Menschen – wer wir sind

Schulleiters Tagebuch

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Tagebucheinträge Juni 2022

 
 
 

15. Juni 2022

Jetzt gleich ist es soweit, wie geplant soll ein 40tonner den Schulhof Richtung Ukraine verlassen. Das ist eine Initiative des Studierenden Erik Schäfer, der mit seiner Organisation H.O.P.E. sich unfassbar engagiert und sich für die Menschen in der Ukraine einsetzt. Wir unterstützen dieses Projekt, sammeln selbst Spenden und motivieren Menschen mitzumachen. Wir dürfen die Menschen in der Ukraine nicht vergessen, was in unserer schnelllebigen Zeit nicht ganz so einfach ist. Während vor 3 oder 4 Monaten noch am Abend Unterstützungssendungen im Fernsehen liefen, ist das Thema heute zwar noch da, aber nicht an erster Stelle. Ich bin froh, dass wir in der Schule, mit vielen anderen zusammen, einen kleinen Beitrag leisten können.

14. Juni 2022

Gestern bei der Montagmorgenbegrüßung wurde vorgestellt, was SchülerInnen im Fach Fit und Stark jahrgangsübergreifend für die Klassen 8 – 10 an Modulen angeboten wird. Lehrkräfte sind Experten für ihren Workshop. Es gibt Pflicht- und Wahlworkshops. Bei der Vorstellung der Lehrerinnen und Lehrer dachte ich, wie großartig es ist, so viele talentierte Menschen um mich zu haben. Jeder hat an seinen Stärken und Interessen überlegt oder einen Part übernommen, der eben gemacht werden muss. So gibt es Workshops zum Thema Banken und Versicherungen, Lebenshaltungskosten, den Umgang mit unterschiedlichen Geschlechtern bis hin zu einem Tanzkurs, den ein Kollege vor allem auch für Schüler anbietet. Fit und Stark soll fit und stark für das Leben machen. Und all diese Module tragen meines Erachtens einen großen Anteil bei der Unterstützung unserer Kinder bei. Ein großer Teil unserer Kinder wird für sein Leben wirklich davon profitieren. Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Dieser oft zitierte Satz macht an der Stelle richtig Sinn. Meine Kollegin Pia Göltz und unser Schulsozialarbeiter Mathias Fischer sind die Hauptverantwortlichen für dieses Fach, sie machen sich Gedanken, sie bilden sich und andere fort, sie organisieren die Materialien, ihnen gebührt unser aller Dank.

13. Juni 2022

Heute habe ich eine Schule besucht, die im Norden der Stadt Darmstadt liegt. Die IGS Erich Kästner. Schon bei der Anfahrt wusste ich, wo ich hinkommen würde. Vielstöckige, nebeneinander stehende Hochhäuserblocks waren der Mittelpunkt der Bebauung, insgesamt kein Ort, an dem man unbedingt gerne wohnen möchte und genau hier ist die Erich-Kästner-Schule. Das Selbstverständnis dieser Schule wurde von einem Lehrer erläutert. Selbstständiges Lernen ist die Maxime in dieser Schule. Konzeptionell spricht vieles dafür, dass diese Schule Erfolg haben wird. 40 unterschiedliche Nationalitäten treffen hier täglich aufeinander. Nicht viele Familien kommen aus den wenigen Häusern einer priviligierteren Schicht. Viele Schüler haben es in ihrem Leben nicht einfach und müssen sich irgendwie durch das Leben kämpfen. Wir hatten zuerst eine profunde Einführung und mir ist dabei aufgefallen, wie engagiert, ja begeistert die Lehrer ihr Projekt betreiben. Ich kam in die Stillarbeitsräume, in die Lernbüros für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Dort hat jedes Kind einen Arbeitsplatz, dort wird nicht gesprochen. Fragen werden geflüstert, die Kinder entscheiden in welchen Raum sie gehen. Lehrer beraten Einzelne und das Ganze funktioniert mit SchülerInnen, die mit großer Sicherheit zu Hause keinen eigenen Arbeitsplatz haben. In einem anderen Flur befinden sich Gruppenräume, wo Schüler mit einem Partner oder mit mehreren an bestimmten Themen arbeiten. Hier entscheiden die Kinder was sie machen und wie lange. Am Ende, wenn sie ein Thema geschafft haben, melden sie sich zu einem „Könnensbeweis“ an. Also nicht eine Klassenarbeit zur gleichen Zeit im gleichen Raum für alle. Sondern ein individueller „Könnensbeweis“. So soll es doch eigentlich sein. Die Lehrkräfte achten vor allem darauf Unter- und Überforderung von SchülerInnen zu vermeiden. Schüler, die nichts machen, gibt es nicht. Eine gute Schule, eine gute Idee, ganz eindrucksvoll in die Tat umgesetzt.

10. Juni 2022

Ich bin froh über die Spendenbereitschaft all derer, die ich in einem Brief angeschrieben habe. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich jedenfalls lebe den Tag so vor mich hin und das Thema Ukraine spielt in meinem Tagesablauf keine große Rolle mehr. Da hat sich etwas verändert, so wie wir mit dem Krieg in Syrien zu leben gelernt haben, geht es für uns, obwohl sich das Ganze viel näher abspielt, weiter, als ob nichts sei. Nur wenn dann plötzlich ein Bus mit Menschen aus der Ukraine in der Stadt steht und die Menschen dann zuerst einmal eine Wohnung brauchen, erst dann wird man wieder berührt. Und ganz genauso ist es mit den Spenden. Als das Ganze noch frisch war, waren die Initiativen groß und jetzt braucht es doch eine recht große Kraftanstrengung das Thema aktuell zu halten.

09. Juni 2022

Vor zwei Tagen hatten wir unseren Studientag zu dem Thema „Digitalunterstütztes Lernen“. Das war ein sehr erfolgreicher Tag, zumindest aus meiner Sicht. In ganz unterschiedlichen Workshops konnten alle Lehrkräfte ihre digitalen Kompetenzen erweitern. Besonders freuen mich die Reaktionen von KollegInnen, die dem Medium eher nicht zugeneigt sind und durch die gewissermaßen ein Ruck gegangen ist. Da ging dem einen oder der anderen wirklich ein Licht auf und die Idee an sich zu arbeiten und neu dazu zu lernen. Für diejenigen, die schon weiter sind, gab es auch Tipps. Ich glaube, dass allen TeilnehmerInnen klar geworden ist, dass wir nicht mehr um das digitalunterstützte Lernen herumkommen. Die Vorteile und die Möglichkeiten sind ja auch immens. Auch für diejenigen, die als Workshopleiter fungierten, gab es Lerneffekte. Sie lernten beim Lehren. Ich hoffe sehr, dass die Impulse nachhaltig fruchten und es für alle Lehrkräfte selbstverständlich ist mit einem digitalen Endgerät den Unterricht zu organisieren.

08. Juni 2022

Heute habe ich meiner geliebten Gruppe Darstellendes Spiel Klassenstufe 7 gründlich den Kopf gewaschen. Ich bat sie für einen geplanten Auftritt die Texte zu lernen, an denen wir schon eine ganze Weile üben. Das Ergebnis war desaströs. Ich überhaupt nicht amüsiert. Ich hielt einen langen Vortrag über die Wichtigkeit des Übens und darüber, dass Fleiß eine Tugend ist. Ich war so sauer. Die Kinder sagten kein Wort. Danach war in diesem Raum 60 Minuten lang kein Wort zu hören. Jeder musste eine Stunde lang an seinem Text arbeiten. Mit einer zaghaften Verabschiedung trollten sie sich. Einige von ihnen hatte ich am Nachmittag in meiner Herausforderungsgruppe. Meinen Föhn vom Vormittag schienen sie mir nicht übel genommen zu haben. Die Frage, ob der Föhn wirklich was gebracht hat, ist auch nicht so leicht zu beantworten.

07. Juni 2022

Es gibt ja viele Dinge immer wieder zu kritisieren. Aber es gibt in unserer Schule auch ganz viele Momente, in denen ich weiß, dass ich am richtigen Ort bin. Immer dann, wenn sich Menschen unterstützen, helfen oder auch nur freundlich miteinander sind. Leider gibt es immer wieder so Phasen, wo das Eigentum anderer zerstört wird. So kam ein Schüler zu mir und berichtete von Schäden an seinem Moped und von einem unbekannten Verursacher. Ich gab dies über die Hausrufanlage an alle Menschen im Haus weiter. Wenige Minuten danach klopften bei mir Schüler der 5d an die Tür und übergaben mir Geld, welches ich dem Schüler geben sollte. Dieser war über diese Geste sehr erfreut, ja, gerührt. Mir ging es ähnlich. Diese Kinder waren sicher nicht die Verursacher dieses Schadens aber sie haben etwas, was man in dieser Welt gut gebrauchen kann, Empathie und Mitgefühl. Gut, dass es euch gibt und weiter so…..

03. Juni 2022

Ich bin kein Schulleiter, der mit der Uhr am Eingang steht und kontrolliert, wann jemand die Schule betritt. Heute Morgen war ich zufälligerweise ab 07.45 Uhr bis 08.10 Uhr auf dem Schulhof gestanden und habe mit Lehrern und Schülern gesprochen. Mit einer Lehrerin auch. Der Unterricht beginnt um 07.55 Uhr. Was sich danach abgespielt hat, war sehr interessant. Irgendwann habe ich zu zählen angefangen und zwar nachdem meine beiden Hände nicht mehr ausgereicht haben. Um 08.15 Uhr hatte ich 57 Menschen gezählt, die lächelnd, grüßend, ohne Eile, ganz entspannt an mir vorbeigelaufen sind. Kein Mensch kam auf die Idee sich bei mir zu entschuldigen. Im Gegenteil, als ich den einen oder anderen ansprach, war Unrechtsbewusstsein das letzte Gefühl, was meine Gesprächspartner beschlichen hat. Es war irgendwie alles normal für sie. Da es nicht nur Schülerinnen und Schüler waren, sind wir irgendwie alle davon betroffen. Ich weiß, dass Arbeitgeber Pünktlichkeit nicht in jedem Fall mehr einfordern, weil sie irgendwie resigniert haben. Pünktlich zu sein hat etwas mit Respekt zu tun. Es handelt sich eigentlich um das gleiche Problem, wie ich es unlängst mit einem Professor für Schulpädagogik besprochen habe. Er berichtet von seinen Vorlesungen, in der die Hörenden mit dem Handy spielen, essen, zu spät kommen oder gar nicht, eigentlich kommen, wann sie wollen und der Aufmerksamkeitsfokus ganz sicher nicht auf seinen Worten liegt. In der naturwissenschaftlichen Universität Heidelberg, so habe ich gehört, werden Toaster, Sandwichmaker und Wasserkocher ausgepackt und tatsächlich auch betrieben. Was ist das für eine unfassbare Respektlosigkeit? Aber offensichtlich haben die Professoren aufgegeben. Pünktlich zu sein oder einem Vortragenden die Aufmerksamkeit zu schenken hat wirklich mit Respekt gegenüber dem anderen zu tun. Was hier teilweise passiert ist jedenfalls katastrophal.

02. Juni 2022

Ich habe im März einen ersten Brief zum Thema Handy geschrieben und seit dem ist einiges passiert. Viele Diskussionen in den einzelnen Gruppen und viele Meinungen. Ich war gestern in einer Klasse eingeladen und hatte mit den Jungs und Mädchen eine wirklich gute Diskussion. Ich habe ihnen versucht zu erklären, warum ich dafür bin das Handy in der Schule unsichtbar zu machen. Und ich glaube, sie haben es verstanden und konnten meine Idee nachvollziehen. Oft wird in Diskussionen angeführt, es sei wichtig jederzeit erreichbar zu sein, ein Schüler behauptete, dass er in den letzten Jahren immer wieder sehr oft wichtige Nachrichten von seinen Eltern bekommen habe. Als ich ihn bat, einmal in sich zu gehen und nachzudenken, welche der Nachrichten, die er erhalten habe, wirklich zu diesem Zeitpunkt nötig waren und er mir ein Beispiel nennen sollte, musste er selbst lachen. Und dann erklärte ich allen, wie eine Nachricht, die wirklich wichtig ist, denn am besten übermittelt werden sollte. Ich machte es an einem Beispiel fest. Stell dir vor einem Familienmitglied sei etwas Schlimmes passiert. Ist es da nicht besser, wenn ein Anruf im Sekretariat erfolgt, die Schulleitung eingebunden würde und beispielsweise der Schulleiter den betroffenen Schüler aus der Lerngruppe holt, mit ihm in sein Büro geht und dann in aller Ruhe über das spricht, was passiert ist? Ist diese Vorgehensweise nicht echt besser als eine erbarmungslose whatsapp-Nachricht. Wo der Informierte in einer Klasse sitzt und völlig geschockt aus dem Saal rennt. Die Schülerinnen und Schüler haben in dieser Gruppe auch verstanden, dass es mir um ihren eigenen Schutz geht. Und dass ich das Versagen einer ganzen Gesellschaft nicht auch noch in der Schule haben möchte. Es geht nicht um ein Verbot, sondern um die Einsicht. Und wenn wir von der Unsichtbarkeit des Handys in der Schule sprechen, ist dies genau die Konsequenz der Einsicht. Ich hoffe sehr den Prozess in dieser Frage in naher Zukunft zu einer Lösung gebracht zu haben.

01. Juni 2022

Heute war ein schöner Tag. Für mich persönlich endete er nicht ganz so schön, warum werde ich aber nicht im Tagebuch schreiben. Schließlich geht das niemanden etwas an. Ansonsten hatten wir herrliche Temperaturen und viele, viele Kinder, die sehr engagiert die Bundesjugendspiele absolviert haben. Ich war der Starter für die Kurzstrecken und hatte dabei richtig Spaß.  Für so manchen Schüler ist der Startblock eine bedrohliche Sache. Die Frage, ob man das Ding unbedingt benutzen müsse, wurde mir sehr häufig gestellt. Und eine zweite Sache habe ich beobachtet. Manche Kinder haben Angst, jeder würde ihnen zuschauen, das sei peinlich und sie wollen einfach nicht rennen. Ich versuchte sie zu motivieren und bei den allermeisten gelang das auch. Die Aufregung war bei allen wirklich groß. Und dennoch war dieses auch ein richtig schönes Fest, frische Luft, Sport machen, miteinander lachen und ja, auch Leistung bringen, das war für mich die Quintessenz dieses Tages. Mein persönlicher Höhepunkt war der 800m-Lauf der Mädchen, an dem sich gefühlt 200 Mädchen beteiligt haben. Und es war wieder wie immer. Einige, die ihrem Anfangstempo Tribut zollen mussten und andere, die am Ende merkten, dass sie doch noch schneller gekonnt hätten und viele, die einfach Spaß hatten die zwei Runden hinter sich zu bringen. Bundesjugendspiele im Freien bei schönen Wetter sind einfach eine wunderbare Veranstaltung.

