jene Menschen, die mich dazu zwingen in einem völlig überzogenen Maß Statistiken auszufüllen und Daten weiterzugeben. Wenn ich heute eine Fortbildung besuche und eine Reisekostenabrechnung mache, muss ich auf meinem Computer eine Zertifikationsdatei haben, die mir vom Landesamt für Finanzen über ein bayrisches Behördenportal zugeschickt wurde. Wenn ich an einer Schule arbeite, in der ich an zwei Standorten bin, muss ich für jede Reise von einem Schulgebäude ins andere eine Reise abrechnen, wenn ich also an 5 Tagen in der Woche an beiden Standorten unterrichte, macht das bei 40 Unterrichtswochen 200 Anträge. Schulleitungen müssen in diesen Tagen Statistiken über Schüler, Lehrer und Unterricht abgeben. Das dafür benötigte Programm ist aber noch nicht fertig, fast täglich erhalte ich über eine Programmänderung eine Nachricht. Heute habe ich erfahren, dass unsere Eintragungen bei vielleicht 500 Veranstaltungen falsch sind. Geschätzte Nacharbeit: 30 Stunden. Wenn ein Coronafall an einer Schule stattfindet, wird dieser natürlich statistisch erfasst und vieles andere mehr. Edison, Epos, Ipema, add3portal, Verfahren zur schulischen Personalgewinnung, hinter all diesen Kürzeln stecken Statistiken, Zeitdiebe. Das kann so nicht weitergehen. Als hätten wir nicht seit 18 Monaten Corona und damit einen psychischen Ausnahmezustand. Da wird auch gesprochen vom Aufholen, von Lernstandserhebungen. Nicht gesprochen wird von den psychischen und psychosozialen Folgen der letzten 18 Monate. Beobachten Sie doch einmal aufmerksam, ob Menschen und auf welche Art und Weise sich begrüßen. Wer verweigert Ihnen denn den Handschlag oder erschrecken Sie auch, wenn Ihnen jemand die Hand zum Gruß hinhält. Die Menschen haben verlernt einander nah zu sein, sie sind verunsichert. Darum geht es, um Nähe, um Respekt, um ganz menschliche Themen. Es geht nicht darum die letzten 3 Kapitel vom Englischbuch des Vorjahrs in die Köpfe zu hämmern.

Zugegeben, ein ganz schön depressiver Eintrag, aber die Lage ist meines Erachtens wirklich ernst. Ich sorge mich um meine Lehrerinnen und Lehrer und das ganze Schulpersonal, wir arbeiten vor Ort in den Schulen am Limit, in den Schulen, die das schlimme Hochwasser erleben mussten, arbeiten sie seit Wochen über das Limit hinaus und diejenigen, die all diese Statistikarbeit von uns verlangen, fordere ich auf auf die Bremse zu treten und uns freier arbeiten zu lassen. Wie sehr ich auch am Limit bin, merke ich an meiner schriftlichen Reaktion gegenüber einem Mitarbeiter der ADD in Neustadt, der der Überbringer einer Nachricht war, die er gar nicht zu verantworten hat. Mein Zorn auf ihn zu richten war nicht richtig, den haben andere verdient.

14. September 2021

Heute hatte ich zwei wunderschöne Erlebnisse. Ich hatte bei einer Vereinsfeier eine Familie gesehen, die in unserer Schule zwei Kinder hat. Die beiden Mädchen waren mit ihren Eltern zwei Jahre nicht in Deutschland. Als ich mit der jüngeren Tochter sprach, kam mir eine spontane Idee, die ich mit der Mutter besprach und natürlich auch mit ihr. Wir verabredeten uns für den kommenden Dienstag, das war eben heute in der ersten großen Pause. Um 09.38 Uhr klopfte es leise an meiner Tür und die Schülerin kam zu mir. Wir begannen miteinander zu sprechen in englischer Sprache, das genau kann sie nämlich besser als ich, schließlich hat sie in den letzten beiden Jahren weitgehend Englisch gesprochen. Sie versprach mir jetzt öfters Dienstag zu kommen und mit mir die Pause zu verbringen. Also redeten wir über alles mögliche, plötzlich klopfte es an der Tür, zwei Freundinnen gesellten sich zu uns. Ich schlug ihr vor, ob es nicht sinnvoll wäre, im Englischunterricht an einer höheren Klassenstufe teilzunehmen. Sie war sofort begeistert und freute sich, am Nachmittag wolle sie ihre Mutter fragen und um Erlaubnis bitten (als ich heute in die Schule kam, lag das Einverständnis der Mutter bereits vor). Ich habe mit einer Lehrerin der Klassenstufe 10 gesprochen, die sich ebenfalls sehr begeistert zeigte. Und so findet an dieser Stelle Begabtenförderung konkret statt.

Das zweite Erlebnis war mein eigener Unterricht in Klassenstufe 11. Das erste Thema auf der Tagesordnung war das Thema „Wirklichkeit“. Als ich mit den Schülern das Buch aufschlug und die vier Kompetenzen nachlas, die eine Schülerin nach der Unterrichtseinheit haben könnte, verstanden alle Schüler nur Bahnhof. Die vier Sätze waren so abstrakt formuliert, dass sie sich diese Sätze nicht erklären konnten. Wir gaben uns dann Mühe zu verstehen, aber ich weiß nicht, ob ich wirklich alle erreicht habe. Auf der gegenüberliegenden Seite, es handelt sich ja um die Hinführung zu dem Thema, konnte man in der Ecke das Bild von einem Organspendeausweis entdecken und plötzlich änderte sich der ganze Unterricht. Eine Schülerin erzählte, dass sie mit ihren Eltern gemeinsam einen Organspendeausweis beantragt hatte. Alle anderen hatten keinen. Und irgendwie kam dann ein Stein ins Rollen. Einer sagte, es wäre doch eine tolle Idee, wenn wir alle einen Organspendeausweis hätten, andere erwähnten andere Themen, Blutspenden, Stammzellenspende. Und dann waren wir mittendrin in einer bestimmten Form von Wirklichkeit und dann wollten einige ihre Eltern fragen und dann wurde das Ganze zu einem Projekt und dann sagte ich den Schülern, ich würde jetzt für 35 Minuten den Raum verlassen und forderte sie auf das Projekt vorzustrukturieren. Im Hinausgehen hörte ich wie ein Schüler sagte, wollten wir uns nicht im Kreis setzen und gemeinsam die nächsten Schritte überlegen. Ich war richtig glücklich, die SchülerInnen machten etwas, worin sie Sinn sahen. Als ich wieder zurückkam, wollten mich zwei Schüler schon holen. Sie sagten: „Wir wollten Sie gerade abholen und Ihnen erzählen, was wir vorhaben.“ Als sie mir das Ergebnis einer 35minütigen Sitzung vorstellten, war ich sehr zufrieden. Da ich nicht vorgreifen möchte, lesen Sie nicht, wie es weiterging. Sie werden hören, aber nicht von mir.

13. September 2021

Unsere 9. und 10. Klassen sind zurzeit im Praktikum, für die ersten 3 Wochen machen sie ihre Erfahrungen in der Welt da draußen. Wir erhalten zurzeit viele positive Rückmeldungen, die Lehrerinnen und Lehrer schwärmen täglich aus und besuchen ihre Schülerinnen und Schüler an ihrem Praktikumsplatz. Viele SchülerInnen machen das richtig gut, natürlich gibt es ein paar, die sich nicht zu benehmen wissen. Na ja, wer am Praktikumsplatz wiederholt sein Handy checkt und dadurch ein klares Signal aussendet, der bekommt natürlich sein Fett weg. Aber das ist auch ganz gut so. Auf der anderen Seite kann es auch vorkommen, dass in einem Unternehmen Praktikanten ebenso mitlaufen, aber sich weitgehend selbst überlassen sind. Das ist auch eine Erfahrung, die man sich merken und weitergeben kann. Noch etwas ganz anderes an dieser Stelle: Wenn Sie diese Zeilen lesen und darüber nachdenken, ob sie am kommenden Mittwoch zum Elternabend kommen, kann ich Ihnen nur zurufen, dass es schön wäre, wenn wir sie sehen würden. Es gibt vieles zu besprechen, wir können auch gemeinsam überlegen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.

10. September 2021

Heute bin ich nicht im Dienst, ich mache eine Ausbildung und für die bin ich heute freigestellt, am Sonntag werde ich dann bestimmt schlauer sein. Bei meiner Ausbildung geht es um Changemanagement, auf Deutsch Veränderungsmanagement. Es geht darum zu lernen Unternehmen zu beraten sich zu verändern. In diesem Modul geht es nicht um den Einzelnen, sondern um ganze Firmen und Unternehmen. Schon der erste Tag ist sehr interessant, weil vieles von dem, was ich lerne, auch auf Schule übertragbar ist. Und ich habe heute schon ein paar Sätze gehört und mir notiert, die ich gerne mit den Leserinnen und Lesern dieses Tagebuchs teilen möchte. Erster Satz: „Jeder Mensch ist zum Wandel fähig.“ Sie haben richtig gelesen, wirklich jeder. Was Wandel behindert, sind oft ganz unterschiedliche Dinge. Es ist nicht jedem Menschen leicht gegeben neues Terrain zu betreten, etwas Neues anzufangen und etwas Altes aufzugeben. Da spielt Unsicherheit oder Angst mit, die Angst etwas Gewohntes nicht mehr machen zu können. Da wir Menschen alle ganz unterschiedlich sind, gehen wir ganz unterschiedlich mit der Idee von Wandel um. Satz Nummer 2: „Es gibt keinen Zusammenhang von Alter und Lernen. Unser Gehirn kann ein Leben lang lernen, das Alter spielt keine Rolle.“ Also Sätze wie: „Weiter so!“, „Das haben wir doch schon immer so gemacht“, „Ich bin so alt, das kann ich nicht mehr lernen“ entsprechen zumindest nicht den Gesetzen der Wissenschaft. Es ist unfassbar, was unser Gehirn zu leisten vermag, wenn wir es nur wollen. Warum ich das Ganze schreibe hat einen klaren Grund, auch diese Schule wird sich wandeln und weiterentwickeln müssen.

09. September 2021

Ab kommenden Montag gilt eine neue Verordnung. Das Prinzip der Warnstufen wird begonnen. Es gibt die Warnstufen 1 – 3, Warnstufe 0 gibt es nicht. Landau und damit auch die IGS befindet sich also in Warnstufe 1. Dies bedeutet, dass wir am Platz angekommen, die Maske abziehen dürfen und auch regulärer Sport und Schwimmunterricht möglich ist. Ich hoffe sehr, dass wir bei diesem Zustand bleiben können und es sich eher irgendwann noch bessert. Wenn die Meldungen stimmen, dann ist es außerhalb der Schule einigermaßen dramatisch. Für Kinder über 12 Jahren, die Vereinssport betreiben, gilt, dass nur 25 Ungeimpfte sich treffen können. Da in diesem Alter viele Kinder ungeimpft sind, befürchten die Vereine jetzt schon zahlreiche Spielabsagen. Ich will eigentlich nicht daran erinnern, wie viele Menschen sich ohne Maske und ohne Abstand sich in Fußballstadien aufhalten, gleichzeitig und zwei Stunden lang. Wie kann man auf so eine schwachsinnige Idee kommen. Da zwingt man Kinder quasi ab dem 12. Jahr impfen zu lassen. Würde man das mit den Erwachsenen machen, wäre das meines Erachtens viel sinnvoller. Wenn in einer Klasse ein Coronafall auftritt, folgen gewisse Maßnahmen, Absonderung wird das jetzt genannt. Wenn in einer Bundesligamannschaft ein Spieler Corona hat, passiert das nicht, zumindest nicht immer. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Unsere Kinder müssen wieder einmal mit den Folgen leben, die Erwachsene für sie so produzieren. Lasst euch endlich impfen!

08. September 2021

Was für ein Tag! Blauer Himmel, 12 starke Männer und ich morgens um 08.30 Uhr mitten in den Mörzheimer Weinbergen und treffen den Biowinzer Stefan Kuntz mit seinem Sohn Pablo und seinem Mitarbeiter Lukas. Das Ziel für heute ist eine 100 Meter lange Trockenmauer zu bauen. Nein, im Ernst, an einer 100 Meter langen Trockenmauer zu bauen. Stefan schätzt die Bauzeit auf mindestens ein Jahr ein und ich glaube, er hat Recht. Die Jungs, Schüler aus der 10. und 12. Klasse, legen nach einer Einführung durch den Biowinzer gleich richtig los, überbieten sich im Hochheben schwerster Steine und sind zum Teil sehr geschickt, wenn es darum geht den richtigen Stein für die nächste Lage zu bekommen. Die einen fahren mit dem Traktor neue Steine holen, andere bereiten ein Drainagerohr vor und wieder andere helfen beim Aufbau der Mauer. Das ist definitiv keine leichte Arbeit, aber wir sehen alle, was wir nach ein paar Stunden geschafft haben. Zwischendrin gibt es Brezeln und Apfelschorle. Zu Mittag essen wir bei mir zu Hause Spaghetti Bolognese und Tomatensoße. Ich hatte gedacht zuviel gekocht zu haben, weit gefehlt. Das einstündige Gespräch bei Tisch war herrlich, einen vernünftigen Satz habe ich jedenfalls nicht gehört. Danach wurden die Jungs wieder abgeholt, stiegen auf den Anhänger des Traktors und fuhren zum Arbeitsplatz. Nach fast 8 Stunden fuhren sie glücklich und zufrieden, mit dem Gefühl etwas gearbeitet zu haben, nach Hause. Auf ein nächstes Mal.