Tagebucheinträge Mai 2022

31. Mai 2022

Whatsapp ist kein Segen für die Menschheit. Wenn Eltern sich in Whatsapp-Gruppen verletzen und dort plötzlich Namen von Kindern auftauchen, die nach der Meinung der Schreiber ungezogene Kinder seien, dann kann es richtig lustig werden. Da im Netz nichts geheim bleibt und diese Nachrichten per Screenshot an die vermeindlich ungegzogenen Kinder und deren Eltern gelangen, kann es richtig lustig werden. Schlussmachen mit Whatsapp, das kennen wir schon eine zeitlang, aber wenn sich Eltern plötzlich vernetzen und völlig naiv im weltweiten Netz mit Namen Probleme diskutieren, dann kann das Ganze ganz böse enden. Wir versuchen unseren Schülerinnen und Schülern beizubringen, wie sie ihre Privatsphäre im Netz schützen können. Was aber machen wir mit so manchem Elternteil, das nicht von uns in Sache Sitte und Anstand unterwiesen werden kann? Menschen, die so etwas machen, sind sich über die Tragweise ihres Schreibens nicht bewusst. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir an der Stelle zu Dingen greifen, die in der Vergangenheit für Lösungen gesorgt haben. Das Gespräch, bei dem man sich in die Augen schaut und am Ende möglicherweise eine Lösung hat, welche man mit einem Handschlag verabredet, ist in diesem Fall die beste aller Lösungen. Ich habe mich vor zwei Jahren aus Whatsapp verabschiedet, bin in keinem sozialen Netzwerk und habe überhaupt nicht das Gefühl von einer Kommunikation, die mich interessiert, abgeschnitten zu sein. Das Ganze ist wieder einmal ein Beleg für mich, dass es überaus entscheidend ist, wie wir miteinander kommunizieren wollen. Die Kurznachricht ist dabei die schlechteste aller Lösungen.

30. Mai 2022

Der Einstieg in die Schule fällt mir heute nicht leicht. Ich war die vergangenen neun Tage in Israel. Gemeinsam mit Lehrkräften aus rheinland-pfälzischen und hessischen Schulen, fachlich und überhaupt begleitet von Markus Sasse, einem ausgewiesenen Experten für Israel. Ich habe viel gelernt und viel erlebt. Wir sind auf den Spuren Jesu gewandert und haben so manche Entdeckung gemacht und gesehen, wie vor vielen 1000 Jahren Hochkulturen entstanden und wieder untergingen. Wir haben uns durch tausende von Steinen gekämpft und haben uns vor Ort mit der Geschichte dieses großartigen Landes beschäftigt. Auf der anderen Seite habe ich ein zutiefst gespaltenes Land erlebt, die unterschiedlichen Gruppen erzählen jeweils ihre eigene Geschichte. Geschichten, die nicht zusammenlaufen, sondern auseinander. Es gibt nicht die Araber oder die Juden, es gibt sowohl bei Arabern und bei Juden wahrhaft unterschiedliche Gruppierungen, die sich innerhalb der jeweiligen Gruppe völlig widersprechen. Ich habe einen Mann namens Vieweger getroffen, der für die ZDF-Serie Terra X oft als Experte für die Region Israel/Jordanien interviewt wird und ihn gefragt nach seiner Einschätzung, wie es in Israel zu einer guten Lösung kommen kann. Er ist mehr als skeptisch, die Erzählungen beider Gruppen sind viel zu unterschiedlich. Die Staatsgründung Israels 1948, die durch die Briten verwirklicht wurde, war gewissermaßen der Anfang vom Ende. Der eine Staat wurde auf Kosten der dort lebenden Bevölkerung aus der Taufe gehoben, die Idee von zwei Staaten überhaupt nicht in Betracht gezogen und heute steht das Land vor einem Scherbenhaufen. Es gibt eine flächendeckende, ja totale Überwachung und selbst Reiseführer haben eine Pistole, während sie die ausländischen Gruppen durch dieses herrliche Land begleiten. Nicht alle Reiseführer, aber viele.

11. Mai 2022

Ich weiß nicht, ob jemand, der dieses Tagebuch liest, sich an Fritz Wunderlich erinnert. Wenn nicht, dann empfehle ich eine Aufnahme von ihm anzuhören, wo er das Lied „Im wunderschönen Monat Mai“ singt. Er war meines Erachtens der wunderbarste Tenor, den es bisher gab. Vom wunderschönen Monat Mai sind wir leider ein wenig entfernt. Auf der einen Seite glänzt die Sonne schon seit Tagen vom Himmel, der uns blau entgegen kommt und auf der anderen Seite ist Chaos in Europa. Erik Schäfer war heute bei uns, er engagiert sich hier in Landau für die Menschen in der Ukraine und ruft Schulen dazu auf mit ihm zusammen einen 40-Tonner zu packen, der wichtige Konserven und Hygieneartikel in die Ukraine bringt. Am Freitag wird er einen Vortrag an der Uni Landau-Koblenz halten, zu dem ich unsere Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte heute noch einladen werde. Das sind Informationen aus erster Hand. Von einem Menschen, der immer wieder in die Ukraine fährt und zu helfen versucht. Ich wünsche mir sehr das Lied von Fritz Wunderlich gesungen im Mai 2023 mit einem besseren Gefühl hören zu dürfen.

10. Mai 2022

Heute war ein wunderbarer Schultag, aber ich muss zugeben, dass ich es nicht mehr gewöhnt bin mehrere Stunden am Tag mit Schülern beim Unterricht zu sein. Ganz schön anstrengend. Mein Verständnis vor einem Kollegen, der 27 Stunden unterrichtet und manchmal 6 oder 8 Stunden am Tag, ist heute wieder gewachsen. Ich begleitete Schüler mit einem Modul mit dem Thema Körpersprache. Unsere Kinder aus den 8. Klassen beschäftigen sich eine Woche lang mit Ausbildung, Bewerbung und mit der eigenen Idee hinsichtlich der beruflichen Zukunft. Ich hatte zwei Schulstunden pro Gruppe Zeit und bin ganz wunderbaren Kindern begegnet. Das Feedback am Ende des Tages zeigte mir doch eine ganz gute Vorbereitung getroffen und die Kinder erreicht zu haben. Ich habe den Eindruck, dass jeder Schüler ein Stückchen gewachsen ist in diesen beiden Stunden. Sich selbst in seiner Wirkung bewusst zu sein ist von großem Vorteil und in den Übungen, die wir machten, konnte man das ein klein wenig lernen. Morgen geht es weiter und ich freue mich darauf.

09. Mai 2022

Ich habe auch über das nachfolgende Thema schon einige Male geschrieben. Aber es ist mir so wichtig, dass ich es erneut tue. Klingenmünster ist voll und ich meine damit nicht den Ort, sondern die Klinik, in der sich Kinder und Jugendliche befinden, die in einem desolaten, psychischen Zustand sind. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes sagte mir, dass schon im vergangenen Jahr auf der Warteliste über 100 Menschen eingetragen waren. Die Therapeuten, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern, kommen ihrer Arbeit nicht mehr nach. Mich machen Aufholprogramme nach Corona närrisch. Ja, aufholen ja, aber zuerst und vor allem in Punkto seelischer Gesundheit. Wir Erwachsenen sind krank geworden in den letzten Jahren und unsere Kinder auch. Wenn nicht alle in der Klinik Platz haben, müssen wir Erwachsenen, die die Kinder in der Schule begleiten, uns Zeit nehmen für sie, ihnen zuhören und sie ernst nehmen. Es gibt wirklich viel zu tun.

06. Mai 2022

Ich habe heute nach der Schule Tomatenpflanzen, Gurken, Paprika und Physalis gekauft und dabei ist mir jemand begegnet, den ich schon lange kenne. Sie sei pensioniert sagte sie und ich frage sie warum. Die Antwort beschäftigt mich heute noch. Warum hören in den Schulen die Besten früher auf? Das A und O einer guten Schule ist eine gute Haltung. Den Menschen zu lieben, den Schüler beim Großwerden zu begleiten und ihn liebevoll zu unterstützen, das ist die Voraussetzung einer guten Schule. Ich treffe in letzter Zeit immer wieder Menschen, die diese Haltung haben, mit dieser aber in ihren Schulen anecken und sich nicht getragen fühlen. Es geschieht leider immer noch viel zu viel Beschämung, Selektion und Aussortieren. Wenn Menschen dann irgendwann erkennen, dass es ihnen nicht wichtig ist eine Riesenpension zu kassieren und einfach gehen, kann ich nur den Hut ziehen. Das ist konsequentes Handeln. Schade, dass Menschen mit der oben beschriebenen Haltung einfach weg sind. Wir brauchen sie dringend in unseren Schulen. Ich brauche Lehrerinnen und Lehrer, die motivieren, jedes Kind zu seinem Besten führen wollen und dabei immer denken, dass sie auch mal jung gewesen sind oder Kind in der Schule.

05. Mai 2022

Heute bin ich auf der Landesdirektorenkonferenz. Es ist das wichtigste Treffen im Jahr. Alle Schulleiterinnen und Schulleiter aller rheinland-pfälzischen Gesamtschule und Gymnasien treffen sich für zwei Tage in Ludwigshafen. Diese Veranstaltung gibt es schon sehr lange. Es gibt dabei gewisse Traditionen, die ein wenig lustig sind. Und meines Erachtens mal überdacht werden sollten. Da ich aber nicht verantwortlich bin, sondern nur konsumierender Teilnehmer, muss ich mich mit dieser Frage auch nicht beschäftigen. Inhaltlich ging es am Vormittag in einem Vortrag um Inklusion und ich muss es einfach schreiben, wie ich es erlebt habe, der Referent hat keine Ahnung von Inklusion. Bei einem Aufsatz in der Schule würde man darunter schreiben: Thema verfehlt. Ich gebe zu, eine harte Formulierung, aber im Publikum saßen Schulleiterinnen und Schulleiter von Gymnasien, die keine Inklusion betreiben müssen oder betreiben. Und da saßen Lehrerinnen und Lehrer der Integrierten Gesamtschulen, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigen und ja, auch herumplagen. Die Idee viel mehr Geld und Ressourcen in die Inklusion zu stecken, ist keine schlechte. Aber zurück zum Vortrag, es ist schade, nicht die Gelegenheit ergriffen zu haben die Erfahrungen der Praktiker im Publikum zu nutzen. So manch einer hätte eine fundiertere Grundlage für eine sinnvolle Diskussion liefern können als dieser Referent. Wenn es nach einem Referat keine Fragen gibt, sagt das doch alles. Und Diskurs lebt von Auseinandersetzung, vom Ringen um den guten Weg, auf den man sich am Ende einigt. Von Diskurs und Auseinandersetzung war aber keine Rede.

04. Mai 2022

Wir haben fünf ukrainische Kinder in der Schule aufgenommen, Irgendwie werden es aber nicht mehr. Auch bei den Kollegen bei den anderen Schulen kommen nicht viel mehr Kinder pro Schule an. Insgesamt sind dann wohl nicht viele junge Menschen bei uns in Landau. Man hört, wie ukrainische Familien wieder zurückkehren, weil sie unbedingt in ihre Heimat gehen wollen. Ich glaube und hoffe, dass es unseren fünf Kindern gut geht. Eine der fünf spricht herausragend gut Englisch und läuft mir jeden Tag freudestrahlend und glücklich entgegen. Sie ist topmotiviert und saugt alles auf, wie ein Schwamm. Sie geht in eine höhere Klasse und kommt dort aber richtig gut mit. Heute Morgen kam sie mir entgegen und berichtete in einem kleinen Orchester in der Schule zu sein. Der Lehrer habe sie angesprochen und ihr versprochen, sie auch in solistischen Teilen einzusetzen. Schließlich beherrschte sie ihr Instrument genauso gut wie die englische Sprache. Ja, mein Winter hat gleich erkannt, welch begabtes Talent ihm hier gegenüber sitzt. Ich bin sehr gespannt auf das erste Konzert.

03. Mai 2022

Wir planen zur Zeit zwei Studientage. Bei dem ersten geht es um Kompetenzen im 21. Jahrhundert und beim zweiten geht es um digitalgestütztes Lernen. Wir haben sehr lange keine Studientage mehr gemacht, sie wissen schon warum. Wir freuen uns sehr, dass alle Kolleginnen und Kollegen daran beteiligt sind. Diese Fortbildungsform ist neben der individuellen Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen eine sehr effiziente. Schließlich erarbeiten alle ein neues Konzept, einen neuen Baustein oder einen gedanklichen Sprung. Und jeder und jede weiß, woran sie oder er ist. Gerade am ersten Studientag werden wir eine profunde Unterstützung durch Rolf Gollob aus der Schweiz haben. Am 17.05.2022 wird er mit dem Zügli aus Zürich kommen, um am 18.05.2022 mit uns allen zu arbeiten. Das Programm ist sehr vielversprechend und als Schulleiter hoffe ich am Ende des Tages ein kleines Stück gegangen zu sein. Lebenslanges Lernen, das habe ich in dem Tagebuch schon sehr häufig geschrieben, ist so wichtig. Lernen bildet und Bildung schafft Demokratie. Dies ist die zentrale Verpflichtung und die Richtschnur unseres Tuns in der Schule und in der Gesellschaft. Wir sind kostbar, unsere Erde ist kostbar, unsere Zukunft auch. Wir müssen uns für die Zukunft wappnen.

02. Mai 2022

Heute Morgen hatten wir wieder eine Montagmorgenbegrüßung in der Turnhalle. Die erste Montagmorgenbegrüßung nach den Osterferien in Präsenz. Was für ein toller Morgenanfang. Eine unfassbare hohe Aufmerksamkeit, viele Kinder, die sich richtig freuten und glücklich waren. Es gab viel zu erzählen und die Kinder hörten sehr aufmerksam zu. Sie erfreuten sich an den vielen Menschen. Ja, es gab Kinder und Erwachsene, die es irgendwie nicht aushielten und die Halle wieder verließen. So ist es eben, nicht jeder von uns kommt mit der neuen Situation zurecht und ich finde, alles muss erlaubt sein, auch sich Zeit zu nehmen und erst wieder langsam sich an große Gruppen zu gewöhnen. Besonders herausragend war die Loberunde, in der vor allem unsere jüngeren Schülerinnen und Schüler ihre Freundinnen oder ihre Klassenlehrer als die besten Menschen überhaupt lobten. Es ist so wichtig wieder in großen Gruppen ein soziales Miteinander herzustellen. Wenn so die Woche beginnt, ist das ein großes Geschenk.