07. September 2021

Normalerweise beginnen wir unser Schuljahr mit ganz großen und ganz wichtigen Projekten. Die Herausforderungen sind ein Projekt, mit dem wir in ganz Deutschland verbunden werden, zumindest von Menschen, die sich mit Schulen auskennen. Auch dieses Jahr können wir keine großen Herausforderungen machen, hier steht uns das Virus noch im Weg. Aber im nächsten Jahr werden wir wieder loslegen. Die 9. und 10. Klassen sind zur Zeit alle im Praktikum, in dieser Woche beginnen die Besuche der LehrerInnen und ich bin mir sicher, dass sie alle dazulernen werden. Die Schüler lernen ein klein wenig die Welt da draußen kennen und die LehrerInnen auch. Die 8. Klassen machen Miniherausforderungen und erleben dabei viele praktische Erfahrungen. Da wird gemauert, betoniert, im Freien übernachtet, auf unterschiedlichen Fahrzeugen gefahren, gekocht, vorbereitet und ganz viel mit Kopf, Hand und Herz gemacht. Ich selbst helfe morgen mit 10 starken Jungs aus der Klassenstufe 12 beim Bau einer Trockenmauer mit. Die 5. Klassen fegen durch die Flure, ihre Augen leuchten, wenn sie uns begegnen. Ich habe mich gefreut meine Lerngruppe  DS aus der Klassenstufe 7 zu sehen und mit ihnen einen spannenden Unterricht zu haben. Erschrocken bin ich gestern in meiner 12. Klasse im Fach evangelische Religion, da haben so viele erklärt, dass sie sich verbessern wollen und regelmäßig arbeiten wollen, das war mir schon ein bisschen unheimlich. Wenn die das tatsächlich durchhalten, werde ich ganz leichtes Spiel haben. Die Oberstufenschüler haben vom ersten Tag an mit ihrem Programm begonnen. In der Pause habe ich einige Mädchen der Klassenstufe 11 gesprochen. Sie zeigten sich über die erste Woche so begeistert. Sie fühlen sich gut angenommen und pudelwohl in ihrer neuen Schule. Ich kann mich immer nur wiederholen, schön, dass ihr alle da seid.

06. September 2021

Heute geht es wieder los mit dem Tagebuch und ich versuche die vergangene Woche und den heutigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Am ersten Schultag fühlte man insgesamt ein kollektives Aufatmen. Endlich wieder Kinder im Haus, endlich wieder Menschen sehen, endlich wieder gemeinsam lachen und arbeiten. Hinderlich ist nur die Maske im Unterricht, stundenlang dieses Teil zu tragen nervt, behindert und ist einfach ärgerlich. Ich werde nicht davon ablassen, alle, die nicht geimpft sind, aufzurufen sich impfen zu lassen, damit wir unsere Freiheit wieder bekommen und uns gegenseitig schützen. Unsere Kinder sollten uns das Wert sein und ich weiß auch nicht, was in den Menschen vorgeht, die immer noch nicht das kostenlose Impfangebot angenommen haben. Unsere Gesellschaft steht vor riesigen Aufgaben und eigentlich haben wir keine Zeit uns im gerade begonnenen Schuljahr noch länger um Corona kümmern zu können. Wir müssen die Klimaerwärmung aufhalten, neue Energien fördern, den Straßenverkehr völlig neu regeln und die Schulen verändern. Das sind große Aufgaben, die unsere ganze Kraft brauchen. Wenn wir wegwollen von einer egoistischen Gesellschaft hin zu einer Gesellschaft der Solidarität, dann gibt es eben jetzt ganz viel zu tun. Es ist mir als Leiter einer Schule nicht gestattet eine Wahlempfehlung abzugeben. Es ist mir aber sehr wohl erlaubt zu sagen, dass jene Partei gewählt werden kann, die sich ganz klar gegen eine Politik des Weiterso wendet. Weiterso geht nicht. Wir müssen diese Gesellschaft auf einen anderen Kurs bringen. Wir haben nicht mehr die Zeit zu experimentieren, wir müssen handeln. Unsere Kinder sind uns anvertraut, wir müssen ihnen eine lebenswerte Welt überlassen. Wir haben schon viel zu lange nach dem Prinzip des Weiterso oder noch besser „Das haben wir schon immer so gemacht“ gelebt. Heute Morgen sagte ein Kollege, als der Carl Benz das Auto erfand, wollte der Kaiser immer noch auf Pferde setzen, so ähnlich geht es uns heute. Wir müssen uns entscheiden. In unserer Schule werden wir uns in den nächsten Monaten und Jahren auch entscheiden müssen. Wohin soll die Reise gehen? Was sind wir bereit zu verändern? Wie lange wollen wir noch den alten Fächerkanon mit uns schleppen? Wie lange wollen wir noch Noten geben? Wie lange wollen wir es uns noch leisten nicht den einzelnen Schüler zu betrachten, sondern immer nur eine niemals einheitliche Gruppe? Wie lange wollen wir in den Schulen am Bedarf der Kunden vorbeihandeln? Wie lange wollen wir uns es leisten Kinder und Jugendliche nicht auf das Leben nach der Schule vorzubereiten? Ich weiß schon, an der IGS läuft doch alles schon so richtig gut. Ja, stimmt. Aber es muss noch viel, viel besser gehen. Ich hoffe sehr, dass das Kollegium der IGS Landau, die Eltern und vor allem die Kinder mitmachen werden, wenn es darum geht die Schule weiter zu verändern. Als ich eben draußen in der Pause war und mit neuen SchülerInnen sprach, die bei uns in der Klassenstufe 11 angefangen haben, wurde mir wieder einmal klar, dass wir einen guten Ort haben hier, die Mädchen haben sich allesamt gefreut bei uns zu sein. Ein Mädchen sagte: „Nur eins ist schade Herr Haug. In dieser Schule gibt es schon so viele Paare.“ Na ja, ich bin mir sicher, dass sie auch noch fündig wird.

Tagebucheinträge Juli 2021

08. Juli 2021

Vier Stunden Abschlussfeiern der Klassenstufe 9. Für mich als Schulleiter hieß das, bei allen vier Klassen eine Rede zu halten. Jeweils zur vollen Stunde durfte ich ran und es hat mir gut gefallen. In allen Klassen sind jeweils sechs SchülerInnen mit der Berufsreife gegangen. Einige von ihnen machen eine Ausbildung, andere gehen weiter in eine Schule, die meisten in die Berufsbildende Schule. Die acht TutorInnen hatten sich für die Gestaltung einiges einfallen lassen, Fotos und Filme über die Jahre entstanden zeugten von einer bewegten fünfjährigen Geschichte. Was mir besonders aufgefallen ist, ist das Verhältnis von coronafreier Zeit und der Zeit, bei der die SchülerInnen unter Coronabedingungen in der Schule arbeiten mussten. Wenn man von fünf Unterrichtsjahren ausgeht und von 17 Monaten unter Coronabedingungen, haben die Abgänger ein Drittel ihrer Schulzeit mit Corona verbracht. Das ist echt lange und wir wünschen allen Kindern und Jugendlichen eine neue Zeit, in der das Virus wirklich unter Kontrolle ist. Morgen geht es weiter mit der Verabschiedung der Klassenstufe 10.

07. Juli 2021

Heute war ein toller Tag an unserer Schule. Die KunstlehrerInnen hatten für 17.00 Uhr geladen. Eine Idee von Alex hat dazu geführt, dass die Fachschaft, in diesem Fall die Mitstreiter*innen Sophie, Steffen und Gwen, mit ihren Kursen nachzogen und eine Ausstellung im Foyer und im Selbstlernzentrum präsentierten, welche nur als grandios zu bezeichnen ist. Wozu Kinder und Jugendliche fähig sind, wenn sie eine gute Anleitung erhalten, da kann nur gestaunt werden. Das erste Thema war die Apokalypse des Johannes. Anhand von Zitaten aus diesem letzten Buch der Bibel wurden Exponate geschaffen, die auch für Verwirrung sorgten, im positiven Sinne natürlich. Und da waren da die Bilder zu einem anderen Thema, nämlich zu Europa. Bei der kleinen Festveranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung war zuerst Moritz Lenz mit zwei Liedern zu hören, das war auch ein schöner Moment und dann wurden an die Kinder allerhand Preise verliehen. Diana Walter errang sogar einen Preis auf Bundesebene, das Geschenk, welches sie dafür erhielt, war eher peinlich, aber die Kunstlehrerinnen hatten sich zusätzlich noch etwas anderes überlegt. Besonders gefreut hat mich, wieviele Eltern den Weg in die Schule gefunden hatten, irgendwie war alles so normal, viele Menschen auf kleinen Raum, viele strahlende Augen von Kindern und Erwachsenen. Mein Dank gilt unseren Kunstlehrerinnen.

06. Juli 2021

Wir feiern zu wenig. In unserer Schule feiern wir zu wenig. In den Tagebucheinträgen der vergangenen Woche habe ich Ihnen von unserem Aufenthalt in Marburg berichtet. Bevor wir nach Hause fuhren, wollten wir einen Termin für ein Treffen vereinbaren, an dem wir das Gesehene verarbeiten und eine Präsentation für das gesamte Kollegium vorbereiten wollten. Diese Veranstaltung führten wir bei mir zu Hause durch, schließlich kann der Pfälzer oder die Pfälzerin am Besten denken, wenn es etwas zum Essen und zum Trinken gibt. So waren wir gestern Abend zusammen und genossen Zeit und Leben. Als ich heute einigen TeilnehmerInnen der gestrigen Veranstaltung auf dem Flur begegnete, waren das ganz andere Begegnungen als zuvor. Man hatte sich intensiver kennengelernt und das ist gut so. Wie gesagt, wir feiern zu wenig.

05. Juli 2021

Es gibt Menschen, die lernen zwei oder drei Sprachen in einem Jahr. Sie tun das, weil sie es wollen. Sie sind richtig scharf darauf sich in unterschiedlichen Sprachen mit unterschiedlichen Menschen unterhalten zu können. Sie lieben das Lernen, nicht ist ihnen dann zuviel. Die Frage, die mich umtreibt, lautet: Wie schaffen wir es in der Schule diese Lust auf Lernen zu verbreiten? Wie motivieren wir, eigentlich ist die Frage falsch, unsere Kinder aus sich heraus zu lernen? Die Frage ist deshalb falsch, weil nicht ich derjenige bin, der das Kind motivieren kann, sondern das Kind eigentlich sich selbst. Wir sind eine gute Schule und gehen mit den Kindern meist achtsam um. Wir meinen es gut und machen es auch meistens gut. Und dennoch haben auch wir Schülerinnen und Schüler, die für die Noten lernen, die sich anstreben oder auch nicht. Das wirkliche Interesse besteht oft nicht, vielmehr geht es darum eine gute Note zu erreichen. Wir müssen an dem Plan arbeiten Schülerinnen und Schüler zu ihrer jeweiligen Höchstleistung zu bringen. Eigentlich geht es nicht um Leistung, sondern vielmehr um das Lernen, die Lust am Lernen. Ich möchte unbedingt weiter machen auf diesem Weg, um irgendwann sagen zu können: Wer hierher kommt, hat Lust etwas Neues zu lernen und die Zeit, die er oder sie investiert, spielt dabei keine Rolle.

02. Juli 2021

Heute wurden in unserem Hause ganz viele Entwicklungsgespräche geführt. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen, Eltern, Kindern und Lehrer sehr froh um die Gespräche sind. Nicht alles, was jeweils besprochen wird, ist angenehm. Man spürt sicherlich, wie sehr die letzte Zeit an einem genagt hat. Um so wichtiger sind die Gespräche gerade jetzt. Wenigstens zuhören, wenigsten aussprechen können, wenigstens Rat holen. Ich hoffe sehr, dass viele Kinder durch die Gespräche gestärkt worden und nicht noch einen auf den Deckel bekommen haben. Oh ja, solche Gespräche können echt in Untiefen abgleiten. Da wird das Kind mit dem ach so tollen Bruder verglichen, da werden Kinder unter Druck gesetzt und entmutigt. Manchmal verhalten sich Eltern nicht professionell, darauf müssen die Lehrkräfte reagieren. Das ist im Einzelfall nicht angenehm aber nötig. Eltern sind manchmal dazu geneigt das eigene Kind zu überfordern. Ich freue mich immer, wenn ich von Kindern, Eltern und Lehrern höre, wie gut das jeweilige Gespräch war und wie sehr sich alle gefreut haben. Das sollte bei jedem Gespräch der Fall sein. Kinder brauchen unsere Unterstützung.

01. Juli 2021

Wir hatten heute einen Studientag, den ich meinen Lehrern geschenkt habe. Niemand kannte das Thema. Meine Lehrerinnen und Lehrer haben sehr intensiv gearbeitet und ein sehr anstrengendes Jahr hinter sich gebracht. Mein Geschenk war an sie Felix Gaudo. Felix Gaudo ist ein Clown und Moderator und machte eine Fortbildung mit dem Titel „Humor kann man lernen“. Diese Veranstaltung passte gerade jetzt in diese Zeit besonders gut. Wir haben uns tatsächlich stundenlang mit dem Thema Humor beschäftigt. Humorduschen, Humortagebücher, Dankbarkeitsübungen mit dem netten Titel „Aller guten Dinge sind 5“, das sogenannte Permamodell waren Bestandteile des Tages. Wussten Sie, dass Kinder 400 Mal am Tag lachen und Erwachsene 20 Mal. Wussten Sie, dass Kinder mit 1,5 Jahren sich alle 2,5 Minuten so richtig begeistern? Erwachsene 2 Mal im Jahr. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie. Daran müssen und werden wir etwas ändern. Wir haben an diesem Tag ganz praktisch gearbeitet und den Pinguin in uns entdeckt. Wenn Sie wissen wollen, was das ist, dann können Sie mich gerne ansprechen. Ich würde so gerne nach diesem Studientag die Komplimentekultur an unserer Schule weiterentwickeln. Irgendeine Teilnehmerin sagte, dass sie das Wort Kompliment viel schöner fände, als das Wort Lob. Daran ist etwas dran. Denken Sie mal darüber nach.

30. Juni 2021

Was ich gar nicht mag, sind Gespräche, die in den deutschen Schulstuben immer um die Zeit der Zeugniserstellung, aber leider auch während des Schuljahres, geführt werden. Wenn es darum geht, die Namen einzelner Schülerinnen und Schüler durchzugehen, die irgendetwas nicht verstanden haben, die zum dritten Mal den doch so leichten Test wieder verhauen haben, dann ist Schule doof. Was bewegt Menschen dazu in einer solchen Weise über Schüler zu sprechen? Was ist das Motiv? Jeder Erwachsene war selbst einmal Schülerinnen oder Schüler und hat Schule selbst als junger Mensch erlebt. Da wurde verletzt, angeschrien, erniedrigt, mit Noten gestraft, bloßgestellt, beschämt. Jeder Lehrer und jede Lehrerin kann davon unterschiedliche Lieder singen. was bewegt sie nun auf der anderen Seite stehend den gleichen Mist wieder zu machen? Warum unterhalten wir uns in deutschen Schulstuben in der Weise über die jungen Menschen, die uns anvertraut sind? Dass man sich ärgert, wenn die Plagen nichts lernen, ist völlig in Ordnung. Dass man verzweifelt ist, wenn alle Versuche dies oder jenes beizubringen scheitern, ist ebenso verständlich. Und dennoch sollte sich jeder an der eigenen Nase packen, wenn er über Schüler spricht und sich kontrollieren, wie er über sie spricht. Ich jedenfalls kann dieses Gerede in den Zeiten, in denen Zeugnisse erstellt werden, wirklich nicht mehr hören. Amen!

29. Juni 2021

In der Richtsbergschule ticken die Uhren anders. Sie haben so richtig alles auf den Kopf gestellt. Klassenräume, wie wir sie kennen, wurden dort aufgelöst, jedes Kind hat einen Arbeitsplatz in einem Großraumbüro. Die Arbeitsatmosphäre soll ruhig und quasi lautlos sein. Wenn die Kinder an ihren Schreibtischen sitzen, dann ist Ruhe angesagt. Wenn man LehrerInnen danach fragt, bestätigen sie die erstaunliche Erkenntnis, dass sich 100 Kinder in einem Raum, der früher 4 oder 5 Klassen beherbergte, ruhig verhalten. Warum das Ganze? Die Schule hat erkannt, dass es wichtig ist, dass jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsbereich hat, an dem er in seinem Tempo mit seinen Schwerpunkten die einzelnen Themen bearbeiten kann. Daneben gibt es Räume, in denen Zusammenarbeit möglich ist, mit einem Partner, einer Tischgruppe oder einer größeren Gruppe. Diese Räume sehen irgendwie gar nicht wie Schulräume aus, hier geht man sicherlich gerne hin. Auf praktisches Arbeiten wird in dieser Schule sehr viel Wert gelegt. Beim Gang durch die Schule stoßen wir auf eine Schülergruppe, die Gondeln repariert und restauriert. Sie haben richtig gelesen, Gondeln, in die man zum Beispiel steigt, wenn man sich in den Alpen bequem auf einen Berg bewegen möchte. Die kann man tatsächlich im Internet kaufen. Überhaupt geht es in dieser Schule sehr stark um das Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Wer aufmerksam dieses Tagebuch liest, kennt den eigentlichen Satz des Pädagogen Heinrich Pestalozzi, der da lautet: Es ist wichtig, dass Kinder mit Kopf, Herz, Hand und Fuß arbeiten. Das wird in dieser Schule wahrlich intensiv verwirklicht. Als wir am Nachmittag nach Hause fuhren und uns das Erlebte aneinander erzählten, war da eine Mischung zwischen Erstaunen, Neugier und Aufbruch. Mal sehen, was wir daraus machen.

28. Juni 2021

Heute sind wir mit 9 Personen nach Marburg gefahren, um uns die Richtsbergschule zu betrachten. Vor allem interessiert uns das Perlenwerk, so nennen  die Lehrkräfte dort das neue Herz der Schule. Was an diesem kleinen Familienausflug besonders schön ist, ist die Zeit mit ganz unterschiedlichen Lehrerinnen und Lehrern aus unserer Schule. Im Alltag laufen wir oft aneinander vorbei, natürlich mit Begrüßung, mit manchen hat man mehr, mit manchen hat man weniger zu tun. Heute und morgen können wir eine intensive Zeit gemeinsam verbringen. Marburg ist ein schönes Städtchen, Harry Potter hätte hier durchaus zum Teil gedreht werden können. Die Einwohnerzahl ist so um die 80.000, 28.000 Studierende prägen das Bild dieser Stadt. Von unserem Kollegen Dennis erhalten wir eine kostenlose Stadtführung, ein Essen am Abend, ein gemeinsames Gespräch über gute Schule und das Betrachten der Europameisterschaftsspiele mit wildfremden Menschen im Freien bestimmen den Abend. Wir sind gespannt, was uns nach wenigen Stunden Schlaf am Morgen erwartet.

25. Juni 2021

Wir nähern uns in großen Schritten dem Schuljahresende, mein Kollegium, aber auch die Schulleitung sind urlaubsreif, die Schülerinnen und Schüler auch. Es war kein schönes Schuljahr, es war und ist überschattet durch Corona. Ich kenne Menschen und dazu neige ich auch mich selbst zu zählen, die nicht gefangen sind von Problemen, sondern in Lösungen denken. Wir haben Aufgaben im Leben, täglich kommen neue dazu und eine gute Haltung ist es Tag für Tag Lösungen zu finden. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Menschen, dem dies in besonderer Weise gelingt. Auch gegen große Widerstände vermag er sich durchzusetzen und immer wieder Menschen von einer neuen Idee zu begeistern und die Welt ein klein wenig zu verändern. Die Haltung, die es dazu braucht, ist nicht geprägt von Pessimismus, dem „das haben wir immer schon so gemacht“, sondern von einer unfassbaren Offenheit und gleichzeitig einer großen Mitmenschlichkeit. Dieser Mensch lebt mitten unter uns in Landau, er heißt Peter.

24. Juni 2021

Heute hatte ich nur eine Stunde Unterricht, überhaupt habe ich leider viel zu wenig Unterricht, aber ein Schulleiter muss eben ein paar andere Dinge erledigen, die auch ein wenig Zeit kosten. In der einen Stunde Unterricht hatte ich Kinder aus einer 6. Klasse. Die Hausaufgabe, die ich ausnahmsweise aufgegeben habe, war es eine kurze Ballade auswendig zu lernen. Von 14 Schülern konnte es ein halber. Auswendig lernen ist eine richtig gute Übung für unser Gehirn. Immer wieder Texte auswendig zu lernen schult so einiges. Dennoch bekommen die Schüler diese Aufgabe sehr selten, viel zu selten. Ich war natürlich nicht amüsiert darüber und fand entsprechend drohende Worte. Die betroffen ins Leere schauenden SchülerInnen versprachen bis zum nächsten Tag fleißig zu lernen. Ich bin gespannt, was sie heute so zu präsentieren haben. SchauspielerInnen leben vom Auswendiglernen, gestern berichtete mir ein Kollege von der Art, wie sie das praktizieren. Zwei interessante Versionen habe ich gehört, der eine lernt tatsächlich beim Spielen (das könnte ich nie), der andere spricht zuerst den Text ganz, dann lernt er Wort für Wort und dann tatsächlich jeden Buchstaben eines jeden Wortes. Dadurch hat er am Ende den ganzen Text parat. Lernen ist anstrengend, Auswendiglernen auch, aber wir kommen nicht drumherum, wenn wir schlau und groß werden wollen. Ich werde nach der Unterrichtsstunde berichten.

23. Juni 2021

In der kommenden Woche fahren 10 Kolleginnen und Kollegen von Montagnachmittag bis Dienstagabend ins hessische Marburg. Dort besuchen wir alle eine Schule, von der wir möglicherweise etwas lernen können. Die Richtsbergschule. Wer möchte, kann gerne sich im Internet über diese Schule informieren. Es lohnt sich. Wenn wir unseren Schülern im 21. Jahrhundert gerecht bleiben und werden wollen, müssen wir uns ändern. Wir sind eine gute Schule, wir machen einiges richtig, aber wir können uns trotzdem auf den Weg machen eine noch bessere Schule zu werden. Hier ist Offenheit bei allen sehr nötig. Bei Lehrerinnen und Lehrern, die sich auf Neues einstellen und dazu lernen müssen. Eltern müssen den Weg Vertrauen lernen, den wir möglicherweise ganz anders gestalten, als sie ihn bisher kennen und die Schülerinnen und Schüler müssen Lust haben auf dieses Abenteuer. Ich werde Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

22. Juni 2021

Ich führe in der Schule und außerhalb der Schule viele Gespräche mit Kindern und Jugendlichen. In meinem privaten Leben habe ich ein Traineramt inne. Dort begegnen mir junge Menschen, die 16, 17 oder 18 Jahre alt sind. Auch in diesem Bereich merke ich, wie sehr die Kinder kämpfen. Einige drohen in eine Selbstisolation abzudriften. Sie wollen sich mehr auf sich selbst konzentrieren, sie wollen keinen Mannschaftssport mehr betreiben, sondern in irgendein Studio rennen und auch da sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen. Corona bedeutet für diese Jugendlichen die Aufgabe sozialer Beziehungen. „Mir wird das alles zuviel“, „Ich bleibe lieber zuhause“. Diesen Satz habe ich mehr als einmal gehört. Im schulischen Kontext gibt es immer noch viel zu viele Menschen, die so machen, als ob nichts geschehen sei. Bis in die höchste Politik hinein wird diese Denke unterstützt. Das ist schade, fahrlässig, ungerecht, unsozial und hat möglicherweise bedenkliche, negative Folgen. Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Jugendlichen eine Perspektive haben.

21. Juni 2021

Heute fängt der Sommer an, juchu. Wenn es nach mir geht, dann könnte der ewig gehen. Ich erhielt einen Anruf vom Nabu, dort habe ich letzte Woche meine Telefonnummer hinterlassen. Wir haben ein Problem in unserem Schulteich. Die Frösche sind weg. Das ist kein Wunder, schließlich haben meine Hausmeister dort, die Angaben weichen je nach Hausmeister voneinander ab, entweder 6 oder 10 Ringelnattern gesehen. Eine war, hier weichen die Angaben auch voneinander ab, 1,00 Meter bzw. 1,30 Meter lang. Die Ringelnattern wollen schließlich auch leben. Auf meine Frage, ob man die Ringelnattern fangen und woanders wieder aussetzen könnte, erhielt ich die Auskunft, dafür brauche man, es wird sie nicht wundern, eine Genehmigung. Nun könnte man ja sagen: Das ist eben Natur. Aber irgendwo fehlt mir das Quaken meiner Frösche. Nun wird in den kommenden Tagen jemand vorbeikommen und sich das ganze Elend betrachten, vielleicht finden wir ja eine gute Lösung, auf alle Fälle hoffe ich im nächsten Jahr wieder Frösche quaken zu hören.