Tagebucheinträge April 2022

28. April 2022

Heute war der Boys´und Girls´day. Und wieder haben viele Kinder eine gute Erfahrung gemacht. Wenn ich Lehrer einer Klasse bin, nutze ich in den darauffolgenden Stunden die Gelegenheit mit meinen Kindern Beziehungspflege zu betreiben. Und das geht eigentlich ganz einfach. Ich muss mich nur interessiert zeigen sie zu fragen, wie es ihnen beim Boys´und Girls´day ergangen ist. Ob sie einen interessanten Praktikumsplatz hatten, eine gute Erfahrung machen konnten, nette Menschen kennengelernt haben und vielleicht sogar eine Perspektive erhalten haben. Festzuhalten bleibt, dass es doch viele Schülerinnen gibt, die quasi auf den letzten Drücker einen Platz bekommen haben. Hier würde man sich wünschen, dass Schülerinnen und Schüler früher beginnen und rechtzeitiger einen Platz für einen Tag fest gebucht haben. Wir Lehrerinnen und Lehrer nutzten die Zeit, bereiteten miteinander den Unterricht vor und machten im ganzen Schulhaus klar Schiff. Es ist schon verrückt, wie viel Kram sich in den Materialräumen der einzelnen Fächer gefunden hat. Das Jäger-und-Sammler-Syndrom führt zur Vermüllung. Heute haben wir entmüllt. Und es tut so gut.

27. April 2022

Klaus Zierer ist Ordinarius an der Universität in Augsburg und Professor. Er hat in „Der Zeit“ einen Artikel veröffentlicht, in der es um die Renaissance der Lektüre geht. Er ruft Schulen und Hochschulen dazu auf tatsächlich wieder ganze Bücher zu lesen und fürwahr ist das auch mein großes Anliegen seit vielen Jahren. Ich habe ihn heute Morgen angerufen und ihn zuallererst gefragt, ob das nicht altbackene Vorstellungen von Männern jenseits der 60 seien und er belegte mir, dass dahinter harte, wissenschaftliche Fakten lägen. Ich kann in der Schule beobachten, wie wenig und ungern viele unserer Schülerinnen und Schüler lesen. Tatsächlich schauen sie viel lieber Filme und begeben sich ganz als Konsument ins Reich der Fantasie. Richtig, wenn ich ein Buch lese, konsumiere ich auch, aber es ist weitaus anstrengender ein Buch zu lesen, als auf dem Sofa sitzend einen Film anzuschauen. Ich bin sehr dafür viel mehr Lektüre in die Schule zu bringen. Dafür müssen wir aber auch Stoff streichen und nicht erwarten wirklich alles machen zu können, was in irgendwelchen Lehrplänen steht. Es wäre wahrlich ein wichtiges Schulentwicklungsthema als Schulgemeinschaft zu überlegen, wie wir das Lesen attraktiv machen können und wie wir Schülerinnen und Schüler von der Wichtigkeit überzeugen können. Wenn Sie eine Idee haben, dann schreiben Sie mir.

26. April 2022

Schulen sind Systeme. Sie funktionieren, wenn die einzelnen Teile miteinander kooperieren und ein System prägen. Menschen leben auch in Systemen. Mit ihrer Familie, mit ihrer Frau, mit ihren Kindern, der Verwandtschaft und Freunden. Als Bürger des Staates leben wir im System Staat. Wenn ein Teil eines Systems erkrankt, hat das Auswirkungen auf die anderen Teile. Möglicherweise gerät das System in Schieflage, manchmal erholen sich Systeme nicht und man trennt sich beispielsweise. Das System Schule ist ein interessantes. Schulen ist es zu eigen, dass Lehrerinnen und Lehrer zusammen entweder eine gute oder eine weniger gute Schule machen. Gute Schulen profitieren vom Engagement, von der Beteiligung aller. Dazu gehört es nicht immer auf die Stunde zu schauen, Spitz auf Knopf, das ist ein Problem. In eriner Schule funktioniert die Stechuhr nicht, manchmal ist man eigentlich viel früher fertig, als man gedacht hat. Manchmal dauert es länger. Wenn Lehrerinnen und Lehrer nur ihre Unterrichtsstunden ableisten und darüber hinaus für jegliche sogenannte Mehrarbeit einen Ausgleich erwarten, können wir unsere Schulen zumachen. Ich bin so froh an einer Schule arbeiten zu dürfen, an der ganz viele Kolleginnen und Kollegen eben nicht auf die Stunde schauen und sich richtig reinhängen. Wenn man dann das Ergebnis betrachtet, freut man sich.

25. April 2022

Ich habe einen Brief geschrieben, der für Diskussionen gesorgt hat. Und je länger ich darüber nachdenke, um so mehr freue ich mich diesen Brief verfasst zu haben. Ich plädiere in diesem Brief dafür das Handy aus der Schule zu entfernen. Gestern erzählte der Referent einer Fortbildung, die ich digital besuchte, von der sogenannten Aufmerksamkeitsspanne. Man habe herausgefunden, dass Studierende sich im Schnitt ca. 15 Minuten konzentrieren könnten und sich dann gedanklich mit etwas anderem beschäftigten. Wohlgemerkt Studierende. Was dies für die wahrlich jüngeren Schülerinnen und Schüler bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen. Und egal wie es ist, wenn das Handy, das Tor zu Welt, während des Unterrichts oder auch während der Hausaufgaben direkt in Reichweite liegt, werden unsere Kinder, aber auch viele von uns Erwachsenen, wenn sich das Tor zur Welt mit einer Vibration oder einem Summton meldet, sich ablenken lassen. Wir haben die Pflicht als Lehrer und Eltern unsere Kinder zu schützen. Dazu gehört auch ein selbst auferlegtes Handyverbot an Schulen.

 

07. April 2022

Heute fehlen in unserer Schule 25 Lehrer. Nicht alle haben Corona, einige schon, aber es gibt auch noch ganz andere Krankheiten, die einem speziell in dieser Jahreszeit bei diesem Wetter ereilen können. Ich habe gestern zwei 5. Klassen gleichzeitig in Vertretung gehabt, weil einfach überall Lehrer gefehlt haben und ich habe beide Gruppen einen Brief an mich schreiben lassen, in dem sie mir mitteilen sollen, was sie von meinem Brief halten, den ich vor ein paar Tagen an alle in der Schule geschrieben habe. In diesem Brief ging es darum zu erklären, warum ich es für richtig halte das Privathandy in der Schule auf Flugmodus zu stellen und erst wieder zu benutzen, wenn ich die Schule verlassen habe. Dies führte zu Verwirrung und Verzweiflung aller Orten. Ich fragte in diesen beiden Vertretungsstunden die Kinder nach ihrer Meinung. Wir lasen gemeinsam meinen Brief an sie und sie schrieben mir eine Antwort. Und was sie mir so schrieben, davon dürfen sie jetzt natürlich ohne Namen auch ein wenig lesen:

„Ich finde es ein bisschen traurig, dass sie das Handy in der Schule abschaffen möchten, weil ich mal gehört habe, dass man ab der 6. Klasse ja den Handyführerschein machen kann. Ich bin in der 5. Klasse und ich möchte den Handyführerschein machen.“

„Ich finde ihre Idee gut Herr Haug, manche Schüler laufen nur durch die Flure und begutachten ihr Handy, sie machen Videos von anderen und das ist nicht so toll.“

„Bei jedem Schüler sehe ich ein Handy in der Hand, manche Schüler haben mich angestoßen, weil sie auf ihr Handy geguckt haben und mich nicht gesehen haben. Und dann sagten sie auch noch, dass ich im Weg stehe. Es gibt auch heute aus der 5…, die in der Pause am Handy sind. Ich habe ihm gesagt, er soll das Handy weglegen. Und er sagte, dass ich mich verpissen soll.“

„Ein Mädchen hat mir gesagt, dass zwei andere Mädchen auf der Toilette Musik hören und Fotos machen. Das finde ich doof.“

Wir werden sehen, wie die Diskussion um das Thema Handy in der Schule weitergeht und zu welchem Ergebnis es führen wird.

 

 06. April 2022

Und heute folgt der nächste Donnerschlag. In einem lapidaren Brief erklärt man uns das Ende von Teams. Die Verlängerung der Erlaubnis durch den Datenschutzbeauftragten des Landes wird nicht mehr erteilt. Im Sommer schon soll Teams verboten sein. Für alle, die nicht wissen um was es geht, sei erklärt, dass Teams eine Videoapp aus dem Hause Microsoft ist und zu einem riesigen Programm mit dem Titel Office365.de gehört. In Office365 kannst Du einen Kalender führen, Dateien ablegen, Gruppen bilden, ein Adressbuch anlegen und wirklich vernetzt arbeiten. Es gibt für unsere Belange kein besseres Programm. Mit anderen Programmen zu arbeiten ist für uns der Weg zurück in die Steinzeit. Der Schulcampus Rheinland-Pfalz ist die Lösung dieses Landes. Wenn man das mit einem Autovergleich versuchen würde zu erklären, würde man sagen Office365 ist ein 500er Mercedes, der Schulcampus ein Tretroller. Das ist nicht befriedigend. Ich glaube der Landesdatenschutzbeauftragte möchte etwas für unsere Gesundheit tun. Was ist das für eine bescheuerte Idee? Wir haben echt genug zu tun in unseren Schulen, alle relevanten Firmen arbeiten mit Office365 und die Schulen sollen es verboten bekommen. Was für eine weltfremde Idee.

 

05. April 2022

Dieser Tag wird mir nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen. Leider mit einer gar unglaublichen, aber doch wahren Geschichte. Geladen in den Ratssaal zu Landau ging es um ein Gespräch über die Errichtung einer sogenannten Notunterkunft für geflüchtete Menschen. Die anwesenden Herren erklärten, dass nach einer reiflichen Sondierung es keine andere Möglichkeit gegeben habe einen anderen Ort als unsere Turnhalle für die Aufnahme von geflüchteten Menschen vorzusehen. Was dies für meine fast 1000 Schüler bedeutet, interessiert die Herren weitgehend nicht. Sie gehen auf keine meiner Argumente ein und erläutern in ständigen Wiederholungsschleifen ihre Version der Geschichte. Ich schildere ihnen, was für ein Kind ein Schulanfang bedeuten würde, bei dem es vor Eintritt in die Schule vor einer verschlossenen Tür steht hinter der ein bewaffneter Mann sie um Einlass bittet, wenn sie einen Berechtigungsschein dazu hat. Was fühlt dieses Kind in diesem Augenblick? Keine Reaktion von Seiten der Verwaltung. Als ich sie frage, was es bedeuten würde 400 Menschen in die Turnhallen zu legen, erfolgt auch keine Reaktion. Es halte es für überhaupt nicht wahrscheinlich, dass tatsächlich eine eingehende Sondierung stattgefunden hat. Klar, haben wir nicht ein großes Füllhorn an Wohnungen, aber dennoch und davon bin ich wirklich überzeugt, eine ganze Menge Möglichkeiten, über die nicht so intensiv nachgedacht wurde. Irgendwann kam dann von Seiten der Verwaltung die Idee auf, dass der Schulleiter möglicherweise gar nicht wirklich so helfen wolle und den Ernst der Lage nicht erkannt habe. Nach dieser unhaltbaren Mutmaßung gab es für mich nur eins, ich musste raus aus diesem Saal, weg von diesen Menschen und mich beruhigen. Wie gesagt, 1000 Schülerinnen und Schüler, 90 Lehrerinnen und Lehrer sind hier offenbar keine relevante Gruppe. Ich werde auch weiterhin dafür kämpfen unsere Turnhalle als Unterbringungsmöglichkeit für geflüchtete Menschen zu verhindern. Die Verwaltung weiß und kennt diese Orte, sie muss nur wollen.

 

04. April 2022

Was für ein toller Samstag! Als ich zuhause erwachte und früh am morgen die Nachbardächer sehen konnte, traf mich fast der Schlag. Schnee, tatsächlich hatte es in der vergangenen Nacht in der Südpfalz geschneit, im April. Jetzt habe ich den Salat, dachte ich. Du kannst doch bei diesem Wetter nicht arbeiten und 107 Menschen auf dem Schulhof beschäftigen. Auch das Trinken einer Tasse Kaffee brachte keine Erleuchtung. Was tun? Gemeinsam mit meiner Frau fuhr ich zum Metzger, um die vorbestellten 150 Brötchen abzusagen. Der lief mir freudig entgegen und zeigte mir stolz das Ergebnis seiner morgendlichen Arbeit. Fleißig, wie er ist, waren die 150 Brötchen bereits vorbereitet. Absagen war also nicht. Einladen, in die Schule fahren, auspacken und dann der erste Gedanke, warten auf den ersten Arbeitswilligen und frühstücken. Irgendwie war das ein schöner Tagesbeginn. Noch nichts gearbeitet, aber schon ein gutes Wurstbrötchen mit einer Tasse Kaffee versenkt. Es kamen zwar nicht 107 Menschen, aber doch viel mehr als gedacht. Und wir beschlossen den wichtigsten Teil unserer Aufgaben zu erledigen und das ehemalige Brombeergelände mit einer dicken Schicht Hackschnitzel zu bedecken. 2 1/2 Stunden später gingen alle wieder ins Haus und versorgten sich mit einem zweiten Frühstück. Schön war es und ich bin sehr froh nicht abgesagt zu haben.

 

01. April 2022

Es ist kalt. Heute am 01. April ist der Winter so richtig zurückgekehrt, morgen ist Schulhofaktion und ich überlege die ganze Zeit, ob sie überhaupt stattfinden kann. Ich beschließe zu warten und morgen sehr kurzfristig zu entscheiden. Ich freue mich eigentlich sehr mit 107 Menschen draußen im Freien zu arbeiten und am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat. So oft gehe ich aus dem Schulhaus und weiß, dass ich noch viel Arbeit habe liegen lassen. Zufrieden macht das nicht immer und gerade deshalb weigere ich mich die Schulhofaktion abzusagen. Wir wollen vor allem ein großes Gelände zu den Nachbarn liegend hübsch machen. Dort hat Herr Hautz von der gleichnamigen Firma bei der letzten Schulhofaktion vorbehandelt, als er mit einer großen Fräse die grausamen Brombeeräste zermahlen hat. Hackschnitzel drüber und gut ist. Doch ich erwarte in ganz kurzer Zeit die neue Generation von Brombeeren. Diese werden wir noch eine ganze Zeit lang bekämpfen müssen.

 

 

 

Tagebucheinträge März 2022

  1. März 2022

Heute Morgen hatten wir Gelegenheit mit Thomas Hitschler, dem Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, zu sprechen. Es war ein sehr beeindruckendes Gespräch, weil die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte einen persönlichen Eindruck erhielten, was es bedeutet dieses Amt auszuüben. Herr Hitschler sprach über sich, er machte am Eduard-Spranger-Gymnasium Abitur und war auch bei der Stadt Landau angestellt. Er kam am 08.12.2021 in sein Amt, trat quasi in Friedenszeiten seinen Dienst an und zwei Monate später war alles vorbei. Gestern noch war er in Norwegen und sprach mit seinen dortigen Kollegen. Heute Morgen, als wir zusammen waren, befand er sich in Hainfeld, wo er privat wohnt, um 09.20 Uhr würde er sich schon wieder auf den Weg nach Idar-Oberstein und Berlin machen. Er kann sich an keinen freien Tag in den letzten Wochen erinnern und berichtet dann über den Krieg in der Ukraine. Es gibt zwei Dinge, die er voranstellt, die ihn überraschen. Das eine ist wie überraschend schlecht die russische Armee tatsächlich auf diesen Krieg vorbereitet ist und wie auf der anderen Seite die Ukraine sich überaus klug verteidigt. So hat die ukrainische Armee derzeit erreicht, dass die Russen sich aus der Nähe von Kiew zurückziehen und eben nicht weiter vormaschieren.  Er erklärt uns, dass der Krieg langfristige Auswirkungen auf uns in Europa haben wird. Wie das Europa der Zukunft aussehen wird, weiß man derzeit noch nicht. 300.000 Geflüchtete sind in Deutschland angekommen, in Polen spricht man von 2 Millionen. Er bewegt sich ja jetzt auf der Ebene, wo die Entscheidungen, auch die militärischen, entschieden werden und muss selbst ganz viel auch entscheiden. Und er ist davon überzeugt, dass in der EU und in Deutschland Entscheidungen aus reiflicher Überlegung und mit einer sehr gut funktionierenden Verwaltung getroffen werden. Dann beantwortet er viele Fragen, die aus den Klassen gestellt werden. Er glaubt nicht, dass es zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht kommen wird, das würde die Bundeswehr auf Jahre lahmlegen, weil sie damit beschäftigt wäre Strukturen zu schaffen, die eine Ausbildung von Wehrpflichtigen möglich macht. Er ist sehr zufrieden mit der deutschen Außenpolitik und lobt in diesem Fall auch seine eigene Chefin und die Außenministerin Annalena Baerbock. Er sagt, wie furchtbar er es findet, wie mit Frau Baerbock umgegangen worden sei. Und er zeigt großen Respekt vor jenen Frauen, die in seinem Leben bisher begleitet haben. Ob es jetzt Frau Baerbock oder seine jetzige Vorgesetzte (Verteidigungsministerin Christine Lambrecht) ist oder früher in der Stadt Landau Frau Baumstark. Drei Frauen, die Hervorragendes in ihrem Amt leisten und leider immer wieder auf das Frausein reduziert werden. Russland habe sich verkalkuliert, sagt er. In der Sprache des Militärs wollten sie mit einem Skalpell einen chirurgischen Eingriff in der Ukraine machen, dies hat nicht geklappt. Jetzt packten sie quasi den „Hammer“ aus. Konventionelle Kriegsführung und es ist wirklich wahr, ganz viele der jungen Soldaten wurde vorgespiegelt in eine Übung zu kommen, bis sie merkten, dass sie sich im Krieg befanden, da war es schon zu spät. Und dann erzählt er noch sehr eindrücklich von der Nacht vom 23.02.2022 auf den 24.02.2022. Nachts um 03.00 Uhr klingelte sein Telefon, welches ein Geheimtelefon ist, und er kam ins Nato-Hauptquartier, wo die Menschen, wie in einem Bienkorb, hin- und hersummten. Er war fasziniert davon, dass eigentlich alles superorganisiert ablief. Auch das Verhältnis Russland zu China spricht er an und sagt, dass Beendigung des Krieges Russland sich auf der Suche nach Geld ganz sicher sich wieder an China wenden wird und dann die Abhängigkeit noch größer würde. Ich erfuhr Herrn Hitschler als einen sehr überlegten und informierten Politiker, der klar sagt, was er denkt. Seine Heimat, die Südpfalz, liebt und weiß, welch hohe Verantwortung er trägt. Sein Angebot uns bald wieder, aber diesmal wirklich in physischer Präsenz, zu sehen, werden wir selbstverständlich in die Tat umsetzen. Danke an meinen Kollegen Andreas Gerdon, der dieses Gespräch initiiert hat.

 

  1. März 2022

Heute schreibe ich über ein schwieriges Thema, weil es um Menschen geht, die aus der Ukraine flüchten. Ich möchte zuerst sagen, dass wir in unserer Schule Schülerinnen und Schüler aufnehmen und auch ein eigenes „Café Asyl“ andenken, einen Ort, an dem Menschen Informationen bekommen und sich mit anderen austauschen können. Wir haben auch schon Schüler aus der Ukraine. Die Stadt Landau plant nun unsere Turnhalle, im äußersten Notfall, als Notunterkunft zur Verfügung zu stellen. Dagegen setze ich mich entschieden ein. Meine Schülerinnen und Schüler haben jetzt zwei Jahre keinen regulären Sportunterricht, zumindest mit Unterbrechung und unter erschwerten Bedingungen. Sport spielt in unserer Schule eine große Rolle. Und wieder ginge das nicht. Wir sind eine Ganztagsschule, Kinder, die am Nachmittag nach einem langen Schultag immer noch da sind, müssen sich bewegen, unser Multifunktionsfeld und unsere Sporthalle sind täglich besetzt. Es gibt noch eine ganze Reihe von Fragen, die wir gestellt haben und ganz besonders ärgert mich, dass man das Gespräch nicht mit uns gesucht hat, sondern dass man erst alles beschlossen hat, um dann den Beschluss zu verkünden. In meiner Schule bin ich so etwas nicht gewöhnt und es gebietet eigentlich allein der Anstand mit den Betroffenen erst einmal zu sprechen. Gestern rief mich die Presse an und ich zögerte wirklich etwas zu sagen, weil ich genau weiß, wie Menschen das auslegen könnten. „Der Haug hat etwas dagegen Flüchtlinge aufzunehmen!“ Genau darum geht es nicht. Ich trug auch meine großen Bedenken vor, einen Hallenteil für möglicherweise coronainfizierte Menschen zur Verfügung zu stellen. Ich lade alle politisch Verantwortlichen ein, bei Außentemperaturen von 30 Grad und mehr, ohne sich zu bewegen, sich in der vorgesehenen Halle 90 Minuten aufzuhalten. Wenn sie dann immer noch meinen eine gute Idee gehabt zu haben, weiß ich auch keinen Rat.

 

  1. März 2022

Heute darf ich einen Brief einer Mutter veröffentlichen, den sie mir geschickt hat anlässlich des Abitures ihrer Tochter:

Lieber Ralf,

zum Ende der Schulzeit unserer Tochter Marie, möchte ich mich bei Dir und dem
außerordentlich engagierten Kollegium herzlich bedanken.

Danke Ralf, für unzählige Montagmorgen-Begrüßungen, für Deine Leidenschaft, klaren Worte und
eindeutigen Positionierungen, für Tagebucheinträge, persönliche Aufmunterungen
der Schüler*innen während der Abi-Phase und Zuspruch beim allerersten
Aufnahmegespräch, Deine Geduld in Telefonaten und viele Interviews, sogar
überregional im Deutschlandfunk. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen…

In den ersten Jahren von Frau Blank und Herrn Becker begleitet, durften wir von deren
herzlicher und beharrlicher Art profitieren. So nahmen Sie sich u.a. in den
Entwicklungsgesprächen viel Zeit. Wir verließen diese motiviert und glücklich.
Gezielt den Blick auf die Ressourcen und Stärken gerichtet, diese Perspektive
ließ unsere Familie noch mehr (zusammen) wachsen. Danke Herrn Becker, für
„Hero“, von Family oft the Year.

Danke allen Mathematiklehrer*innen, vor allem Ihnen, Frau Schlosser. Ihr Auto stand
„gefühlt“ rund um die Uhr auf dem Parkplatz der IGS. Danke, dass Sie so
konsequent und kompetent „drangeblieben“ sind. Sie geben nie auf!

Danke Ihnen, Herr Gauweiler, für Ihren täglich unschlagbaren Humor, direkte Sprache und den
persönlichen Einsatz Ihrer Gitarre und das Singen legendärer Lagerfeuersongs.
Für das Abi waren „Ihre“ Kids gut aufgestellt.

Danke Ihnen, Herr Möwald, für informative Elternabende bzgl. MSS, das Beantworten nie enden
wollender Fragen bzgl. Abi und die motivierende Weihnachtskarte, die alle
Schüler*innen erhielten.

Danke für London und Finnland… Führen Sie bitte, so bald als möglich, die
Herausforderungen fort, sie waren die Highlights der gesamten neun Jahre und
ermöglichten persönliche Reife und vieles mehr.

Die Schulfeste waren besonders berührend. So viele verschiedene Nationalitäten,
dementsprechend abwechslungsreich das „Programm“ und das Buffet . So bunt und lebendig, wir haben uns
immer wohl gefühlt, auch weil das Gelände in diesen Jahren dank des Einsatzes
vieler helfender Hände zusehends grüner, abwechslungsreicher, schöner und
einladender wurde.

Danke Ihnen, Frau Wischnefski, für liebevoll zubereitete kreative Gerichte zur Mittagszeit
und die herzliche Essensausgabe. Danke an alle Kolleginnen im Sekretariat. Sie
sind echte Heldinnen des Alltags und waren IMMER freundlich und sehr
professionell.

Danke Ihnen, Herr Zauker und Herr Kouruma. Bei Ihnen wurde es nie langweilig und Spaß machte
der Sportunterricht auch noch.

Lieber Herr Rendes, Sie sind ein wirklich herausragender Pädagoge! Wer schafft es
schon, die jungen Leute so zu packen und zu begeistern, dass diese
freiwillig und motiviert länger bleiben als sie müssten? Danke auch für Ihre
kreativen Quizfragen.

Danke Ihnen, Frau Kirsch und Frau Wagner, mir fehlen die Worte. Von Ihnen hat unser Kind
regelmäßig in den höchsten Tönen anschaulich berichtet und förmlich geschwärmt.

Danke Ihnen, Frau Kruck, Ihre Talente kann man gar nicht alle aufzählen. Ihr Elan, Ihre
Stärke und Ausdauer sind sehr beeindruckend. Behalten Sie sich Ihre
Leidenschaft bei und bleiben Sie gesund!

Besonderen Dank für die Haltung und Philosophie dieser Schule und den dort Lehrenden!!!

Ich hoffe, dass unsere Tochter auf ihrem weiteren Lebensweg ähnlich positive Erfahrungen
machen wird. Erfahrungen, die ohne Liebe zum Beruf, Respekt und echter
Anteilnahme nicht möglich gewesen wären.

Um es mit den Worten von Romano Guardini zu sagen: “Die Liebe schafft den Raum, wo der
Andere er selbst sein kann.“

Mit
herzlichen Grüßen!

  1. März 2022

Ich bin immer noch müde und erfüllt vom vergangenen Freitagabend, als wir 76 Schülerinnen und Schüler das Abitur verliehen haben. In einer sehr würdevollen Veranstaltung haben wir in einem ersten Teil Zeugnisse ausgegeben, Menschen gelobt und unterschiedliche Reden gehalten, bei denen auch die Lage in der Welt eine bedeutende Rolle spielte. Der Bürgermeister stattete uns einen Besuch ab und lobte Schule und Schüler und gratulierte zum bestandenen Abitur. Beeindruckt hat mich vor allem auch die Rede von zwei Schülerinnen, die sich über das Lernen in unserer Schule Gedanken gemacht haben. Was ihnen vor allem wichtig war, war die Atmosphäre, die in unserer Schule die prägende ist. Hier wird der einzelne Mensch ernst- und wahrgenommen. Hier unterrichten Lehrer nicht Fächer sondern Kinder, „Wäre ich doch schon viel früher auf ihre Schule gekommen, Herr Haug, sagte eine der Beiden.“ Ihr hatte man andernorts prognostiziert in Mathematik niemals auf die Beine zu kommen, bei uns schloss sie mit der besten aller Gesamtnoten ab. In meiner Rede musste ich zu zwei Themenkomplexen Bezug nehmen, zu Corona und zur Ukraine. Ich sagte den Jungs, wenn sie in der Ukraine lebten, würden wir nicht gemeinsam Abitur feiern, sondern gemeinsam in den Krieg ziehen. Unvorstellbar, finden Sie nicht, aber doch so nah. Ja, gerade in diesem Teil der Veranstaltung wurde mir, aber auch allen Gästen, schwer ums Herz. Bei der Zeugnisübergabe gestalteten SchülerInnen und LehrerInnen die Feier mit. Danach ging es ganz schnell zum gemütlichen Teil, ein schönes Essen, lustige Beiträge, Lieder und Spiele mit Lehrerinnen und Lehrern, am Ende das unvermeidliche Männerballett, das den Allermeisten sicher, wie jedes Jahr, als der Höhepunkt der Veranstaltung vorkommt, der Schreiber dieser Zeilen kann über so viel Blödsinn nur den Kopf schütteln. Eine tolle Veranstaltung. Schön, dass wir mit so vielen Menschen wieder gefeiert haben. Nächstes Jahr hoffentlich ohne Maske und ohne sonstige Einschränkungen.

 

  1. März 2022

Heute hatten wir wirklich hohen Besuch, unsere Bildungsministerin Frau Dr. Hubig war bei uns, um sich vor Ort anzuschauen, wie gut und erfolgreich Digitalisierung laufen kann. In den 90 Minuten, in denen sie für uns Zeit hatte, hatten wir ein Gespräch, an dem auch Schülerinnen und Schüler teilnahmen und denen sich die Ministerin einen kleinen Eindruck von uns und unserer Schule machen konnte. Sie zeigten sich sehr interessiert und war, glaube ich, sehr beeindruckt von der Tatsache, dass unsere Schülerinnen und Schüler eine wirkliche Bedeutung über den Unterricht hinaus in der Schule haben. Nicht Pseudomitstimmung, sondern wirklich Mitbestimmung. Ich finde an der Stelle es enorm wichtig zu betonen, wie notwendig wahre Mitbestimmung von Schülern in der Schule ist. Solche Schüler lassen sich nicht von Oben verdummen. Solche Schüler lernen für ihre Interessen einzutreten. Wenn das Frau Hubig mitgenommen hat, bin ich froh und dankbar. Wir besuchten dann den Unterricht einer 10. Klasse. Auch hier zeigte sie sich erstaunt, wie sehr und wie selbstverständlich alle Schülerinnen und Schüler mit ihren IPads ihren Unterrichtsalltag bestreiten. Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich an der Stellle wirklich eine ganze Menge getan. Aber auch was das für die Lehrkräfte bedeutet, wie sich die einzelnen auch fortbilden müssen und welche Kompetenzen alle zusätzlich erwerben. Schöne 90 Minuten mit einer sehr interessierten Ministerin und schon war sie verschwunden zum nächsten Termin.