18. Juni 2021

In 10 Tagen fährt eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern ins hessische Marburg, wo wir in der Richtsbergschule eine Hospitation haben werden. Dies hat sich ganz kurzfristig ergeben und ich bin froh darüber. Wir sind auch in unserer Schule auf dem Weg neue Abenteuer zu planen und versprechen uns von diesem Besuch schöne Ideen und Hinweise für unsere eigene Praxis. Unsere Ministerpräsidentin hat in einem Artikel von gestern in der Rheinpfalz angedeutet eine Schule der Zukunft entwickeln zu wollen. Da wollen wir unbedingt dabei sein. Vielleicht ist das Projekt Schule der Zukunft tatsächlich ein Projekt, bei dem sich Schule grundsätzlich ändert und wandelt. Wir träumen immer noch davon in einer Schule zu leben, in der jedes Kind sein Bestes geben kann und geben will, in der Schüler motiviert sind jeden Tag gerne zur Schule zu gehen und von Lehrerinnen und Lehrer individuell gefördert und gefordert werden. Wir wollen eine Schule, in der es wirklich um das Kind geht und nicht darum Lehrpläne zu erfüllen. Wir werden sehen, wie weit wir in den nächsten Jahren kommen. 

14. Juni – 17. Juni 2021

Ich bin vier Tage nicht ansprechbar. Ich drücke wieder die Schulbank. Ich mache eine Ausbildung, die den sperrigen Titel „Systemisches Coaching und Veränderungsmanagement“ trägt. Vier Tage lang trafen sich 22 Auszubildende mit einem überragenden Professor via Zoom täglich von 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Ich durfte Menschen kennenlernen, die im weitesten Sinne im Dienstleistungssektor arbeiten, ich war der einzige Teilnehmer aus der Schule. Ich habe in diesen vier Tagen überaus viel gelernt, bin auf wunderbare Menschen getroffen und freue mich in den nächsten 8 Monaten eine Ausbildung absolvieren zu können. Ich habe in meinem Leben nicht nur als Schulleiter, sondern auch davor, viele Beratungsgespräche geführt und meine auch mit der richtigen Haltung ans Werk zu gehen. Wir wurden in diesen vier Tagen nicht nur mit Theorie versorgt, sondern wurden auch relativ bald in die Praxis geschickt. Das war ungemein spannend und wirklich lehrreich. Viele von uns waren, das muss ich zugeben, der Aufgabe zunächst nicht gewachsen. Aber ich bin sicher ganz viel lernen zu können, was ich auch gewinnbringend in der Schule einsetzen kann. Es ist wirklich wunderbar lebenslang lernen zu dürfen.

11. Juni 2021

Im Sekretariat haben unsere Sekretärinnen im Moment ganz viel zu tun. Nicht, dass ihnen sonst langweilig wäre, im Moment ist es besonders viel. Zudem fehlt eine von meinen drei Perlen und die beiden anderen müssen wohl die nächsten Wochen ohne sie auskommen. Allein für das Thema Schulbuchausleihe bräuchte man in diesen Tagen eine eigene Kraft. Es ist schon verrückt, wie viele Einzelanfragen in diesen Tagen im Sekretariat aufschlagen. „Wir haben unseren Code vergessen“ oder „Mein Kind hat überhaupt nichts mit nach Hause gebracht“. Das sind zwei von vielen Sätzen, die hier die letzten Tagen des öfteren zu hören waren. Ich hoffe sehr, dass die Eltern ihren Kindern mit der gleichen Ruhe begegnen, wie unsere Sekretärinnen. Zudem merken wir auch, dass die sogenannte Arbeitsverdichtung zu immer mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten führt. Gleichzeitig kam mein Hausmeister zu mir und berichtete freudestrahlend von seinem jetzt endlich stattfindenden Impftermin. Gut, dass er geimpft wird. Ich hätte mir, gerade für meine beiden Hausmeister, aber auch für meine Sekretärinnen, sehr gewünscht, dass die Termine gleichzeitig mit den Lehrkräften gesetzt worden wären. Hier fehlt es definitiv an einer Wertschätzung. Und es wäre doch so leicht an dieser Stelle etwas Gutes zu tun.

10. Juni 2021

Ich muss Ihnen sagen, dass ich sehr froh bin Teil dieser Schule zu sein. Das Kollegium ist wunderbar, gerade war ich in einer Sitzung mit Menschen, die sich um das Thema „Digitalität“ kümmern. Hier werden in einer Art und Weise Aufgaben übernommen, verbindlich erledigt, präsentiert und evaluiert, wie es nur als beispielhaft bezeichnet werden kann. Wir haben genau eine Zeitstunde gehabt und vieles auf den Weg gebracht. Das ist in dieser Gruppe jedesmal der Fall, da ergeben sich für die nächste Sitzung neue Aufgaben, sofort werden Untergruppen gebildet und Termine vereinbart. Das erfüllt mich mit Freude und auch ein wenig Stolz. Und auch die Tatsache, dass in dieser Arbeitsgruppe sogenannte alte Hasen oder Häsinnen mit gerade dem Ei entschlupften Junglehrerinnen und Junglehrern arbeiten. Ich persönlich lerne von den frisch geschlüpften eine ganze Menge. Vielen Dank dafür.

09. Juni 2021

Meine Wand an meiner Tür hat keinen Platz mehr. Karla, Esra, Matz, Benjamin, Lilli, Kalle, Vincent, Lena, Emil, Elias, Ida und Nils, das sind die Namen der Kinder, die quasi IGS-Nachwuchs sind. Ein junges Kollegium, ein fruchtbares Kollegium. Und wenn ich mich so umschaue ist ein Ende nicht in Sicht. Zur Zeit sind 9 Frauen in Mutterschutz und Elternzeit. Ich freue mich, dass mein Kollegium für Nachwuchs sorgt und Kindern ein Leben in dieser Welt ermöglicht. Irgendwann wird es vielleicht unsere Aufgabe sein sie in der Schule unterrichten zu dürfen. Darüber würde ich mich sehr freuen.

08. Juni 2021

In der kommenden Woche werden wir noch mehr freudige Gesichter sehen, wenn auch nicht ganz, die Maske muss ja weiterhin getragen werden. Dennoch rücken wir wieder ein Stück weiter in Richtung Freiheit. Ich bin froh, dass die allermeisten Kinder auch wirklich kommen dürfen, nur eine Handvoll muss zu Hause bleiben. Während ich diese Zeilen schreibe, läuft einer meiner Hausmeister über den Gang und schimpft: „Sei froh, dass Du nicht draußen sein musst, dort ist es viel zu warm (das eigentliche Wort ist nicht zitierbar)“. Menschen sind lustig, vor Tagen hatte er sich über das schlechte Wetter aufgeregt, heute ist es zu warm.  Das arme Wetter, nie kann es es den Menschen rechtmachen. Ich jedenfalls freue mich, wenn ich mich auf mein Fahrrad setze und nach Hause fahre. Zwei Minuten später berichtet ein Mitglied der Schulleitung, dass die Schüler ihn bereits auf das Thema „Hitzefrei“ angesprochen hätten. Seine Antwort: „Das muss der Chef beurteilen“. Ich bin gespannt zu hören, wie es in der kommenden Woche gewesen ist, wenn ich nach 4 Tagen wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehre.

07. Juni 2021

Erster Tag nach den Pfingstferien. An diesem Tag ist gleich wieder viel los. Viele Kolleginnen und Kollegen werden heute und morgen geimpft. Ich hoffe, dass relativ bald das Kollegium durchgeimpft ist und wir damit mehr und mehr zu einem anderen Leben zurückkehren können. Wobei es natürlich nicht nur ein zurück sein wird. Die letzten Monate waren hart, darüber habe ich in diesem Tagebuch schon öfters geschrieben. Aber sie haben auch ein neues Denken angestoßen. So wie bisher können und dürfen wir nicht mehr weitermachen. Schule neu zu denken, Schule zu verändern, das ist meines Erachtens das Gebot der Stunde. Auch bei uns wird immer noch mit Noten Druck gemacht, auch bei uns wird gelernt für den Test und danach wieder vergessen, auch bei uns wird immer wieder in einer Art und Weise über Schülerinnen und Schüler gesprochen, die nicht akzeptabel ist. Daran muss und daran wird sich etwas ändern. Natürlich machen wir an dieser Schule viele Dinge richtig und dennoch ist es wichtig sich klar zu machen: Schule verändern, sich selbst ändern, das sind Gelingensbedingungen, die wir brauchen. Sechs Wochen sind es noch bis zu den Sommerferien, in der kommenden Woche kommen alle Schülerinnen und Schüler wieder zurück. Was für eine Freude.

08. September 2021

Was für ein Tag! Blauer Himmel, 12 starke Männer und ich morgens um 08.30 Uhr mitten in den Mörzheimer Weinbergen und treffen den Biowinzer Stefan Kuntz mit seinem Sohn Pablo und seinem Mitarbeiter Lukas. Das Ziel für heute ist eine 100 Meter lange Trockenmauer zu bauen. Nein, im Ernst, an einer 100 Meter langen Trockenmauer zu bauen. Stefan schätzt die Bauzeit auf mindestens ein Jahr ein und ich glaube, er hat Recht. Die Jungs, Schüler aus der 10. und 12. Klasse, legen nach einer Einführung durch den Biowinzer gleich richtig los, überbieten sich im Hochheben schwerster Steine und sind zum Teil sehr geschickt, wenn es darum geht den richtigen Stein für die nächste Lage zu bekommen. Die einen fahren mit dem Traktor neue Steine holen, andere bereiten ein Drainagerohr vor und wieder andere helfen beim Aufbau der Mauer. Das ist definitiv keine leichte Arbeit, aber wir sehen alle, was wir nach ein paar Stunden geschafft haben. Zwischendrin gibt es Brezeln und Apfelschorle. Zu Mittag essen wir bei mir zu Hause Spaghetti Bolognese und Tomatensoße. Ich hatte gedacht zuviel gekocht zu haben, weit gefehlt. Das einstündige Gespräch bei Tisch war herrlich, einen vernünftigen Satz habe ich jedenfalls nicht gehört. Danach wurden die Jungs wieder abgeholt, stiegen auf den Anhänger des Traktors und fuhren zum Arbeitsplatz. Nach fast 8 Stunden fuhren sie glücklich und zufrieden, mit dem Gefühl etwas gearbeitet zu haben, nach Hause. Auf ein nächstes Mal.

07. September 2021

Normalerweise beginnen wir unser Schuljahr mit ganz großen und ganz wichtigen Projekten. Die Herausforderungen sind ein Projekt, mit dem wir in ganz Deutschland verbunden werden, zumindest von Menschen, die sich mit Schulen auskennen. Auch dieses Jahr können wir keine großen Herausforderungen machen, hier steht uns das Virus noch im Weg. Aber im nächsten Jahr werden wir wieder loslegen. Die 9. und 10. Klassen sind zur Zeit alle im Praktikum, in dieser Woche beginnen die Besuche der LehrerInnen und ich bin mir sicher, dass sie alle dazulernen werden. Die Schüler lernen ein klein wenig die Welt da draußen kennen und die LehrerInnen auch. Die 8. Klassen machen Miniherausforderungen und erleben dabei viele praktische Erfahrungen. Da wird gemauert, betoniert, im Freien übernachtet, auf unterschiedlichen Fahrzeugen gefahren, gekocht, vorbereitet und ganz viel mit Kopf, Hand und Herz gemacht. Ich selbst helfe morgen mit 10 starken Jungs aus der Klassenstufe 12 beim Bau einer Trockenmauer mit. Die 5. Klassen fegen durch die Flure, ihre Augen leuchten, wenn sie uns begegnen. Ich habe mich gefreut meine Lerngruppe  DS aus der Klassenstufe 7 zu sehen und mit ihnen einen spannenden Unterricht zu haben. Erschrocken bin ich gestern in meiner 12. Klasse im Fach evangelische Religion, da haben so viele erklärt, dass sie sich verbessern wollen und regelmäßig arbeiten wollen, das war mir schon ein bisschen unheimlich. Wenn die das tatsächlich durchhalten, werde ich ganz leichtes Spiel haben. Die Oberstufenschüler haben vom ersten Tag an mit ihrem Programm begonnen. In der Pause habe ich einige Mädchen der Klassenstufe 11 gesprochen. Sie zeigten sich über die erste Woche so begeistert. Sie fühlen sich gut angenommen und pudelwohl in ihrer neuen Schule. Ich kann mich immer nur wiederholen, schön, dass ihr alle da seid.

06. September 2021

Heute geht es wieder los mit dem Tagebuch und ich versuche die vergangene Woche und den heutigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Am ersten Schultag fühlte man insgesamt ein kollektives Aufatmen. Endlich wieder Kinder im Haus, endlich wieder Menschen sehen, endlich wieder gemeinsam lachen und arbeiten. Hinderlich ist nur die Maske im Unterricht, stundenlang dieses Teil zu tragen nervt, behindert und ist einfach ärgerlich. Ich werde nicht davon ablassen, alle, die nicht geimpft sind, aufzurufen sich impfen zu lassen, damit wir unsere Freiheit wieder bekommen und uns gegenseitig schützen. Unsere Kinder sollten uns das Wert sein und ich weiß auch nicht, was in den Menschen vorgeht, die immer noch nicht das kostenlose Impfangebot angenommen haben. Unsere Gesellschaft steht vor riesigen Aufgaben und eigentlich haben wir keine Zeit uns im gerade begonnenen Schuljahr noch länger um Corona kümmern zu können. Wir müssen die Klimaerwärmung aufhalten, neue Energien fördern, den Straßenverkehr völlig neu regeln und die Schulen verändern. Das sind große Aufgaben, die unsere ganze Kraft brauchen. Wenn wir wegwollen von einer egoistischen Gesellschaft hin zu einer Gesellschaft der Solidarität, dann gibt es eben jetzt ganz viel zu tun. Es ist mir als Leiter einer Schule nicht gestattet eine Wahlempfehlung abzugeben. Es ist mir aber sehr wohl erlaubt zu sagen, dass jene Partei gewählt werden kann, die sich ganz klar gegen eine Politik des Weiterso wendet. Weiterso geht nicht. Wir müssen diese Gesellschaft auf einen anderen Kurs bringen. Wir haben nicht mehr die Zeit zu experimentieren, wir müssen handeln. Unsere Kinder sind uns anvertraut, wir müssen ihnen eine lebenswerte Welt überlassen. Wir haben schon viel zu lange nach dem Prinzip des Weiterso oder noch besser „Das haben wir schon immer so gemacht“ gelebt. Heute Morgen sagte ein Kollege, als der Carl Benz das Auto erfand, wollte der Kaiser immer noch auf Pferde setzen, so ähnlich geht es uns heute. Wir müssen uns entscheiden. In unserer Schule werden wir uns in den nächsten Monaten und Jahren auch entscheiden müssen. Wohin soll die Reise gehen? Was sind wir bereit zu verändern? Wie lange wollen wir noch den alten Fächerkanon mit uns schleppen? Wie lange wollen wir noch Noten geben? Wie lange wollen wir es uns noch leisten nicht den einzelnen Schüler zu betrachten, sondern immer nur eine niemals einheitliche Gruppe? Wie lange wollen wir in den Schulen am Bedarf der Kunden vorbeihandeln? Wie lange wollen wir uns es leisten Kinder und Jugendliche nicht auf das Leben nach der Schule vorzubereiten? Ich weiß schon, an der IGS läuft doch alles schon so richtig gut. Ja, stimmt. Aber es muss noch viel, viel besser gehen. Ich hoffe sehr, dass das Kollegium der IGS Landau, die Eltern und vor allem die Kinder mitmachen werden, wenn es darum geht die Schule weiter zu verändern. Als ich eben draußen in der Pause war und mit neuen SchülerInnen sprach, die bei uns in der Klassenstufe 11 angefangen haben, wurde mir wieder einmal klar, dass wir einen guten Ort haben hier, die Mädchen haben sich allesamt gefreut bei uns zu sein. Ein Mädchen sagte: „Nur eins ist schade Herr Haug. In dieser Schule gibt es schon so viele Paare.“ Na ja, ich bin mir sicher, dass sie auch noch fündig wird.

Tagebucheinträge Juli 2021

08. Juli 2021

Vier Stunden Abschlussfeiern der Klassenstufe 9. Für mich als Schulleiter hieß das, bei allen vier Klassen eine Rede zu halten. Jeweils zur vollen Stunde durfte ich ran und es hat mir gut gefallen. In allen Klassen sind jeweils sechs SchülerInnen mit der Berufsreife gegangen. Einige von ihnen machen eine Ausbildung, andere gehen weiter in eine Schule, die meisten in die Berufsbildende Schule. Die acht TutorInnen hatten sich für die Gestaltung einiges einfallen lassen, Fotos und Filme über die Jahre entstanden zeugten von einer bewegten fünfjährigen Geschichte. Was mir besonders aufgefallen ist, ist das Verhältnis von coronafreier Zeit und der Zeit, bei der die SchülerInnen unter Coronabedingungen in der Schule arbeiten mussten. Wenn man von fünf Unterrichtsjahren ausgeht und von 17 Monaten unter Coronabedingungen, haben die Abgänger ein Drittel ihrer Schulzeit mit Corona verbracht. Das ist echt lange und wir wünschen allen Kindern und Jugendlichen eine neue Zeit, in der das Virus wirklich unter Kontrolle ist. Morgen geht es weiter mit der Verabschiedung der Klassenstufe 10.

07. Juli 2021

Heute war ein toller Tag an unserer Schule. Die KunstlehrerInnen hatten für 17.00 Uhr geladen. Eine Idee von Alex hat dazu geführt, dass die Fachschaft, in diesem Fall die Mitstreiter*innen Sophie, Steffen und Gwen, mit ihren Kursen nachzogen und eine Ausstellung im Foyer und im Selbstlernzentrum präsentierten, welche nur als grandios zu bezeichnen ist. Wozu Kinder und Jugendliche fähig sind, wenn sie eine gute Anleitung erhalten, da kann nur gestaunt werden. Das erste Thema war die Apokalypse des Johannes. Anhand von Zitaten aus diesem letzten Buch der Bibel wurden Exponate geschaffen, die auch für Verwirrung sorgten, im positiven Sinne natürlich. Und da waren da die Bilder zu einem anderen Thema, nämlich zu Europa. Bei der kleinen Festveranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung war zuerst Moritz Lenz mit zwei Liedern zu hören, das war auch ein schöner Moment und dann wurden an die Kinder allerhand Preise verliehen. Diana Walter errang sogar einen Preis auf Bundesebene, das Geschenk, welches sie dafür erhielt, war eher peinlich, aber die Kunstlehrerinnen hatten sich zusätzlich noch etwas anderes überlegt. Besonders gefreut hat mich, wieviele Eltern den Weg in die Schule gefunden hatten, irgendwie war alles so normal, viele Menschen auf kleinen Raum, viele strahlende Augen von Kindern und Erwachsenen. Mein Dank gilt unseren Kunstlehrerinnen.

06. Juli 2021

Wir feiern zu wenig. In unserer Schule feiern wir zu wenig. In den Tagebucheinträgen der vergangenen Woche habe ich Ihnen von unserem Aufenthalt in Marburg berichtet. Bevor wir nach Hause fuhren, wollten wir einen Termin für ein Treffen vereinbaren, an dem wir das Gesehene verarbeiten und eine Präsentation für das gesamte Kollegium vorbereiten wollten. Diese Veranstaltung führten wir bei mir zu Hause durch, schließlich kann der Pfälzer oder die Pfälzerin am Besten denken, wenn es etwas zum Essen und zum Trinken gibt. So waren wir gestern Abend zusammen und genossen Zeit und Leben. Als ich heute einigen TeilnehmerInnen der gestrigen Veranstaltung auf dem Flur begegnete, waren das ganz andere Begegnungen als zuvor. Man hatte sich intensiver kennengelernt und das ist gut so. Wie gesagt, wir feiern zu wenig.

05. Juli 2021

Es gibt Menschen, die lernen zwei oder drei Sprachen in einem Jahr. Sie tun das, weil sie es wollen. Sie sind richtig scharf darauf sich in unterschiedlichen Sprachen mit unterschiedlichen Menschen unterhalten zu können. Sie lieben das Lernen, nicht ist ihnen dann zuviel. Die Frage, die mich umtreibt, lautet: Wie schaffen wir es in der Schule diese Lust auf Lernen zu verbreiten? Wie motivieren wir, eigentlich ist die Frage falsch, unsere Kinder aus sich heraus zu lernen? Die Frage ist deshalb falsch, weil nicht ich derjenige bin, der das Kind motivieren kann, sondern das Kind eigentlich sich selbst. Wir sind eine gute Schule und gehen mit den Kindern meist achtsam um. Wir meinen es gut und machen es auch meistens gut. Und dennoch haben auch wir Schülerinnen und Schüler, die für die Noten lernen, die sich anstreben oder auch nicht. Das wirkliche Interesse besteht oft nicht, vielmehr geht es darum eine gute Note zu erreichen. Wir müssen an dem Plan arbeiten Schülerinnen und Schüler zu ihrer jeweiligen Höchstleistung zu bringen. Eigentlich geht es nicht um Leistung, sondern vielmehr um das Lernen, die Lust am Lernen. Ich möchte unbedingt weiter machen auf diesem Weg, um irgendwann sagen zu können: Wer hierher kommt, hat Lust etwas Neues zu lernen und die Zeit, die er oder sie investiert, spielt dabei keine Rolle.

02. Juli 2021

Heute wurden in unserem Hause ganz viele Entwicklungsgespräche geführt. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen, Eltern, Kindern und Lehrer sehr froh um die Gespräche sind. Nicht alles, was jeweils besprochen wird, ist angenehm. Man spürt sicherlich, wie sehr die letzte Zeit an einem genagt hat. Um so wichtiger sind die Gespräche gerade jetzt. Wenigstens zuhören, wenigsten aussprechen können, wenigstens Rat holen. Ich hoffe sehr, dass viele Kinder durch die Gespräche gestärkt worden und nicht noch einen auf den Deckel bekommen haben. Oh ja, solche Gespräche können echt in Untiefen abgleiten. Da wird das Kind mit dem ach so tollen Bruder verglichen, da werden Kinder unter Druck gesetzt und entmutigt. Manchmal verhalten sich Eltern nicht professionell, darauf müssen die Lehrkräfte reagieren. Das ist im Einzelfall nicht angenehm aber nötig. Eltern sind manchmal dazu geneigt das eigene Kind zu überfordern. Ich freue mich immer, wenn ich von Kindern, Eltern und Lehrern höre, wie gut das jeweilige Gespräch war und wie sehr sich alle gefreut haben. Das sollte bei jedem Gespräch der Fall sein. Kinder brauchen unsere Unterstützung.

01. Juli 2021

Wir hatten heute einen Studientag, den ich meinen Lehrern geschenkt habe. Niemand kannte das Thema. Meine Lehrerinnen und Lehrer haben sehr intensiv gearbeitet und ein sehr anstrengendes Jahr hinter sich gebracht. Mein Geschenk war an sie Felix Gaudo. Felix Gaudo ist ein Clown und Moderator und machte eine Fortbildung mit dem Titel „Humor kann man lernen“. Diese Veranstaltung passte gerade jetzt in diese Zeit besonders gut. Wir haben uns tatsächlich stundenlang mit dem Thema Humor beschäftigt. Humorduschen, Humortagebücher, Dankbarkeitsübungen mit dem netten Titel „Aller guten Dinge sind 5“, das sogenannte Permamodell waren Bestandteile des Tages. Wussten Sie, dass Kinder 400 Mal am Tag lachen und Erwachsene 20 Mal. Wussten Sie, dass Kinder mit 1,5 Jahren sich alle 2,5 Minuten so richtig begeistern? Erwachsene 2 Mal im Jahr. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie. Daran müssen und werden wir etwas ändern. Wir haben an diesem Tag ganz praktisch gearbeitet und den Pinguin in uns entdeckt. Wenn Sie wissen wollen, was das ist, dann können Sie mich gerne ansprechen. Ich würde so gerne nach diesem Studientag die Komplimentekultur an unserer Schule weiterentwickeln. Irgendeine Teilnehmerin sagte, dass sie das Wort Kompliment viel schöner fände, als das Wort Lob. Daran ist etwas dran. Denken Sie mal darüber nach.