 

  1. März 2022

Wir arbeiten seit einigen Jahren mit office365 und dem Videotool Teams. Noch immer schwebt wie ein Damoklesschwert über uns die Nachricht, dass der Datenschutz uns verbietet mit diesem amerikanischen Produkt in der Schule zu arbeiten. Es ist ja auch nicht einfach, die Amerikaner greifen unsere Daten ab und niemand weiß, was sie letztendlich damit machen. An der Stelle kann ich dem Datenschutz nur zustimmen. Auf der anderen Seite arbeiten wir mit Teams eigentlich mit einem Produkt, das perfekt auf unsere Belange Rücksicht nimmt. Ich kenne so viele Unternehmen, die 365 und Teams benutzen und vorher auch andere Produkte ausprobiert haben. Unsere Schüler werden, wenn sie in die freie Wildbahn entlassen werden, auch mit Teams an vielen Orten konfrontiert sein. Deshalb ist es eigentlich unsere Pflicht sie darauf vorzubereiten. Es muss der Politik gelingen einen Vertrag mit Microsoft zustande zu bringen, der datenschutzkonform ist. Auf geht´s Leute!

 

  1. März 2022

Heute gab es an unserer Schule ein großes Befreiungsfest. Blauer Himmel, die Sonne strahlte mit den Schülerinnen und Schülern und mit den Abiturientinnen und Abiturienten um die Wette. Ein Abistreich war angesagt, im Foyer stand ein Auto und ansonsten war die Schule voller Luftballons, Absperrbänder und ganz viel Tageszeitungen in zerknüllter Form. Unsere Abiturientinnen und Abiturienten hatten eine tolle Idee. Sie lobten einen Wettbewerb aus und versprachen derjenigen Klasse einen Preis, die in einer bestimmten Zeit Papiermüll einsammelt und entsorgt. Auf diese Art und Weise mussten sie nach dem Fest nicht selbst aufräumen und hatten noch ihren Spaß dabei. Nach diesem hoffnungsvollen Beginn ging es genauso spannend weiter. Die Lehrkräfte wurden in ein symbolisches Gefängnis gesperrt und durften nur wieder heraus, wenn sie sich an allerlei lustigen Aktionen beteiligen. Vom Karaoke-Singen bis zur Reise nach Jerusalem, vom Bobbycarrennen bis zu andern Spielen, wir hatten alle unseren Spaß. Kinder und Erwachsene lachten ohne Maske wieder miteinander oder sangen aus voller Kehle irgendwelche blödsinnigen Schlager. So einen Abistreich könnte es jede Woche geben.

 

  1. März 2022

Jetzt gerade werden wir fertig mit den mündlichen Prüfungen, zwei Prüfungen müssen wir verschieben, es ist nicht schwer zu erraten warum. Am Freitag vergeben wir die Zeugnisse, leider erhalten die beiden heute Fehlenden sie erst im April. Es ist schon außergewöhnlich zu sehen, wie sehr, wenn der Druck weicht, sich Schülerinnen und Schüler und auch ihre Lehrer freuen, wenn es gut ausgeht. Die Szenen, die sich dann bei Verkündung der Note abspielen, sind schon manchmal sehr berührend. Wenn das Adrenalin entweicht und die Erkenntnis da ist, dass ich es geschafft habe. Ich habe viele Prüfungen gesehen und wahrgenommen, wie intensiv sich vorbereitet wurde und mit wieviel Empathie meine Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler unterstützen. Liebe Sekretärinnen, lieber Oberstufenleiter, liebe Lehrkräfte, vielen lieben Dank für eure Arbeit. Ein besonderes Lob an unsere Küchenfeen, die uns mit Kartoffelsuppe und Dampfnudeln an den beiden Tagen so wunderbar versorgt haben.

 

  1. März 2022

Heute ist der erste von zwei Prüfungstagen zum Abitur. Wir alle sind sehr aufgeregt, mein Oberstufenleiter wuselt durch die Gegend und sorgt für einen reibungslosen Ablauf, perfekt hat er die Räume vorbereitet und gemeinsam mit dem Sekretariat die Formalien sehr professionell erledigt. Für ihn sind diese beiden Tage sicherlich die anstrengendsten im ganzen Jahr. Vor allem auch deshalb, weil er für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler vollen Einsatz zeigt. Zu „Möwi“, so heißt Kollege Möwald bei den Schülerinnen und Schülern, können sie jederzeit kommen. Wir haben schon einige Schülerinnen und Schüler, bei denen es  überhaupt nicht sicher ist, ob sie ein Abiturzeugnis erhalten. Am Ende des Tages werden es hoffentlich die allermeisten Kinder geschafft haben, ich werde berichten.

 

  1. März 2022

In der letzten Zeit war immer mal wieder eine Veröffentlichung von uns in der Presse. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht immer jedem gefällt. Warum der und nicht ich? Warum diese Schule und nicht unsere? Ich finde das schade. Schließlich berichtet die Presse über interessante Themen. wenn wir eben interessante Themen zu verkünden haben, beziehungsweise die Presse interessante Themen umsetzen möchte, ist das eigentlich ja voll in Ordnung. Aber da Landau ein Dorf ist und in einem Dorf jeder jeden kennt und Informationen, die man an einen anderen gibt, doch irgendwann wieder zurückkommen, hört man, dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die neidisch sind. Der Haug steht schon wieder in der Presse. Richtig, wenn die Presse entscheidet, dass es interessant ist, kann der Haug auch nichts machen. Cool fände ich es direkt angesprochen zu werden und nicht hintenrum.

 

  1. März 2022

Heute ist wieder einmal ein Tag, an dem es was Schönes zu berichten gibt. Ich besuche am Nachmittag das Frank Loebsche Haus, wo eine Kunstausstellung eröffnet wird. Der Scharfenbergerpreis wird vergeben. Die meisten Leser*innen des Tagebuches werden sich sicher nicht an den Namensgeber erinnern. Dieser unterhielt in Landau eine größere Immobilienfirma. Ich selbst bin ihm in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet, als wir gemeinsam bei den Bäckersängern, einem Landauer Männerchor Lieder von Schubert und Silcher geschmettert haben, ein feiner Mann. So heißt auf einer Seite, die im Netz zu finden ist:
„Der Architekt Karl Scharfenberger stiftete der Stadt Landau zu seinem 60. Geburtstag im Jahre 1986 einen Betrag in Höhe von 50.000,- DM. Diese Schenkung überreichte er anlässlich der beiden Betriebsjubiläen „25 Jahre Wohnungsbau“ sowie „30 Jahre Ingenieurbüro“ im Rahmen einer Feierstunde an den OB der Stadt, Herrn Dr. Christof Wolff. Dieser „Scharfenberger Kunstpreis“wird seit 1990 einmal im Jahr an Schüler aller Gymnasien und anderen Schulen in Landau verliehen. Die besten Arbeiten werden prämiert. Die Preisverleihung ist ein Ansporn für viele Schüler, die jedes Jahr wieder ihre Arbeiten einreichen. Die große Beteiligung der Schulen bestätigt dies Jahr für Jahr“.

Unsere Schüler*innen von drei 6. Klassen haben einen Preis gewonnen. Zusammen mit der Lehrerin kommt ein Vertreter der 6. Jahrgangstufe mit zur Preisverleihung am heutigen Nachmittag, ich freue mich drauf. Ach ja, danke Gwen für deinen Einsatz.

 

 

  1. März 2022

Heute Morgen erfuhr ich über meinen Schulaufsichtsbeamten vom Neustadter Runden Tisch und teilte diese Idee mit dem Leiter des Schulamtes und heute Abend darf ich verkünden beziehungsweise schreiben, dass die Schulleitungen aller Landauer Schulen am kommenden Montag einen Runden Tisch zum Thema: „Wie gehen wir mit den Geflüchteten aus der Ukraine um? Wie können wir in den Schulen helfen?“ Wir wollen an der Stelle vorbereitet sein. In unserer IGS haben wir bisher keine Anfrage gehabt, das kann aber nicht lange dauern. Es gibt schon ganz viel Ideen wie wir helfen können. Wir wollen auch organisieren, dass für die Kinder und Jugendliche jeweils eine Schule gefunden wird, die zu den Fähigkeiten des Kindes auch passt. Eine gemeinsame koordinierte Absprache ist an der Stelle das Beste, was wir machen können. Eine Maßnahme, die ich gerne umsetzen würde, ist ein wöchentliches Elterncafé, zudem die Mütter und Großmütter der Kinder, die unsere Schule dann besuchen, eingeladen werden. Bei Kaffee und Kuchen können Gespräche geführt und Behördengänge vorbereitet werden. Dieses werden wir zeitnah organisieren. Ich bin froh, dass der Leiter des Schulamtes so schnell reagiert. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, unsere Verdrängungsmaschine lässt uns ja den Krieg nicht weit von hier im Alltag immer wieder vergessen. Ich habe gestern Abend gemerkt, wie sehr mich das Ganze doch bewegt und betrifft. Als Trainer einer A-Jugend-Mannschaft hatten wir gestern Abend ein Pokalspiel. Es war ein Halbfinale und es waren viele Menschen da, bestimmt über 100 und ich war noch am Bälle sortieren, die Mannschaften standen einander gegenüber und hatten sich in den Arm genommen und der Schiedsrichter signalisierte durch einen Pfiff eine Schweigeminute. Und alle Zuschauerinnen und Zuschauer und die Spieler schwiegen eine Minute, für mich ein sehr ergreifender Moment, den ich nicht vergessen werde. Da stehen meine 18jährigen Jungs, umarmen sich und denken an die Menschen in der Ukraine und wissen in dem Moment sehr wohl, dass es auch sie betrifft, wenn es in dem Land Krieg gibt und dass die Gefahr auch für sie sehr real ist.

 

  1. März 2022

Ich habe ja schon öfters einen Leserbrief in der Rheinpfalz geschrieben. In der vergangenen Woche gab es einen faszinierenden Artikel, in denen einige Studierende der Uni Landau-Koblenz ihr Leid klagten. Es geht um Parkgebühren auf dem Parkplatz der Universität. Scarlett aus Rheinzabern beschwert sich, dass es unmöglich sei mit dem Zug nach Landau zu kommen beziehungsweise, dass sie viel zu lange brauchen würde. Jemand anderes beschwert sich, dass er aus Zweibrücken anreisen müsse und mit öffentlichen Verkehrsmitteln dies nicht bewältigen könne. Vielleicht bin ich ja „oldschool“. Aber ich frage mich dennoch, warum es nicht möglich ist an dem Ort zu wohnen, an dem ich studiere? Ich frage mich, warum man nicht mit dem Bus fahren kann, der direkt nach Landau fährt? Ich frage mich, mit welchem Geld Studierende, die kein eigenes Geld verdienen, ein Auto bezahlten? Ich frage mich, warum die überhaupt ein Auto brauchen. Nichts auf den Rippen, aber Krösus spielen. Übrigens gilt das nicht nur für Studierende, sondern auch für meine Schülerinnen und Schüler. Unsere beiden Parkplätze beherbergen meinem Eindruck nach mehr Fahrzeuge von Schülerinnen und Schülern als von Lehrkräften. Wir reden darüber, dass die Menschheit so nicht weitermachen kann und kaufen unseren Kindern Autos. Das passt für mich überhaupt nicht zusammen.

 

  1. März 2022

Ich habe einige Menschen um mich herum erschreckt. Ich setze mich seit vielen Jahren dafür ein die Ziffernnoten in der Orientierungsstufe abzuschaffen. Ich erhalte für diese Idee durchaus unterschiedliche Reaktionen. Nicht jede, nicht jeder ist erfreut. Ich denke, dass das an verschiedenen Dingen liegt. Ich möchte mit meiner Idee bei den Kindern auch einen anderen Blick auf das, was sie leisten, erreichen. Die Ziffernnote ist nicht wichtig und sagt schon gar nichts über Qualität aus. Was hat denn ein Mensch davon, wenn man ihn für seine Leistung im Fach Deutsch eine 3 gibt. Befriedigend nennt der Gesetzgeber dies. Was dies wirklich heißt, was das Kind wirklich kann, erfährt das Kind aus dieser Note überhaupt nicht. Aber ist es nicht unsere Pflicht das Kind dafür zu loben, was es kann. Und zwar sehr konkret? Ist es nicht ebenso unsere Pflicht dem Kind auch zu sagen, was es noch nicht kann und woran es noch arbeiten muss? Machen wir es uns mit einer schlichten Note nicht eigentlich viel zu leicht? Wie soll das KInd sich ändern, wenn es gar nicht weiß, was es ändern soll. Ja, wir alle sind es gewöhnt in der Schule eine Ziffernnote zu erhalten und wir haben unsere Kinder schon dahin erzogen nur dann etwas zu tun, wenn es eine Ziffernnote gibt. Ist das tatsächlich ein erstrebenswerter Zustand? Ich jedenfalls werde in den kommenden Wochen und Monaten und vielleicht auch Jahren mein Kollegium davon zu überzeugen, dass wir uns zumindest mal in den Klassen 5 und 6 auf einen anderen Weg machen. Falls Eltern dieses Tagebuch lesen, rufe ich sie dazu auf mich zu unterstützen.

 

  1. März 2022

Ich höre von einer Studie, in der festgestellt wurde, dass die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen Leseleistungen haben, die nicht zufriedenstellend sind. Schon oft habe ich mich in meinen Tagebucheinträgen damit beschäftigt. Richtig lesen und schreiben zu können ist der Schlüssel zu guter Bildung. Wir müssen in unseren Schulen alles unternehmen Schülerinnen und Schüler zu befähigen gut lesen zu können. Es kommt durchaus vor, dass Absolventen der Klassenstufe 10 eine Mittlere Reife erhalten, aber streng genommen schwierige Texte nicht erlesen können. Die haben funktioniert, vielleicht fleißig auswendig gelernt, wie gesagt, beim Lesen z. B. der ersten Seite der Tageszeitung kommen sie an ihre Grenzen. Das darf nicht sein, das können wir uns nicht leisten.

 

  1. März 2022

Es gibt Kinder, die bringen ein so großes Paket von Zuhause mit, dass auch wir ihnen nicht helfen können. Wir Lehrerinnen und Lehrer sitzen dann zusammen und planen und planen und überlegen, wie wir helfen können. Am Ende kommt dann nichts dabei raus. Wir tun die Kinder dann unendlich leid. Wir haben in unserem Staat eine ganze Reihe von Netzen eingebaut, Jugendamt, Psychologie, Kinderschutzbund, so viele Institutionen und Menschen, die Kindern in Not helfen. Doch manchmal muss ich mit ansehen, dass alle Hilfe nicht zum Ziel führt. Manchmal verlassen die Schüler unsere Schule, manchmal bleiben sie, erhalten aber keinen Schulabschluss. Schön ist das nicht.

 

  1. März 2022

Aus der Ukraine flüchten Frauen mit ihren Kindern. Bei uns hat sich noch niemand gemeldet und um Hilfe gefragt. Das kann aber nicht mehr lange dauern, wenn man die Bilder aus unseren großen Städten im Norden sieht. 2015 waren wir nicht darauf vorbereitet, alle versuchten an ihrem Platz ihr Bestes, um die damals zu uns kommenden Flüchtlinge zu versorgen. Die Schulleiterin der Nordringschule hat sich bei mir gemeldet, sie ist sehr wach und aktiv und möchte helfen. Wir natürlich auch, und auch die anderen Schulen in Landau werden helfen wollen. Das Schulamt hat sich gemeldet und bereitet die behördliche Unterstützung vor. Wir Schulen sollten uns treffen, um das Ganze in Landau gut zu koordinieren. Wo findet Sprachunterricht statt, kann man vielleicht Alterskohorten bilden? Wie läuft das in den Grundschulen und in den weiterführenden Schulen? Es ist zwingend nötig, dass wir uns bald treffen.