Tagebucheinträge Juni 2021

30. Juni 2021

Was ich gar nicht mag, sind Gespräche, die in den deutschen Schulstuben immer um die Zeit der Zeugniserstellung, aber leider auch während des Schuljahres, geführt werden. Wenn es darum geht, die Namen einzelner Schülerinnen und Schüler durchzugehen, die irgendetwas nicht verstanden haben, die zum dritten Mal den doch so leichten Test wieder verhauen haben, dann ist Schule doof. Was bewegt Menschen dazu in einer solchen Weise über Schüler zu sprechen? Was ist das Motiv? Jeder Erwachsene war selbst einmal Schülerinnen oder Schüler und hat Schule selbst als junger Mensch erlebt. Da wurde verletzt, angeschrien, erniedrigt, mit Noten gestraft, bloßgestellt, beschämt. Jeder Lehrer und jede Lehrerin kann davon unterschiedliche Lieder singen. was bewegt sie nun auf der anderen Seite stehend den gleichen Mist wieder zu machen? Warum unterhalten wir uns in deutschen Schulstuben in der Weise über die jungen Menschen, die uns anvertraut sind? Dass man sich ärgert, wenn die Plagen nichts lernen, ist völlig in Ordnung. Dass man verzweifelt ist, wenn alle Versuche dies oder jenes beizubringen scheitern, ist ebenso verständlich. Und dennoch sollte sich jeder an der eigenen Nase packen, wenn er über Schüler spricht und sich kontrollieren, wie er über sie spricht. Ich jedenfalls kann dieses Gerede in den Zeiten, in denen Zeugnisse erstellt werden, wirklich nicht mehr hören. Amen!

29. Juni 2021

In der Richtsbergschule ticken die Uhren anders. Sie haben so richtig alles auf den Kopf gestellt. Klassenräume, wie wir sie kennen, wurden dort aufgelöst, jedes Kind hat einen Arbeitsplatz in einem Großraumbüro. Die Arbeitsatmosphäre soll ruhig und quasi lautlos sein. Wenn die Kinder an ihren Schreibtischen sitzen, dann ist Ruhe angesagt. Wenn man LehrerInnen danach fragt, bestätigen sie die erstaunliche Erkenntnis, dass sich 100 Kinder in einem Raum, der früher 4 oder 5 Klassen beherbergte, ruhig verhalten. Warum das Ganze? Die Schule hat erkannt, dass es wichtig ist, dass jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsbereich hat, an dem er in seinem Tempo mit seinen Schwerpunkten die einzelnen Themen bearbeiten kann. Daneben gibt es Räume, in denen Zusammenarbeit möglich ist, mit einem Partner, einer Tischgruppe oder einer größeren Gruppe. Diese Räume sehen irgendwie gar nicht wie Schulräume aus, hier geht man sicherlich gerne hin. Auf praktisches Arbeiten wird in dieser Schule sehr viel Wert gelegt. Beim Gang durch die Schule stoßen wir auf eine Schülergruppe, die Gondeln repariert und restauriert. Sie haben richtig gelesen, Gondeln, in die man zum Beispiel steigt, wenn man sich in den Alpen bequem auf einen Berg bewegen möchte. Die kann man tatsächlich im Internet kaufen. Überhaupt geht es in dieser Schule sehr stark um das Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Wer aufmerksam dieses Tagebuch liest, kennt den eigentlichen Satz des Pädagogen Heinrich Pestalozzi, der da lautet: Es ist wichtig, dass Kinder mit Kopf, Herz, Hand und Fuß arbeiten. Das wird in dieser Schule wahrlich intensiv verwirklicht. Als wir am Nachmittag nach Hause fuhren und uns das Erlebte aneinander erzählten, war da eine Mischung zwischen Erstaunen, Neugier und Aufbruch. Mal sehen, was wir daraus machen.

28. Juni 2021

Heute sind wir mit 9 Personen nach Marburg gefahren, um uns die Richtsbergschule zu betrachten. Vor allem interessiert uns das Perlenwerk, so nennen  die Lehrkräfte dort das neue Herz der Schule. Was an diesem kleinen Familienausflug besonders schön ist, ist die Zeit mit ganz unterschiedlichen Lehrerinnen und Lehrern aus unserer Schule. Im Alltag laufen wir oft aneinander vorbei, natürlich mit Begrüßung, mit manchen hat man mehr, mit manchen hat man weniger zu tun. Heute und morgen können wir eine intensive Zeit gemeinsam verbringen. Marburg ist ein schönes Städtchen, Harry Potter hätte hier durchaus zum Teil gedreht werden können. Die Einwohnerzahl ist so um die 80.000, 28.000 Studierende prägen das Bild dieser Stadt. Von unserem Kollegen Dennis erhalten wir eine kostenlose Stadtführung, ein Essen am Abend, ein gemeinsames Gespräch über gute Schule und das Betrachten der Europameisterschaftsspiele mit wildfremden Menschen im Freien bestimmen den Abend. Wir sind gespannt, was uns nach wenigen Stunden Schlaf am Morgen erwartet.

25. Juni 2021

Wir nähern uns in großen Schritten dem Schuljahresende, mein Kollegium, aber auch die Schulleitung sind urlaubsreif, die Schülerinnen und Schüler auch. Es war kein schönes Schuljahr, es war und ist überschattet durch Corona. Ich kenne Menschen und dazu neige ich auch mich selbst zu zählen, die nicht gefangen sind von Problemen, sondern in Lösungen denken. Wir haben Aufgaben im Leben, täglich kommen neue dazu und eine gute Haltung ist es Tag für Tag Lösungen zu finden. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Menschen, dem dies in besonderer Weise gelingt. Auch gegen große Widerstände vermag er sich durchzusetzen und immer wieder Menschen von einer neuen Idee zu begeistern und die Welt ein klein wenig zu verändern. Die Haltung, die es dazu braucht, ist nicht geprägt von Pessimismus, dem „das haben wir immer schon so gemacht“, sondern von einer unfassbaren Offenheit und gleichzeitig einer großen Mitmenschlichkeit. Dieser Mensch lebt mitten unter uns in Landau, er heißt Peter.

24. Juni 2021

Heute hatte ich nur eine Stunde Unterricht, überhaupt habe ich leider viel zu wenig Unterricht, aber ein Schulleiter muss eben ein paar andere Dinge erledigen, die auch ein wenig Zeit kosten. In der einen Stunde Unterricht hatte ich Kinder aus einer 6. Klasse. Die Hausaufgabe, die ich ausnahmsweise aufgegeben habe, war es eine kurze Ballade auswendig zu lernen. Von 14 Schülern konnte es ein halber. Auswendig lernen ist eine richtig gute Übung für unser Gehirn. Immer wieder Texte auswendig zu lernen schult so einiges. Dennoch bekommen die Schüler diese Aufgabe sehr selten, viel zu selten. Ich war natürlich nicht amüsiert darüber und fand entsprechend drohende Worte. Die betroffen ins Leere schauenden SchülerInnen versprachen bis zum nächsten Tag fleißig zu lernen. Ich bin gespannt, was sie heute so zu präsentieren haben. SchauspielerInnen leben vom Auswendiglernen, gestern berichtete mir ein Kollege von der Art, wie sie das praktizieren. Zwei interessante Versionen habe ich gehört, der eine lernt tatsächlich beim Spielen (das könnte ich nie), der andere spricht zuerst den Text ganz, dann lernt er Wort für Wort und dann tatsächlich jeden Buchstaben eines jeden Wortes. Dadurch hat er am Ende den ganzen Text parat. Lernen ist anstrengend, Auswendiglernen auch, aber wir kommen nicht drumherum, wenn wir schlau und groß werden wollen. Ich werde nach der Unterrichtsstunde berichten.

23. Juni 2021

In der kommenden Woche fahren 10 Kolleginnen und Kollegen von Montagnachmittag bis Dienstagabend ins hessische Marburg. Dort besuchen wir alle eine Schule, von der wir möglicherweise etwas lernen können. Die Richtsbergschule. Wer möchte, kann gerne sich im Internet über diese Schule informieren. Es lohnt sich. Wenn wir unseren Schülern im 21. Jahrhundert gerecht bleiben und werden wollen, müssen wir uns ändern. Wir sind eine gute Schule, wir machen einiges richtig, aber wir können uns trotzdem auf den Weg machen eine noch bessere Schule zu werden. Hier ist Offenheit bei allen sehr nötig. Bei Lehrerinnen und Lehrern, die sich auf Neues einstellen und dazu lernen müssen. Eltern müssen den Weg Vertrauen lernen, den wir möglicherweise ganz anders gestalten, als sie ihn bisher kennen und die Schülerinnen und Schüler müssen Lust haben auf dieses Abenteuer. Ich werde Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

22. Juni 2021

Ich führe in der Schule und außerhalb der Schule viele Gespräche mit Kindern und Jugendlichen. In meinem privaten Leben habe ich ein Traineramt inne. Dort begegnen mir junge Menschen, die 16, 17 oder 18 Jahre alt sind. Auch in diesem Bereich merke ich, wie sehr die Kinder kämpfen. Einige drohen in eine Selbstisolation abzudriften. Sie wollen sich mehr auf sich selbst konzentrieren, sie wollen keinen Mannschaftssport mehr betreiben, sondern in irgendein Studio rennen und auch da sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen. Corona bedeutet für diese Jugendlichen die Aufgabe sozialer Beziehungen. „Mir wird das alles zuviel“, „Ich bleibe lieber zuhause“. Diesen Satz habe ich mehr als einmal gehört. Im schulischen Kontext gibt es immer noch viel zu viele Menschen, die so machen, als ob nichts geschehen sei. Bis in die höchste Politik hinein wird diese Denke unterstützt. Das ist schade, fahrlässig, ungerecht, unsozial und hat möglicherweise bedenkliche, negative Folgen. Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Jugendlichen eine Perspektive haben.

21. Juni 2021

Heute fängt der Sommer an, juchu. Wenn es nach mir geht, dann könnte der ewig gehen. Ich erhielt einen Anruf vom Nabu, dort habe ich letzte Woche meine Telefonnummer hinterlassen. Wir haben ein Problem in unserem Schulteich. Die Frösche sind weg. Das ist kein Wunder, schließlich haben meine Hausmeister dort, die Angaben weichen je nach Hausmeister voneinander ab, entweder 6 oder 10 Ringelnattern gesehen. Eine war, hier weichen die Angaben auch voneinander ab, 1,00 Meter bzw. 1,30 Meter lang. Die Ringelnattern wollen schließlich auch leben. Auf meine Frage, ob man die Ringelnattern fangen und woanders wieder aussetzen könnte, erhielt ich die Auskunft, dafür brauche man, es wird sie nicht wundern, eine Genehmigung. Nun könnte man ja sagen: Das ist eben Natur. Aber irgendwo fehlt mir das Quaken meiner Frösche. Nun wird in den kommenden Tagen jemand vorbeikommen und sich das ganze Elend betrachten, vielleicht finden wir ja eine gute Lösung, auf alle Fälle hoffe ich im nächsten Jahr wieder Frösche quaken zu hören.

18. Juni 2021

In 10 Tagen fährt eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern ins hessische Marburg, wo wir in der Richtsbergschule eine Hospitation haben werden. Dies hat sich ganz kurzfristig ergeben und ich bin froh darüber. Wir sind auch in unserer Schule auf dem Weg neue Abenteuer zu planen und versprechen uns von diesem Besuch schöne Ideen und Hinweise für unsere eigene Praxis. Unsere Ministerpräsidentin hat in einem Artikel von gestern in der Rheinpfalz angedeutet eine Schule der Zukunft entwickeln zu wollen. Da wollen wir unbedingt dabei sein. Vielleicht ist das Projekt Schule der Zukunft tatsächlich ein Projekt, bei dem sich Schule grundsätzlich ändert und wandelt. Wir träumen immer noch davon in einer Schule zu leben, in der jedes Kind sein Bestes geben kann und geben will, in der Schüler motiviert sind jeden Tag gerne zur Schule zu gehen und von Lehrerinnen und Lehrer individuell gefördert und gefordert werden. Wir wollen eine Schule, in der es wirklich um das Kind geht und nicht darum Lehrpläne zu erfüllen. Wir werden sehen, wie weit wir in den nächsten Jahren kommen. 

14. Juni – 17. Juni 2021

Ich bin vier Tage nicht ansprechbar. Ich drücke wieder die Schulbank. Ich mache eine Ausbildung, die den sperrigen Titel „Systemisches Coaching und Veränderungsmanagement“ trägt. Vier Tage lang trafen sich 22 Auszubildende mit einem überragenden Professor via Zoom täglich von 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Ich durfte Menschen kennenlernen, die im weitesten Sinne im Dienstleistungssektor arbeiten, ich war der einzige Teilnehmer aus der Schule. Ich habe in diesen vier Tagen überaus viel gelernt, bin auf wunderbare Menschen getroffen und freue mich in den nächsten 8 Monaten eine Ausbildung absolvieren zu können. Ich habe in meinem Leben nicht nur als Schulleiter, sondern auch davor, viele Beratungsgespräche geführt und meine auch mit der richtigen Haltung ans Werk zu gehen. Wir wurden in diesen vier Tagen nicht nur mit Theorie versorgt, sondern wurden auch relativ bald in die Praxis geschickt. Das war ungemein spannend und wirklich lehrreich. Viele von uns waren, das muss ich zugeben, der Aufgabe zunächst nicht gewachsen. Aber ich bin sicher ganz viel lernen zu können, was ich auch gewinnbringend in der Schule einsetzen kann. Es ist wirklich wunderbar lebenslang lernen zu dürfen.

11. Juni 2021

Im Sekretariat haben unsere Sekretärinnen im Moment ganz viel zu tun. Nicht, dass ihnen sonst langweilig wäre, im Moment ist es besonders viel. Zudem fehlt eine von meinen drei Perlen und die beiden anderen müssen wohl die nächsten Wochen ohne sie auskommen. Allein für das Thema Schulbuchausleihe bräuchte man in diesen Tagen eine eigene Kraft. Es ist schon verrückt, wie viele Einzelanfragen in diesen Tagen im Sekretariat aufschlagen. „Wir haben unseren Code vergessen“ oder „Mein Kind hat überhaupt nichts mit nach Hause gebracht“. Das sind zwei von vielen Sätzen, die hier die letzten Tagen des öfteren zu hören waren. Ich hoffe sehr, dass die Eltern ihren Kindern mit der gleichen Ruhe begegnen, wie unsere Sekretärinnen. Zudem merken wir auch, dass die sogenannte Arbeitsverdichtung zu immer mehr Aufgaben und Verantwortlichkeiten führt. Gleichzeitig kam mein Hausmeister zu mir und berichtete freudestrahlend von seinem jetzt endlich stattfindenden Impftermin. Gut, dass er geimpft wird. Ich hätte mir, gerade für meine beiden Hausmeister, aber auch für meine Sekretärinnen, sehr gewünscht, dass die Termine gleichzeitig mit den Lehrkräften gesetzt worden wären. Hier fehlt es definitiv an einer Wertschätzung. Und es wäre doch so leicht an dieser Stelle etwas Gutes zu tun.

10. Juni 2021

Ich muss Ihnen sagen, dass ich sehr froh bin Teil dieser Schule zu sein. Das Kollegium ist wunderbar, gerade war ich in einer Sitzung mit Menschen, die sich um das Thema „Digitalität“ kümmern. Hier werden in einer Art und Weise Aufgaben übernommen, verbindlich erledigt, präsentiert und evaluiert, wie es nur als beispielhaft bezeichnet werden kann. Wir haben genau eine Zeitstunde gehabt und vieles auf den Weg gebracht. Das ist in dieser Gruppe jedesmal der Fall, da ergeben sich für die nächste Sitzung neue Aufgaben, sofort werden Untergruppen gebildet und Termine vereinbart. Das erfüllt mich mit Freude und auch ein wenig Stolz. Und auch die Tatsache, dass in dieser Arbeitsgruppe sogenannte alte Hasen oder Häsinnen mit gerade dem Ei entschlupften Junglehrerinnen und Junglehrern arbeiten. Ich persönlich lerne von den frisch geschlüpften eine ganze Menge. Vielen Dank dafür.

09. Juni 2021

Meine Wand an meiner Tür hat keinen Platz mehr. Karla, Esra, Matz, Benjamin, Lilli, Kalle, Vincent, Lena, Emil, Elias, Ida und Nils, das sind die Namen der Kinder, die quasi IGS-Nachwuchs sind. Ein junges Kollegium, ein fruchtbares Kollegium. Und wenn ich mich so umschaue ist ein Ende nicht in Sicht. Zur Zeit sind 9 Frauen in Mutterschutz und Elternzeit. Ich freue mich, dass mein Kollegium für Nachwuchs sorgt und Kindern ein Leben in dieser Welt ermöglicht. Irgendwann wird es vielleicht unsere Aufgabe sein sie in der Schule unterrichten zu dürfen. Darüber würde ich mich sehr freuen.

08. Juni 2021

In der kommenden Woche werden wir noch mehr freudige Gesichter sehen, wenn auch nicht ganz, die Maske muss ja weiterhin getragen werden. Dennoch rücken wir wieder ein Stück weiter in Richtung Freiheit. Ich bin froh, dass die allermeisten Kinder auch wirklich kommen dürfen, nur eine Handvoll muss zu Hause bleiben. Während ich diese Zeilen schreibe, läuft einer meiner Hausmeister über den Gang und schimpft: „Sei froh, dass Du nicht draußen sein musst, dort ist es viel zu warm (das eigentliche Wort ist nicht zitierbar)“. Menschen sind lustig, vor Tagen hatte er sich über das schlechte Wetter aufgeregt, heute ist es zu warm.  Das arme Wetter, nie kann es es den Menschen rechtmachen. Ich jedenfalls freue mich, wenn ich mich auf mein Fahrrad setze und nach Hause fahre. Zwei Minuten später berichtet ein Mitglied der Schulleitung, dass die Schüler ihn bereits auf das Thema „Hitzefrei“ angesprochen hätten. Seine Antwort: „Das muss der Chef beurteilen“. Ich bin gespannt zu hören, wie es in der kommenden Woche gewesen ist, wenn ich nach 4 Tagen wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehre.

07. Juni 2021

Erster Tag nach den Pfingstferien. An diesem Tag ist gleich wieder viel los. Viele Kolleginnen und Kollegen werden heute und morgen geimpft. Ich hoffe, dass relativ bald das Kollegium durchgeimpft ist und wir damit mehr und mehr zu einem anderen Leben zurückkehren können. Wobei es natürlich nicht nur ein zurück sein wird. Die letzten Monate waren hart, darüber habe ich in diesem Tagebuch schon öfters geschrieben. Aber sie haben auch ein neues Denken angestoßen. So wie bisher können und dürfen wir nicht mehr weitermachen. Schule neu zu denken, Schule zu verändern, das ist meines Erachtens das Gebot der Stunde. Auch bei uns wird immer noch mit Noten Druck gemacht, auch bei uns wird gelernt für den Test und danach wieder vergessen, auch bei uns wird immer wieder in einer Art und Weise über Schülerinnen und Schüler gesprochen, die nicht akzeptabel ist. Daran muss und daran wird sich etwas ändern. Natürlich machen wir an dieser Schule viele Dinge richtig und dennoch ist es wichtig sich klar zu machen: Schule verändern, sich selbst ändern, das sind Gelingensbedingungen, die wir brauchen. Sechs Wochen sind es noch bis zu den Sommerferien, in der kommenden Woche kommen alle Schülerinnen und Schüler wieder zurück. Was für eine Freude.

Tagebucheinträge Mai 2021

18. Mai 2021

Heute Morgen wurde ich bei einem Gespräch mit einer Kollegin unterbrochen, mein Hausmeister streckte den Kopf durch die Tür und hatte einen 50-Euro-Schein in der Hand. Seine Frau und er betreiben in der Pause ein Kiosk. Dort kam heute ein Schüler zu seiner Frau, er hatte den Schein in der Hand und sagte, er habe ihn gefunden und wolle ihn abgeben. Vielleicht würde sich derjenige, dem der Schein gehört, ja melden. Die Hausmeistergattin war verwundert, gab ihrem Mann den Schein. Was für ein Junge! Wie viele Menschen hätten diesen Schein einfach eingesteckt und wären davongelaufen ohne etwas zu sagen. Dieser Junge nicht. Morgen werde ich mich auf die Suche nach ihm machen, der 50-Euro-Schein wartet im Sekretariat auf seinen Besitzer, von mir erhält der Junge Finderlohn und ein dickes Lob für seine Tat.

17. Mai 2021

Die letzte Schulwoche hat begonnen, die letzte Woche vor den Pfingstferien meine ich natürlich. Die Mitglieder der Schulleitung sind in unterschiedlichen Bereichen unterwegs. Der Schulleiter ist gefühlt irgendwo überall und nirgendwo, die einzelnen Abteilungsleitungen haben zum Teil doch klarer umrissene Gebiete. Sie treffen sich immer mal wieder zu Sitzungen mit Menschen anderer Schulen, die den gleichen Tätigkeitsbereich beackern. Wir sind schon eine besondere Schule, unser ganzheitlicher Blick auf den Menschen wird nicht unbedingt in jeder anderen Schule in Rheinland-Pfalz so umgesetzt. Da gibt es durchaus andere Lebensweisen. Wenn man nun als Abteilungsleiter zu landesweiten Sitzungen aufbricht und mit den neuesten Informationen zurückkehrt, so muss man das Gehörte mit der eigenen Praxis abgleichen. Und etwas zweites ist wichtig: Was in solchen Sitzungen gerne gemacht wird, ist es zu jammern. Die Gläser sind dort oft halbleer. Es wird gemeckert, gekrittelt, gejammert. Ich erlebe das selbst bei der ein oder anderen Sitzung, die ich hinter mich bringen muss. Dinge zu ändern, Neues auszuprobieren, Altes über Bord zu werfen, sich inhaltlich im positiven Sinne auseinander zu setzen, das ist nicht unbedingt Inhalt dieser Sitzungen. Es geht leider zu oft um das, was angeblich nicht läuft. Das ist schade und führt zu nichts. Der Innovationswille ist meines Erachtens in diesem Bundesland nicht so stark ausgeprägt. Im benachbarten von der CDU geführten Land in Hessen hatte man den Mut ein Projekt mit dem Titel „Pädagogisch selbstverantwortliche Schule“ durchzuführen. Dort werden Schulen gesucht, die im pädagogischen Bereich mutige Schritte gehen wollen, die beispielsweise jahrgangsübergreifend arbeiten wollen, die mehr in Themen als in Fächern denken und Ziffernnoten erst ab der Klassenstufe 9 geben möchten. Eine mutige Idee aus Hessen. Wie schön wäre es diese auch in Rheinland-Pfalz anzupacken. Ich wäre dabei.

12. Mai 2021

Heute waren unsere 5. Klassen im Stadion. Tatsächlich, sie waren im Stadion. Unsere SportlehrerInnen organisierten ein Spielfest, quasi als Ersatz für die Bundesjugendspiele. Normalerweise bin ich bei den Bundesjugendspielen stets dabei und ob die anderen wollen oder nicht, ich mime den Starter, habe einen Heidenspaß, motiviere Schülerinnen und Schüler schnell zu starten und zu laufen, ärgere mich, wenn der eine oder andere Sportlehrer mit seinen SchülerInnen den Tiefstart nicht geübt hat. Doch diesmal konnte ich nicht dabei sein oder ehrlicherweise habe ich es einfach versemmelt. Schade, denn die Berichte von dieser Veranstaltung lassen vermuten, dass es ein herrliches Spielfest war. Kinderaugen, die strahlten, die Augen der Erwachsenen strahlten, so glaube ich, auch. Endlich mal raus. In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals meinem großen Unmut darüber Ausdruck verleihen, dass das Treiben von Sport im Freien und das Verbot jeglicher Spiele in den letzten Monaten für mich eine überhaupt nicht nachvollziehbare Maßnahme war. Ich bin sonst mit allen Maßnahmen sehr einverstanden und achte als Schulleiter auf die Einhaltung derselben. Dass wir aber seit über einem Jahr den Schülern und Kindern den Vereinssport und den Schulsport verboten haben, ist eine Katastrophe. In meinem Privatleben trainiere ich eine Fußballmannschaft, wir bereiten gerade die nächste Runde vor, nicht alle Spieler werden dabei sein. Sie hören auf Fußball zu spielen. Wie gesagt, das ist eine Katastrophe.

11. Mai 2021

Wir sind seit ein paar Wochen eine anerkannte Erasmusschule. Dies bedeutet in den nächsten Jahren, dass wir SchülerInnen und LehrerInnen in ganz viele und interessante, europäische Projekte bringen können. Für die nächsten 1,5 Jahre haben wir einige Projekte überlegt, insgesamt sehe ich darin eine riesige Entwicklungschance. So können wir es auch LehrerInnen ermöglichen zum Beispiel in einer finnischen oder schwedischen Schule zu hospitieren und Kontakte zu knüpfen, die nicht nur im Fremdsprachenunterricht nützlich sein können. So können SchülerInnen zum Beispiel einen English-Drama-Workshop mit unseren Fortbildnern aus Irland in Irland selbst machen. So können zwischen Schulen aus unterschiedlichen Staaten Projekte gemacht werden, die den Einzelnen, wenn er sich denn beteiligt, enorm weiterbringen. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns mit dem Europäischen Referenzrahmen und wollen diesen in unserer Schule einführen. Wir beschäftigen uns nicht erst seit gestern mit diesem Referenzrahmen und halten den Schmetterling, so sieht er grafisch aus, für eine sehr gelungene Zusammenfassung von Kompetenzen für das Leben im 21. Jahrhundert. Ihn in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen und ihn quasi als Leitbild verinnerlichen und in der konkreten Arbeit mit SchülerInnen umzusetzen, halte ich für eine gute Idee. Wir sind leider von Nazis, sogenannten Reichsbürgern, Pekidaanhängern umgeben und müssen unsere Demokratie aktiv verteidigen. Dass diese Gesinnung, dass dieses rechte Gedankengut sogar in die Parlamente gekommen ist, ist meines Erachtens ein Alarmzeichen. Es ist die Aufgabe einer guten Schule die Machenschaften aufzudecken und Schüler für ein aktives Eintreten für demokratische Strukturen vorzubereiten. Gute Schule ist eine demokratische Schule, eine Schule, in der SchülerInnen bedeutsam sind und etwas zu sagen haben.