 

  1. März 2022

Heute Vormittag gönnte ich mir eine Fortbildung zu einem sehr interessanten Thema: Graphic Novel. Eine Graphic Novel ist eigentlich ein Comic. Comics sind meines Erachtens neben den Bilderbüchern für Kinder die interessantesten Formen von schriftsprachlichem Ausdruck. Zum Wort kommt das Bild dazu. Man kann in einer Graphic Novel so viel ausdrücken, in dem man geschickt auf einem einzelnen Bild schon eine Geschichte erzählt, sodass die Phantasie der Leserinnen und Leser sich dort austoben kann. Die Fortbildung hat mir viel gebracht, ich habe tolle Autoren kennengelernt zu inhaltsreichen Themen. Ich wusste gar nicht wie groß der Markt dieser Literaturform inzwischen ist. Ich habe mir in diesem Tagebuch schon öfters Gedanken darüber gemacht, wie wir es erreichen können, dass die Zahl der Leserinnen und Leser einfach steigt. Die Graphic Novel ist eine phantastische Möglichkeit. Wenn es gelingt Kinder und Jugendliche mit dieser Welt in Verbindung zu bringen, bekommen wir vielleicht das ein oder andere Kind gepackt. Ich habe mir gleich im Anschluss 14 neue Bücher bestellt, die ich, nachdem ich sie selbst gelesen habe, Kindern zur Verfügung stellen werde. Ich werde immer wieder den ein oder die andere zu mir rufen und versuchen zu motivieren mal eine Graphic Novel zu lesen. Vielleicht kann ich ja überzeugen.

 

  1. März 2022

Heute war der Start der Herausforderungen unserer Schule, ich Wahnsinniger mache auch eine Herausforderung. Ich will damit sagen, der Schulleiter fährt zu Beginn des Schuljahres 14 Tage mit den Schülern weg. Und kann sich überhaupt nicht um seine Schule kümmern. Ich gehe mit den Schülerinnen und Schülern in ein Bildungshaus im Pfälzerwald, wir studieren ein Theaterstück ein und spielen in den Grundschulen, aus denen die Schüler kommen. Die Teilnehmer sollen möglichst viel selbst organisieren. Da die Schülerinnen und Schüler aus zwei Jahrgangsstufen kommen, ging es schon zu Beginn darum sich ein wenig kennen zu lernen, sich quasi miteinander vertraut zu machen und auf seine eigenen Stärken zu besinnen. Als ich nach den eigenen Stärken fragte und jeder Schülerin und jedem Schüler auftrug sich seiner eigenen Stärken zu besinnen und mindestens 5 Stärken für sich aufzuzählen, kamen nur zwei Schülerinnen auf 5 Stärken. Die anderen brachten nicht so viel zustande. Na, so ist das eben, wer lobt sich schon selbst, wer lernt die Stärken von sich selbst zu sehen und zu benennen. In der Schule ist das nicht erlaubt, normalerweise. In der Schule benennen wir unsere Fehler. Wir streichen sie sogar noch mit roter Farbe an, aber Stärken. Ich kenne nicht alle Kinder, die mit mir fahren, aber ein paar schon. Als ich dann bei einigen Schülerin sagte, welche Stärken sie meiner Meinung nach hätten, war doch ein Leuchten in den Augen zu sehen. Ich hatte das Gefühl, dass die beiden Mädchen plötzlich vor mir aufrichteten und stolz waren. Ich habe eine richtig gute Gruppe, 12 Mädchen und ein Junge. Wir machten natürlich eine Liste, was beim nächsten Treffen so zu planen sein. Kurz vor Schluss fragte mich ein Kind, was wir eigentlich essen würden. Wir versorgen uns natürlich selbst und kochen auch selbst. Also fragte ich jeden Einzelnen, welche Mahlzeit sie oder er essen würde. Nach 3 Minuten Aufzählung musste ich so lachen, bei der Aufzählung der Gerichte kam in jedem das Wort Fleisch vor. Das wird kein Spaß für die Schülerinnen und Schüler meine ich natürlich. Zur Herausforderung gehört es 14 Tage kein Handy zu haben, wenn es jetzt noch 14 Tage kein Fleisch gibt, dann wird das richtig lustig. Ich werde berichten.

 

  1. März 2022

Heute waren drei Kinder einer 6. Klasse bei mir. Ihr Wunsch war es eine Durchsage zu machen für alle Schülerinnen und Schüler und um eine Schweigeminute für die Menschen in der Ukraine zu bitten. Ich sprach mit ihnen darüber, eines der Kinder hat russische Freunde. Und natürlich sind sie auch jetzt noch befreundet. Ich finde es ganz schrecklich, dass Russen, die hier in Deutschland leben, für das verantwortlich gemacht werden, was der Mensch im Kreml-Palast sich so alles ausdenkt. Sie können nichts dafür. Ich möchte nicht, dass man ihnen verbietet in unserer Demokratie ihre Sprache zu sprechen und dafür auch noch angefeindet zu werden. Genau das will doch dieser russische Herrscher. Wenn ich daran denke, dass ich für das, was ich gerade schreibe, in Russland 15 Jahre ins Gefängnis käme, kommt mir das kalte Grauen. Sie trugen mir dann ihre Texte vor und machten das richtig gut. Als ich sie fragte, ob sie bereit seien jetzt ans Mikrofon zu gehen, waren sie ganz arg aufgeregt. Das Mädchen, das bei der Probe richtig ausführlich gesprochen hatte, war so aufgeregt als sie mit ihrer Rede begann. Ich war bei ihr, versuchte sie zu beruhigen, aber sie war fast nicht in der Lage zu sprechen. Den beiden anderen Kindern ging es ähnlich, aber schließlich meisterten alle drei ihre Aufgabe. Sie erfuhren, dass ein ganzes Schulhaus schweigen kann und gleichzeitig an die Menschen in der Ukraine denkt. Für sie war diese Erfahrung aus vielerlei Gründen äußerst wichtig. Ich kann gar nicht sagen, was dabei am wichtigsten war, vielleicht doch, dass die drei Schüler eine Erfahrung machten, die sie selbst stärkt. Dazu ist Schule in der Hauptsache da, den einzelnen Menschen zu stärken.

 

  1. März 2022

Jedes Jahr um diese Zeit erhalten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 13 ihr Jahreszeugnis. Ja, genau so heißt es, schließlich endet in wenigen Tagen die Schulzeit mit dem Abitur. Während die anderen Schülerinnen und Schüler erst im Sommer ihr Jahreszeugnis erhalten, ist das in der 13. Klasse schon im März. Es gibt doch noch viele Schüler, die beim mündlichen Abitur Punkte sammeln müssen, um ihr Abitur erfolgreich abzulegen. Ich wünsche ihnen allen viel Glück und hoffe, dass sie ihr gestecktes Ziel erreichen. Auf der anderen Seite haben diese Schüler einiges erreicht. Alle haben bereits den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Das ist doch auch schon was. Nicht wahr? Was ich auch noch sagen möchte, ist eigentlich an meine Lehrerinnen und Lehrer gerichtet: Nehmen wir uns nicht so wichtig, das Abitur ist eine Fahrkarte, hoffentlich ins Glück. Wenn ich die Fahrkarte einmal verwendet habe, ist sie meistens schon entwertet und wird niemals wieder noch einmal benutzt. Wenn ich als Lehrer das weiß, kann ich mich eigentlich entspannt zurücklegen und zu mir sagen, ich habe alles gegeben, die Schüler haben es angenommen oder nicht. Ich mache quasi ein Angebot, die Kundin oder der Kunde können zugreifen.

 

  1. März 2022

Die Ferien sind vorbei, das Wetter ist schön, Corona spielt plötzlich nicht mehr die Hauptrolle, es ist Krieg in Europa. Keine zwei Flugstunden von hier entfernt marschiert das größte Land der Erde in die Ukraine ein, plötzlich ist unser Denken und Handeln ganz geprägt vom Eindruck der Bilder, die wir im Fernsehen sehen mussten. Jetzt haben die Schülerinnen und Schüler und ihr Eltern zwei Jahre Corona hinter sich gebracht und schon werden sie mit der nächsten Katastrophe konfrontiert. Wir sprechen mit unseren Kindern in den Klassen darüber, hören ihnen zu, erklären und spenden Trost. Mich beunruhigt die Situation sehr. Unsere Politiker versuchen ihr Bestes zu geben und schlafen wahrscheinlich so gut wie nicht. Die Menschen in der Ukraine hausen in U-Bahn-Schächten und rennen um ihr Leben. Und das alles, weil ein alter Mann die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt mit einer ungeheuren Brutalität sein Volk unterdrückt und belügt und genug Menschen findet für seine Interessen zu sterben. Der blaue Himmel, in den ich blicke, trügt, was sehnen wir uns zurück nach Zeiten, ohne Krieg, ohne Corona und ohne all das Leid.

Tagebucheinträge Februar 2022

18. Februar 2022

Gerade eben komme ich aus meinem Unterricht. Am letzten Schultag vor den Winterferien habe ich eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler im Fach Darstellendes Spiel gesehen. Die Hälfte der Gruppe fehlt, krank oder vom drohenden Sturm selbst entschuldigt. (Hier muss ich nochmals bemerken, dass ich es als ungeheuerlich erachte, dass von ministerieller Seite die Entscheidung darüber, ob Schulpflicht besteht an Eltern übertragen wurde. Kein Schulleiter würde unverantwortlich handeln, aber der gestrige Tag geht nicht als ein gelungener in die Geschichte ein). Aber jetzt zurück zu den Kindern. Wir hörten die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, die Hälfte der Kinder auf Matten, die anderen massierten ihre Partner durch und genossen die lange Einheit sehr. Es war wunderbar zu sehen wie liebevoll und behutsam die Kinder miteinander umgehen, wie sehr sie das Ganze genießen konnten. Wir sprachen darüber, was das Ganze mit Darstellendem Spiel zu tun hat und kamen auf ganz außergewöhnliche Ideen. Was für ein Glück für mich als Lehrer. Allen Leser*innen dieses Tagebuches ein gute Zeit, in zwei Wochen melde ich mich wieder.

 

17. Februar 2022

Während ich diese Zeilen diktiere, schaue ich in den blauen Himmel, der Olivenbaum des Nachbarhauses bewegt sich sanft im Wind und hätte ich auf die vielen Mails und Nachrichten, die mich gestern erreichten, so reagiert, wie es die Meisten von mir verlangten, würde ich heute nicht hier stehen und einen Tagebucheintrag diktieren. Das Ministerium verschickte gestern Nachmittag ein Schreiben, dessen Inhalt wieder einmal schneller bei den Menschen war, als bei uns selbst in der Schule. Wir sollten dieses Schreiben den Eltern weiterleiten. In dem Schreiben wird die Verantwortung auf die Schulleitungen der einzelnen Schulen übertragen, man könne den Eltern anheimstellen, ob sie ihr Kind am heutigen Donnerstag in die Schule schicken oder nicht. Ich zögerte mit der Antwort und verfolgte ein wenig die Wetternachrichten des Deutschen Wetterdienstes, der für den Süden von Rheinland-Pfalz zwar auch Windböen voraussagte, keinesfalls kam jedoch eine Prognose, die meines Erachtens einen Schulausfall gerechtfertigt hätte. Deshalb schrieb ich auch den Eltern, dass wir uns auf die Kinder freuten und wir Unterricht heute machen würden. Es gab meines Erachtens zu viele Kinder, die heute nicht in der Schule waren. Es hagelte Abmeldungen. Ich halte das für eine völlig überzogene Reaktion. Heutzutage schließen wir Schulen, wenn Sturm aufkommt, wenn Schnee liegt, bei Glatteis, bei Starkregen und im Sommer bei großer Hitze. Für mich ist das eindeutig ein Phänomen unserer Zeit und auch wenn es wie der Satz eines älteren Mannes klingt, vor 20 oder 30 Jahren wäre das nicht passiert. Wie erzählte mir heute ein verehrter Kollege: „Als ich ein Kind war und in der Nähe von Landau wohnte, kam morgens bei Schneefall der Bus nicht. Und dann sind wir einfach nach Landau gelaufen, ohne unsere Eltern zu fragen und ohne eine Trinkflasche“. Wir Erwachsenen, wir Eltern müssen uns schon fragen, was wir da eigentlich machen.

 

16. Februar 2022

Derzeit finden die Olympischen Spiele in einem Land statt, in dem mit Abstand die meisten Menschen hingerichtet werden. Die Staaten, die dann folgen, sind der Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und der Irak. Es ist so erschreckend, wie sehr wir die Augen zumachen und Brot und Spiele veranstalten, egal, wo auch immer und auf welche Kosten. Ich habe die Tage ein Interview gesehen mit einer Korrespondentin, die, wenn ich mich richtig erinnere, erst seit 2019 in China ist. Sie versuchte auf dem Land Menschen zum Thema Olympia zu interviewen. Die ganze Zeit fuhr ein Auto hinterher und alle Versuche mit Menschen zu sprechen waren zum Scheitern verurteilt. In einem Fall begann jemand zu erzählen, als er der Aufpasser gewahr wurde, musste er plötzlich ganz schnell weg. Es ist wirklich sehr bedrückend zu sehen, was ein diktatorisches System mit so vielen Menschen einfach so macht. Und dafür auch noch verehrt wird. Es kann einem schon Angst und Bange werden, China ist ja nicht der einzige Schurkenstaat, ein anderer steht an der Grenze zu Europa und droht die Welt in einen Krieg zu stürzen. Und die Liste lässt sich irgendwie immer weiter führen, der Iran, Saudi-Arabien oder Katar sind auch keine Wiegen der Demokratie.

Und hier eine neue Zahl aus brand eins:

Anstieg (in Prozent) der Investitionen in den Neu- und Ausbau …  
… von Schienen in Deutschland zwischen 2017 und 2019:  4
… von Bundesfernstraßen in Deutschland zwischen 2017 und 2019:  44

 

 

15. Februar 2022

Ich bin so stolz auf mein Kollegium. Wie wir die letzten beiden Jahre gemeistert haben, ist großartig. In einer guten Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern in diesen Zeit zu leben, ist eine große Aufgabe. Ihr habt sie ganz prima gemeistert, mag ich meinen Lehrerinnen und Lehrern zurufen. Ach, das , was uns ausmacht, war uns und ist uns verboten. Preußische Frontalbestuhlung nebst Beschallung, genau das, wofür wir eben nicht stehen, ist seit 2 Jahren die einzig erlaubte Unterrichtform, wenn Kinder aus zwei Klassen in einem Raum sind, sitzen die einen links im Block, die anderen rechts. Und trotzdem schaffen wir es ein gutes Klima zu erzeugen. Einfach klasse.