10. Mai 2021

Heute waren ganz viele Lehrerinnen und Lehrer bei ihrem ersten Impftermin. Das freut mich sehr. Leider werden in unserer Schule nur die Lehrkräfte so schnell geimpft, die Sekretärinnen und die Hausmeister haben noch keinen ersten Termin. Das ist wieder einmal eine Ungleichbehandlung aller an der Schule Arbeitenden. Sollte irgendein politisch Verantwortlicher sich auf dieses Tagebuch verirren, so möge er meinen lauten Ruf hören: Geben Sie den Sekretärinnen einen Impftermin. Vergessen Sie unsere „Perlen“ nicht.

Ich träume davon im kommenden Schuljahr tatsächlich mit allen Schülerinnen und Schülern den Unterricht wieder aufnehmen zu können. Lasst uns die Kinder und Jugendlichen impfen und im Spätsommer und Herbst unsere Freiheit wieder bekommen. Viele um mich herum werden immer ungeduldiger. Ich glaube, dass wir auf einem richtigen Weg sind und plädiere dafür unsere Schülerinnen und Schüler zu bestärken und ihnen immer wieder zu sagen, dass wir bald wieder ganz viele gute Erfahrungen miteinander machen dürfen. Unsere Kinder, unsere Schülerinnen und Schüler brauchen unseren Zuspruch. Geben wir diesen an alle.

07. Mai 2021

Ich mache mir große Sorgen um Schülerinnen und Schüler aus unseren sogenannten Abschlussklassen. Eigentlich haben wir gar keine Abschlussklassen im klassischen Sinne, es ist eben nur so, dass uns Schülerinnen und Schüler jährlich ab der 9. Klasse verlassen können. Nach der 9. Klasse mit dem Abschluss der Berufsreife, nach der 10. Klasse mit dem Sekundarabschluss I, nach der 12. Klasse haben sie den schulischen Teil der Fachhochschulreife erreicht und nach der 13. Klasse eben das Abitur. Unsere Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9 und 10 bereiten uns Kummer. Gerade sie brauchen uns in diesen Zeiten ganz besonders. Hier haben wir viele Kinder und Jugendliche, die wir einfach nicht erreichen oder nicht motivieren können regelmäßig zu arbeiten. Viele Angebote unsererseits, Einzelgespräche, Elterngespräche, es kommt einfach nicht bei allen an. Und es steht doch auch etwas auf dem Spiel, aber trotzdem scheitern wir. Sicher ist das kein Problem unserer Schule nur allein, sicherlich geben viele andere Schulleitungen die gleiche Diagnose ab. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Schuljahr ganz besonders an den Einzelnen denken müssen und nicht mit den Maßstäben eines normalen Schuljahres messen dürfen. Die Frage, was ein normales Schuljahr ist, soll jetzt an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Meine Lehrerinnen und Lehrer machen sich viele Gedanken und stehen selbst vor einem Rätsel. Bis am Ende alle Schülerinnen und Schüler ein Zeugnis erhalten, müssen in den wenigen Wochen vor dem Zeugnisdruck noch viele gute Dinge passieren. Arbeiten wir daran.

6. Mai 2021

Heute habe ich eine wunderbare Videokonferenz mit dem Schweizer Professor Gollob mitmachen dürfen. In unserem Gespräch ging es unter anderem um das Verlassen von bekannten Pfaden. Wir Lehrerinnen und Lehrer machen das, was wir können, was wir gewohnt sind, was wir gelernt haben. Veränderung ist da nicht immer einfach. Veränderung kann Angst erzeugen. Und da man das vermeiden möchte, bleibt oft alles so, wie es ist. Wenn es nach dem Willen vieler Befürworter des dreigliedrigen Schulsystems ginge, würde immer alles so bleiben, wie es ist. Im Koalitionsvertrag der neuen rheinland-pfälzischen Landesregierung wird unter anderem von der Schule der Zukunft gesprochen. Heißt das, wir werden uns verändern? Sind die Schulen der Zukunft tatsächlich demokratische und partizipative Systeme? Fördert man in der Schule der Zukunft die intrinsische Motivation? Heute hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin aus der Bildenden Kunst. Sie berichtete mir von dem Curriculum der gymnasialen Oberstufe und ich hatte eine Erinnerung an meinen eigenen Geschichtsunterricht vor 45 Jahren. Da war es auch so, dass man in der 10. Klasse angekommen, leider nicht mehr die Zeit des Nationalsozialismus durchnehmen konnte. Im Nachhinein weiß ich auch gar nicht, ob ich mit den Lehrern, die ich zum Teil hatte, dieses Thema gerne durchgenommen hätte. Da war doch zum Teil noch ziemlich viel schmutzige Vergangenheit im Spiel. Meiner Kunstlehrerin geht es nun ähnlich, wenn sie sich durch die ganzen Jahrhunderte chronologisch hindurch arbeitet, bleibt am Ende nur noch wenig Zeit für das Hier und Jetzt. Was gibt es denn nicht eigentlich Spannendes zu entdecken? Mit Schülerinnen und Schülern in Projekten an heute lebenden Künstlern sich zu orientieren und vor allem auch selbst künstlerisch aktiv zu sein. Schule der Zukunft heißt für mich die Erkenntnis, dass Schule eigentlich ganz anders sein muss, endlich in eine gelingende Praxis umzusetzen. Wir brauchen mutige Veränderungsschritte. Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die bereit sind Fehler zu machen, die bereit sind loszulassen, hinzufallen und wieder loszulassen und wieder hinzufallen und irgendwann etwas Neues geschaffen zu haben. Oh je, das ist anstrengend, das ist fordernd aber auf der anderen Seite kann es ein Abenteuer werden, welches die Einzelne nicht vergessen wird. Ich bin gespannt auf unsere Schule der Zukunft und freue mich sehr darauf.

5. Mai 2021

Heute startet mein erster inhaltlicher Beitrag für die Homepage und gerade hatte ich einen schönen Text geschrieben und meinte, ihn auch gesichert zu haben, doch weit gefehlt, 20 Minuten Arbeit für umme. Also zurück auf Start. Ja, wir haben endlich eine neue Homepage, mit der wir in den nächsten Jahren Sie mit Informationen und Beiträgen versorgen möchten. Mein Dank gilt meinen Schulleitungsmitgliedern Ralf Gauweiler, Uli Roos und Hansjürgen Wurtz-Linz. Sie haben zusammen mit dem Profi Herrn Haller die neue Seite aufgesetzt. Sicher gibt es daran Dinge zu optimieren, zu verbessern und inhaltlich zu ergänzen. Sie können uns gerne Rückmeldung geben, wenn Ihnen irgendetwas einfällt, auffällt oder auch gefällt. Wir haben bis zu den Pfingstferien und wahrscheinlich auch danach Unterricht im sogenannten Wechselmodell, heißt also, dass die Gruppe A noch 8 und die Gruppe B noch 3 Tage Präsenzunterricht hat. Nach den Pfingstferien werden dann beide Gruppen noch jeweils 3 Wochen Unterricht haben. Dann ist dieses verrückte Schuljahr zu Ende. Wenn man mich fragen würde, aber wer tut das schon, wäre meine Idee dieses vergangene Schuljahr komplett zu streichen. Es gibt auch aus der Wissenschaft genügend Vorschläge, die sicher alle ihre Haken haben, aber einfach so zu tun, als ob nichts gewesen wäre, das ist für mich einfach nur „wurschteln“. Ich kenne die Bedenken, aber es wurde und wird in dieser Frage keine vernünftige Diskussion geführt. Wir scheuen uns vor großen Schritten und das ist echt schade.

In unserer Schule gehen wir aber in diesen Tagen richtig große Schritte. Wir haben zwei Schulentwicklungsgruppen gegründet, die mit viel Energie ihre Arbeit aufgenommen haben. Da ist zum einen unser E-Team. Nicht nur durch die Coronazeit wurden alle Schulen in Deutschland quasi gezwungen mit Hilfe digitaler Endgeräte Unterricht zu gestalten. Wir wollen die guten Erfahrungen in ein Konzept gießen, welches das Arbeiten mit digitalen Endgeräten uns in unserer eigentlichen Frage unterstützt. Die eigentliche Frage ist nämlich, wie schaffen wir es, dass ganz unterschiedliche Kinder möglichst viel lernen und das auch noch mit Freude. Unser E-Team besteht aus 10 sehr engagierten Lehrkräften, die mit großer Energie an den Themen arbeitet. Ich bin auch dabei und es macht mir richtig Spaß. Eine zweite, genauso spannende, Schulentwicklungsgruppe trägt im Moment den Arbeitstitel „Lernen in Zusammenhängen“. Das klingt nüchtern, dahinter verbirgt sich jedoch eine tolle Idee. Wir wollen die Orientierungsstufe zu einer wirklichen Orientierungsstufe machen, SchülerInnen sollen mit Kopf, Herz und Hand lernen dürfen. Am liebsten würden wir keine Ziffernnoten geben, sondern eine Leistungsrückmeldung, wie sie dem einzelnen Kind auch nützt. Wir wollen eingeschliffene Pfade verlassen und Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler motivieren mit uns einen neuen Weg zu beschreiten. In der gestrigen Sitzung trafen sich 25 LehrerInnen und Eltern. Eine Mutter, die drei Kinder an unserer Schule hat und deren Größter gerade Abitur machte, formuliert es drastisch: „Ich möchte, dass meine Kinder mit Freude lernen und ihren eigenen Weg finden können. Ich möchte mit meiner Mitarbeit dafür sorgen, dass wir uns an unserer Schule von dem Prinzip Lernen – Auskotzen – Vergessen endgültig verabschieden.“ Gewiss klingt das drastisch, es beschreibt jedoch immer noch den Schulalltag, den wir uns in diesem Land so oft leisten. Diese Schulentwicklungsgruppe möchte dies ändern. Auch darauf freue ich mich sehr. Während diese Zeilen entstehen, klopft es an meiner Tür und ein Schüler, den ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, begrüßt mich strahlend. Es ist der Schüler, von dem ein Bild in meinem Büro hängt. Dieses Bild zeigt die beiden Twintowers des Empire-State-Buildings, welches er freihändig mit Tusche gezeichnet hat und das ungemein gelungen und perspektivisch fantastisch ist. 11 Jahre war er, als dieses Bild entstand. Irgendwann musste er die Schule verlassen, ein Kind, welches wirklich auf sich alleine gestellt war und sich herauskämpfte. Seine Ausbilderin fotografierte sein Werk, als sie mein Büro verließ, sagte sie: „Den geben wir nicht wieder her.“ Schule gelingt, wenn gute Beziehungen gelegt werden. Wir brauchen in unseren deutschen Schulen ein Verständnis von Bildung und Erziehung, von welchem wir manchmal entfernt sind. Entfernt auch deshalb, weil wir Vorgaben erfüllen müssen, die aus einer ganz anderen Zeit stammen. Ich habe immer noch die Hoffnung große Schritte gehen zu dürfen und in einer Schule zu arbeiten, in der es allen möglichst gut geht.

4. Mai 2021

Heute ist der 04.05.2021 und dies ist der erste Eintrag im Tagebuch. WIR HABEN EINE NEUE HOMEPAGE. Nachdem unsere alte Page seit Beginn der Schule im Jahr 2010 am Start war haben wir entschieden, ein neues Format zu entwerfen: moderner, übersichtlicher, auf dem aktuellen Stand. 11 Jahre hat die alte Page „einen guten Job“ gemacht, nun war es aber an der Zeit, alles zu überarbeiten. Und wie immer, wenn Sachen neu am Start sind, müssen sich Dinge einspielen und brauchen Zeit. Manche Seiten sind noch nicht fertig gestaltet, es fehlen noch Bilder, es fehlen noch Beiträge. Gerne können Sie uns Rückmeldung geben, über jeden Hinweis freuen wir uns. Und nun: viel Spaß beim Stöbern auf der neuen Page.