In den nächsten Einträgen werde ich aus der Zeitschrift brand eins immer mal wieder Zahlen veröffentlichen, hier gleich die ersten

Geschätzte Zahl der Vögel, die in Deutschland pro Stunde sterben, weil sie

gegen eine Glasscheibe fliegen 2054
gegen ein Windrad fliegen 9

 

 

14. Februar 2022

Ich finde es schön, wenn Menschen sich Blumen schenken, selbst die Vereinigten Arabischen Emirate, die bis zum letzten Jahr sich verweigerten, sind inzwischen zum Blumenschenken am 14.02. übergegangen. Es trägt dort nicht den Namen Valentinstag, aber das Geschäft ist dort auch das Gleiche. Wahre Blumenschenker brauchen keinen Valentinstag. Wenn ich an meine Sekretärinnen denke, glaube ich, dass sie sich über eine Einladungen zum Essen mehr freuen, als über abgeschnittene Blumen, die nach 10 Tagen verwelken. Die Erinnerung an ein wunderbares, gemeinsames Essen hält da viel länger an. Valentinstag oder Halloween, ich bin gespannt, welcher der anderen 363 Tage als nächstes vom Kapitalismus gekapert wird. Sicherlich werden in den Schubladen von Menschen, die wissen, wie sie viel Geld verdienen, weitere Ideen schlummern.

 

11. Februar 2022

Sie wissen schon, es gibt ganz viel unnützes Wissen. Aber wer entscheidet eigentlich, was nützt und was nicht nützt. Für mich z. B. ist es völlig unnütz zu wissen, wer in welchem Königshaus sich mit wem nicht verträgt oder was die Menschen in diesen Königshäusern überhaupt tun. Für mich ist es unnütz zu wissen, was irgendwer irgendwann und irgendwo gegessen hat. Ach, es gibt wirklich unnützes Wissen. Aber was an Wissen nutzt uns wirklich. Was brauchen wir, um unseren Beruf gut ausüben zu können? Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten nützen mir? Ich habe in diesem Zusammenhang eine weniger lustige Geschichte erlebt. Wir haben in unserer Schule einen Maschinenraum, in diesem befinden sich große Maschinen, die von Fachpersonal zu bedienen sind und für die Tischler oder Schreiner einen sogenannten Maschinenschein benötigen. Ich weiß nun, dass in der Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer diese Maschinenscheine für nicht nötig erachtet werden. Weder in der ersten Phase der Ausbildung in der Universität, noch in der zweiten Phase im Referendariat müssen Lehrer einen Maschinenschein vorweisen. In diesem Land arbeiten viele Lehrerinnen und Lehrern an großen Maschinen ohne diesen Schein mit dem Wissen aller Beteiligten. Ich halte dieses Vorgehen für bedenklich. Ich bemühe mich derzeit um eine Möglichkeit Lehrerinnen und Lehrern in Landau ein Angebot zu unterbreiten solch einen Maschinenschein zu machen. Ich bin zuversichtlich ein Angebot unterbreiten zu können, welches ein wenig Engagement verlangt und gleichzeitig wahrscheinlich Geld kostet. Ich hoffe im Tagebuch über einen echten Erfolg berichten zu können und wünsche mir, dass unser Beispiel Schule macht.

 

10. Februar 2022

Heute wieder ein Beitrag zum Thema „Schule der Zukunft“. Vielleicht erinnern Sie sich, im März 2020 wurde unsere Schule zum Notkrankenhaus. Da standen an einem Freitagnachmittag Einsatzfahrzeuge des THW, der Feuerwehr und des DRK auf dem Schulhof. Und innerhalb kürzester Zeit waren wir nicht mehr die Verwalter unseres Hauses. Die Schule wurde zum Notkrankenhaus, Klassenräume zu potentiellen Aufnahmeräumen für Kranke und Menschen, die mit dem Leben kämpfen würden. Medizinische Apparate und alles, was zu so einem Notkrankenhaus gehört, wurde beigeschafft. Das ging schneller, als man schauen konnte. Irgendwie breitete sich in mir und meinen Kolleginnen und Kollegen eine Schockstarre aus. Alles Wehren war umsonst. Am Ende hat tatsächlich niemals irgendein Patient dieses Krankenhaus belegt. Man fand an anderen Orten geeignetere Räumlichkeiten. Wenn man sich aber nun die Frage stellt, warum ausgerechnet eine Schule für ein Krankenhaus geeignet ist, kommt man wieder auf die Preußen zurück. Aus dem Militär entstanden im 19. Jahrhundert Krankenhäuser und Schulen, psychiatrische Kliniken und Gefängnisse. Es wird wirklich Zeit sich von dieser Geschichte zu verabschieden und für die zukünftigen Schülergenerationen Schulen zu schaffen, wo auch die Gebäude nicht mehr an Preußen erinnern, Lernorte, an die man gerne geht.

 

 09. Februar 2022

Heute war der Auftakt der Herausforderungen und ich selbst mache eine Herausforderung. Das ist eigentlich total verrückt. Am Schuljahresanfang ist der Schulleiter für zwei Wochen mit den Schülern unterwegs. Wie das gehen soll, weiß der Schulleiter im Moment noch nicht. Allein die Vorfreude mit Schülerinnen und Schülern 14 Tage an einer Sache arbeiten zu können überwiegt. Und wenn wir dann mit unserem fertigen Stück in die Grundschulen gehen, in denen die Kinder groß geworden sind, wird sowieso alles egal sein. Der Beifall von Grundschülern wird die Herzen der Schüler höherschlagen lassen. Und genau darauf freue ich mich sehr. Heute bekamen alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 – 10 die Angebote vorgestellt, ein ganzer Vormittag war der Auftakt dieses tollen Projektes. Ich bin gespannt, wie viele Kinder und vor allem welche sich für mein Theaterprojekt entscheiden.

 

08. Februar 2022

Ich habe ja versprochen über Themen zu schreiben, die mit der Zukunft der Schule zu tun haben und mit Haltung. Heute möchte ich mit euch ein vielleicht banales Thema teilen. Ein Professor an einer Universität hat ein Fach, welches er ein Leben lang unterricht. Dieses Fach hat er studiert und da kennt er sich aus. Wenn er ein Professor auf der Höhe der Zeit sein möchte, dann bildet er sich sein Leben lang fort. Natürlich gibt es auch Exemplare, die hier weniger Tatkraft walten lassen. In der Schule haben die Schülerinnen und Schüler 10 Fächer, oft mit 10 unterschiedlichen Lehrerinnen und Lehrern. Ein Schüler der Oberstufe beginnt morgens im Fach Spanisch mit dem Erlernen neuer Vokabeln und neuer grammatischen Strukturen, in der nächsten Doppelstunde werden Kenntnisse über das Zeitalter des Absolutismus verlangt, danach geht es um Probleme der Stochastik im Fach Mathematik, nach einer Mittagspause werden die Schülerinnen und Schüler zu Emilia Galotti in die Romantik entführt und in den letzten beiden Doppelstunden den Tag mit etwa der Beschäftigung mit einer Fugenkomposition von Bach im Fach Musik. Sie müssen sich überall auskennen, sie müssen für alles Interesse zeigen. Und sie können alle rechnen, ich habe eben gerade über die Hälfte der Fächer berichtet. Merken Sie was? „Da mussten wir auch durch, als wir uns auf das Abitur vorbereiteten“, höre ich den einen oder anderen mir zurufen. Richtig. Aber nur weil wir da alle auch durch mussten, ist das nicht unbedingt ein erfolgreicher Weg.

 

07. Februar 2022

Heute haben alle Schülerinnen und Schüler der neuen 5. Klassen ihre Zu- oder Absage bekommen. Und es ist wie jedes Jahr, Trauer und Freude liegen eng zusammen. Schön die Gespräch mit Kindern, die sich so richtig freuen, schwierig jene, bei denen nochmals geschildert wird, wie sehr sich das Kind oder die Eltern gewünscht hätten einen Platz zu ergattern. Ein wenig Hoffnung bleibt, vielleicht gibt es Schülerinnen, die ihren Platz zurückgeben, weil sie an einer anderen Schule doch noch einen bekommen haben.

 

04. Februar 2022

Heute rückt unser Leben in Freiheit wieder ein Stück näher. Schüler können sich für eine freie Herausforderung bewerben. Erfahrene Leserinnen und Leser dieses Tagebuches wissen, was das bedeutet. Eine Schülerin hat die Chance 14 Tage lang ihr Ding zu machen und eine Erfahrung für das Leben. Apropos Leben, auch darum geht es in der Schule. Für das Leben lernen wir, so ähnlich formulierte es ein kluger Mensch vor vielen Jahren. Ich gehe doch eigentlich in eine Schule, um danach mein Leben frei und selbstverantwortlich gestalten zu können. Da braucht es auch in der Schule Erfahrungen, die mir persönlich helfen. Ich erinnere mich an einen Schüler, der eine freie Herausforderung in einem Kloster machte, ich merke gerade, Kloster und Freiheit, das kann für den einen oder anderen durchaus ein Paradoxum sein. Aber dieser Schüler machte damals wirklich eine prägende Erfahrung und profitiert heute noch davon. Der Anfang des Schülers hielt uns in Atem, war er doch auf dem Weg ins Kloster plötzlich verschwunden. Eine Nacht, in der wir alle auf der Suche waren. Am nächsten Morgen löste sich alles in Wohlgefallen auf, der Abt des Klosters ließ mitteilen, dass der Schüler den Zug verpasst hatte und am Kloster zu spät ankam, die Türen waren verschlossen. Er beschloss sein Lager vor der Türe aufzuschlagen und am Morgen sich im Kloster zu melden. Eine freie Herausforderung ist ein tolles Abenteuer.

 

03. Februar 2022

Schon so lange habe ich mich nicht mehr gemeldet, heute nehme ich mir Zeit ein paar Tagebucheinträge zu schreiben. Es wird in den kommenden Einträgen um Themen gehen, die ich schon öfters von der einen oder anderen Seite beschrieben habe, da sie aber quasi Dauerthemen sind, halte ich es für nötig immer wieder darauf zurückzukommen. Es gibt noch so viel zu tun in unseren Schulen. Wenn man sich auf den Weg begeben möchte eine gute Schule zu sein und zu bleiben, muss man vieles anders machen, als es viele von uns gewöhnt sind. Da stürzen ganze Gebäude ein, da werden Menschen verunsichert, verlieren sicheres Terrain und müssen möglicherweise ganz neu anfangen. Wir haben in unserer Schule schon ein paar Schritte getan, viele liegen noch vor uns. Ein großes Thema für mich ist Leidenschaft. Ich kann sagen den besten Beruf gewählt zu haben, den ich mir für mich und mein Leben vorstellen kann. Kindern beim Großwerden zusehen zu dürfen und sie dabei nach besten Kräften zu unterstützen. Leidenschaft, für das was ich tue, trägt mich durch mein ganzes berufliches Leben. Es spielt für mich überhaupt keine Rolle, wie viele Stunden ich an der Schule verbringe. Ich bin einfach gerne hier und liebe meine Arbeit. Wenn wir dazu kommen, ganz viel Leidenschaft bei Lehrerinnen und Lehrern zu entfachen, gelingt Schule. Dann sind alle anderen Fragen ganz leicht zu beantworten.

 

02. Februar 2022

Als Schulleiter hat man so manches Amt inne, auch außerhalb der eigenen Schule. So bin ich Mitglied im Schulträgerausschuss. Leider kann ich nicht im Detail berichten, was heute im Schulträgerausschuss im nichtöffentlichen Teil der Sitzung diskutiert wurde. Aber meine Idee, die ich in dieser Sitzung geäußert habe, kann ich auch hier zum Besten geben. Die IGS ist eine Ganztagsschule und da gehört ein tägliches Essen dazu. Vier Mal pro Woche essen die Kinder ein Gericht, das von einem Caterer gebracht wird. Die Auswahl der Speisen ist ein wenig vorbestimmt und es soll auf Regionalität und Nachhaltigkeit geachtet werden. Ich habe eine zugegebenermaßen radikale Idee. Wie wäre es, wenn wir in den Schulen bei diesen vier Mahlzeiten auf Fleisch und Fisch komplett verzichten? Wäre das nicht ein toller Beitrag zum Klimaschutz? Wäre das nicht eine tolle Idee Kinder auch zu einer Ernährung zu führen, die ressourcenschonend ist? Wie finden Sie die Idee?

 

01. Februar 2022

Wir haben ja an unserer Schule unser großes Projekt Herausforderung. Schon so mancher Tagebucheintrag hat über diese tolle Aktion berichtet. Ich werde im nächsten Schuljahr eine Herausforderung durchführen und lade die Kinder ein als Wandertheater stationiert im Dekanatsjugendhaus „Lindelbrunn“ Grundschulen mit einem Theaterstück zu beglücken. Ich freue mich sehr darauf, schließlich bin ich einmal Lehrer geworden, um mit Schülern zu arbeiten. Das heißt 14 Tage Kraft tanken für Dinge, die die Welt nicht braucht. Ein Teil der Verwaltungsarbeit eines Schulleiters ist nicht unbedingt von einem hohen Sinn geprägt. Schließlich brauchen wir aber Zahlen und Statistiken, um an anderer Stelle Ausgaben zur rechtfertigen. Aber heute überwiegt die Freude, dass bald der Startschuss sein wird und ich hoffentlich Schülerinnen und Schüler finden werden, die mit mir auf Theaterreise gehen werden.

Tagebucheinträge Januar 2022

31. Januar 2022

Wir haben gerade unsere Anmeldungen laufen. Erwartungsfrohe Viertklässler sitzen vor uns und wir wissen bei jedem Gespräch, dass der ein oder andere nicht an unserer Schule angenommen wird. Das liegt nicht an dem einzelnen Kind, sondern vielmehr an zu vielen Anmeldungen. Irgendwo werden wir wieder bei 170 – 180 Schülern landen und doch wieder welche ablehnen müssen. Auf der einen Seite spricht das für unsere Arbeit, auf der anderen Seite ist das natürlich schade. Ich bin froh, dass viele Schülerinnen und Schüler aus den Landauer Grundschulen den Weg zu uns finden und das Abenteuer IGS eingehen. Die, die bei uns sind, wissen, dass es sich lohnen wird. Und ich freue mich auch darüber, wenn ich daran denke, wie in wenigen Jahren die Kinder aus Landau über die neue Brücke mit dem Fahrrad ohne Gefahr zu uns kommen werden. Ich bin heilfroh, dass die Stadt Landau dieses Brückenprojekt umsetzt, schließlich ist es überhaupt nicht spaßig vor Schulbeginn über die Horst- oder die Queichheimer Brücke zu fahren.

 

28. Januar 2022

Heute gibt es Zeugnisse. Sie geben den Zwischenstand an und führen in manchen Haushalten zu allerlei unterschiedlichen Reaktionen. Geld fließt, Tränen auch. Ärger, Enttäuschung, Wut, Stolz, Zufriedenheit oder Betrübnis. Ich wünsche mir für die Kinder, dass sie ehrlich mit ihren Eltern darüber sprechen und dass in den Elternhäusern stets in Lösungen gedacht wird und nicht mit Drohungen.

 

27. Januar 2022

Aus den Nachrichten erfahren wir die neuen Coronaregeln. Ab kommenden Montag sollen alle sogenannten Kontaktnachverfolgungen wegfallen. Es müssen nur noch die Infizierten in Quarantäne. Ich denke an unsere Kleinen, an die Kinder der 5. und 6. Klassen, die jetzt zwei Jahre lang gelernt haben die Maske aufzuziehen, Abstand zu halten und durch alle Maßnahmen sich und ihre Nächsten zu schützen. Was die Kleinen vor allem auch gelernt haben, ist es Angst zu haben. Angst um ihre Omas und Opas, Angst sich selbst anzustecken oder einen anderen. Was denken die jetzt, wenn das Kind, das als Nachbar neben mir sitzt, im Schnelltest coronapositiv ist? Das Kind hat gelernt als direkter Nachbar nach Hause zu gehen. Jetzt ist es anders. Ist es gut für das Kind oder hat es noch mehr Angst, schließlich hat es gelernt, dass es gefährlich sein kann Corona zu kriegen und Corona zu übertragen. Ich werde mit unseren Kindern darüber sprechen und die Kolleginnen und Kollegen im Hause sensibilisieren die Gespräche auch mit ihren Kindern zu führen und für Entlastung zu sorgen.

 

26. Januar 2022

Wir haben es geschafft! Alle schriftlichen Abiturarbeiten liegen hinter uns und wir haben tatsächlich keinen kranken Schüler gehabt. Gott sei Dank. Vor allem auch für die Schülerinnen und Schüler freut es mich, weil vor ihnen liegt jetzt nur noch die mündliche Prüfung. Ich hoffe, dass sie alle ihr Ziel erreichen werden. Einige von ihnen müssen sich sicherlich noch richtig anstrengen, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Wenn die schriftlichen Leistungen nicht ausreichen, dann müssen es die mündlichen Prüfungen „rausreißen“. Ich hoffe sehr, dass meine Kolleginnen und Kollegen wie jedes Jahr ihre Kinder unterstützen und am Ende alles gut wird.

 

25. Januar 2022

Warum bin ich Lehrer geworden? Ich persönlich eigentlich habe mir in meiner Schulzeit keine Gedanken über das Danach gemacht. Ich habe einfach irgendetwas angefangen und weil es am bequemsten war das Lehramtsstudium begonnen. Berufen habe ich mich nach meiner Schulkarriere nicht gefühlt. Und ich habe auch gedacht, dass so mancher meiner ehemaliger Lehrer danach verwundert mit dem Kopf schüttelte, als zu sagen: Der Ralf hat schon immer Lehrer werden wollen. Nach dem Studium und einem grauenhaften Referendariat ging es nach drei Jahren Arbeit in einem anderen pädagogischen Kontext das erste Mal in die Schule. Und heute weiß ich, dass ich einfach Glück hatte per Zufall in einem Beruf geraten zu sein, der auch Berufung ist. Ich bin gern Lehrer.

 

24. Januar 2022

Heute finden die Notenkonferenzen der Klassenstufen 5 – 12 statt, das ist immer ein Marathon, der bis in den Abend hineingeht. Die meisten Notenkonferenzen laufen relativ zügig, manche sind nach wenigen Minuten beendet. In den Jahrgängen, in denen wir Schulabschlüsse haben, wird oft länger über den einen oder anderen Schüler gesprochen. Ich bin immer froh, wenn dies in einer wertschätzenden Art geschieht. Und man an den Einzelnen denkt und auch an sein ganzes System, in dem er oder sie lebt. Da ist die Entscheidung über die jeweils bessere Note durchaus auch von anderen Aspekten abhängig, als von den sichtbaren Leistungen. Schließlich müssen wir erkennen, dass wir in den Schulen nur eine Durchgangsstation sind, das eigentliche Leben beginnt sowieso danach. Nicht jede Diskussion darüber ist einfach.

 

20. Januar 2022

Gestern hatte ich eine Besprechung wegen unseres Multifunktionsfeldes und ich habe wieder ganz viel gelernt. Ein Multifunktionsfeld ist ein Außensportgelände, auf dem in den Pausen und am Nachmittag ganz viele Schülerinnen und Schüler Sport treiben. Unser Multifunktionsfeld ist in die Jahre gekommen und muss unbedingt saniert werden. Es versammelten sich also der Leiter des Schulamtes, ein Mitarbeiter des Bauamtes und ein Architekt zusammen mit meiner Person und später unseren beiden Hausmeistern. Die Lagebesprechung ergab, dass wieder einmal nicht alles so einfach ist, wie es scheint. An den Rändern hat sich der Boden wie von Geisterhand wellenartig angehoben und wir diskutieren, ob die Wurzeln der Bäume einen Weg durch den Schotter unterhalb der Oberdecke gebohrt haben und mit ihren Seitenarmen quasi die Wellen erzeugen. Der Architekt ist nicht überzeugt. Ich schon. Aber ich bin ja nur ein Laie. Eigentlich ist das Feld nicht ein Feld, sondern in vier Teile geteilt. Und die Längsabgrenzungen sind Rinnen, durch die bei Regen Wasser ablaufen soll. Die Hausmeister sollen das Ganze untersuchen. Nach dem Termin gehen sie am Nachmittag schon ans Werk, rufen mich und wir stellen fest, dass diese Rinnen weder an das Kanalsystem angeschlossen sind, noch überhaupt funktionieren. Das Wasser wird darin lediglich gesammelt, kann aber eigentlich nicht abfließen. Die Drainagerohre, die eingebaut sind, sind alle völlig verstopft. Wir sind gespannt, was der Architekt mit diesen Informationen anfangen wird. Am Freitag kommt jemand vom Umweltamt und begutachtet das Ganze. Ich lerne daraus: Wenn du ein Sportgelände planst, musst du darauf achten, dass Bäume und Sträucher in einer gewissen Entfernung gepflanzt sein müssen. Und du darfst nicht vergessen, dass Bäume wachsen und zum Teil richtig groß werden können. Die Planer dieser Sportstätte jedenfalls haben das schlichtweg vergessen. Wie gesagt, heute habe ich viel gelernt.

19. Januar 2022

Soll ich es heute schreiben oder nicht? Ist es ein schlechtes Omen? Bei allen bisherigen Terminen zum schriftlichen Abitur waren stets alle Schülerinnen und Schüler da. Am Freitag haben wir den letzten schriftlichen Termin, die Fächer Biologie und Chemie werden abgeprüft. Wenn da alle tatsächlich da waren, fällt mir ein Stein vom Herzen. Und meinem lieben Kollegen Reiner Möwald, unserem Oberstufenleiter, erst recht. Fehlt ein Abiturient müssen die Lehrerinnen und Lehrer zum Teil bis zu vier komplette, neue Aufgabenvorschläge gestalten. Das ist wahrlich ein Aufwand. Eigentlich zittern wir Jahr für Jahr, aber in diesem Jahr, geprägt von diesem Coronaunfug, ganz besonders. Also drücken wir die Daumen für den kommenden Freitag.

18. Januar 2022

Es gibt tatsächlich noch Grundschullehrerinnen, die nicht wissen, was eine Integrierte Gesamtschule ist. Oh, ich meine natürlich auch Grundschullehrer. Da aber leider an Grundschulen nur wenige Männer sind, vergesse ich die manchmal. Ich freue mich über jeden Erzieher und über jeden Grundschullehrer, ich freue mich, wenn in dieser doch prägenden Phase für jedes Kind beide Geschlechter eine Rolle spielen. Aber ich möchte in diesem Eintrag etwas zu einem anderen Thema schreiben. Wir haben ja derzeit wieder die Phase der Anmeldungen für die neuen 5. Klassen. „Auf der Gesamtschule sehe ich ihr Kind überhaupt nicht, schließlich hat er doch eine Gymnasialempfehlung“. Wer so etwas sagt, hat, pardon, keine Ahnung. Wir führen seit Jahren, ich kann für mich sagen schon seit Jahrzehnten, Schülerinnen und Schüler in einer Gesamtschule zu einem Abitur, mit dem sie in der beruflichen Welt durchaus sehr erfolgreich sein können. Man stelle sich vor, ja auch unsere Abiturienten landen als Ärzte im Krankenhaus oder als Juristen, als Richter und Rechtsanwälte. Ich lade wieder einmal alle, die sich wirklich ein Bild von einer Gesamtschule machen wollen, ein uns zu besuchen. Mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen und sich einfach wirklich selbst ein Bild machen. Bevor ich über die Gesamtschule eine Aussage mache, sollte ich sie wenigstens einmal von innen gesehen haben. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, wir haben so viele Anfragen für unsere Schule, dass wir seit Jahren vielen Schülern absagen müssen, wir haben Wartelisten in allen Klassenstufen. Werbung haben wir bei Gott nicht nötig. Aber es ärgert mich persönlich, wenn Menschen über Gesamtschulen urteilen ohne sich zu informieren.

17. Januar 2022

Heute ist Noteneintragsschluss, dieser Tag ist in Schulen immer besonders spannend. Noch nie waren an diesem Tag alle Noten eingetragen. Eigentlich müssten alle Noten da sein. Aber dem ist nicht so. Ich hoffe sehr, dass alle Kolleginnen und Kollegen beim Erstellen der Noten darauf geachtet haben die besondere Situation mit in ihre Entscheidungen aufgenommen zu haben. Wenn man vor allem in Abschlussklassen Noten macht, muss man sich über die Wirkung stets bewusst sein. Natürlich müssen diese der tatsächlichen Leistung des jeweiligen Schülers oder der jeweiligen Schülerin entsprechen. Aber auf der anderen Seite ist ein Abschlusszeugnis nicht mehr oder nicht weniger als eine Fahrkarte. Die Fahrkarte in das berufliche Leben. Und da spielen bei der Notengebung durchaus Aspekte mit, die nicht nur über eine reine Fachlichkeit zu bewerten sind. Ich weiß, dass das ein schwieriges Thema ist, aber deshalb weise ich explizit darauf hin.

14. Januar 2022

Heute hat meine Freundin Felix vom Chawwerusch-Theater in Herxheim Geburtstag. Es ist ihr bestimmt überhaupt nicht recht, dass ich das hier so öffentlich schreibe, aber sie kennt mich ja. In diesem Zusammenhang richte ich all meine Worte in diesem Beitrag an alle Beamtinnen und Beamten, die diesen lesen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich rate jedem von uns bescheiden zu sein, täglich vor dem Bett zu knien und Gott oder wem auch immer zu danken unkündbar zu sein, privat versichert, sehr gut bezahlt und am Ende eine Pension zu erhalten, die sich sehen lassen kann. Menschen, die bei einem Theater arbeiten, sind durchaus glückliche Menschen, aber haben all das nicht, was wir haben. Ihre Sicherheit ist unser Kommen. Seit zwei Jahren leben Schauspielerinnen und Schauspieler vom Ersparten, oder wenn sie Glück haben, von staatlichen Zuschüssen. Außerdem von ihrem Reservoir an Kreativität. Was sie seit zwei Jahren leisten, ist einfach großartig und unfassbar anerkennenswert. Herzlichen Glückwunsch Felix!

13. Januar 2022

Wenn man Veröffentlichungen liest zur Schule des 21. Jahrhunderts, dann trifft man immer wieder auf Menschen, die so Texte schreiben mit etwa dem Titel „Bildung 2030 – 7 Trends, die die Schule revolutionieren“. Dieser Artikel stammt von Olaf-Axel Burow. Jetzt lese ich einen Text von ihm aus seinem Buch „Die Coronachance: 7 Schritte zur resilienten Schule“. Einer der Schritte ist es zum Beispiel den Aufbau einer digitalen Lernplattform mit schülergerechten Formaten voranzutreiben. Übersetzt in Normaldeutsch heißt das: Mithilfe des Digitalen so zu lernen, dass man jedem Schüler gerecht wird. In Deutschland ist das Ganze nicht so einfach. Wir wollen alles korrekt machen, wir wollen keine Fehler begehen und vor allem wollen wir ewig darüber reden. Oft reden wir so lange, dass am Ende gar nichts verändert wird und das ist doch schade. Wir sollten viel schneller ins Tun kommen. Ich habe schon oft in diesem Tagebuch darüber geschrieben, dass wir in Deutschland hinterher hinken, wenn es um digitales Lernen geht. Wir können das aufholen, aber dann müssen wir auch mutig sein.

 12. Januar 2022

Die Schülerinnen und Schüler meiner Religionsgruppe im Jahrgang 11 haben sich mit „Organspende“ beschäftigt und haben bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Informationsmaterial besorgt. Sie gehen damit durch alle Klassen, in denen Kinder sind, die das 16. Lebensjahr vollendet haben. Sie werben dafür sich zu beteiligen. Organspende kann Leben retten. Oft ist es einfach nur der Tatsache geschuldet, dass man nicht daran denkt mitzumachen. Und ich freue mich über meine Schülerinnen und Schüler, dass sie von sich aus diese Aktion gestartet haben. Hoffentlich machen ganz viele mit.

11. Januar 2022

In der DDR gab es Polikliniken. Das hat mir gerade eine meiner Lehrerinnen erzählt. Ich habe den Begriff zwar schon gehört, konnte aber nicht wirklich etwas damit anfangen. Und dann hat sie mir gesagt, dass auch in Landau gerade eine Poliklinik gebaut wird. Natürlich nennen wir das nicht Poliklinik, sondern Ärztehaus, ein riesiger Bau auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen das Ganze nicht Ärztehaus zu nennen, sondern Poliklinik. Das wäre doch ein gutes Signal, dass im Nachhinein der arrogante Westen ein wenig in sich geht und einsieht, dass viele Errungenschaften der DDR ohne Sinn und Verstand einfach zerschlagen wurden. Wenn ich daran denke, wie schwer Gleichberechtigung in unserem Land immer noch ist und wie sehr die Frauen im Nachteil immer noch sind, wenn es um berufliches Karriere geht, muss ich einfach konstatieren, dass wir weiter sein könnten. Auch das „Sichlustigmachen“ um eine gendergerechte Sprache gehört zur gelebten, westlichen Arroganz.

10. Januar 2022

In der vergangenen Woche hatten wir zwei Tage Abitur geschrieben. Und zum Glück waren alle Schülerinnen und Schüler da. Bildende Kunst, Sport und Deutsch haben wir geschafft. Wir bangen jedes Mal mit, für meine Schülerinnen und Schüler und für meine Kolleginnen und Kollegen, dass wir das Abitur schreiben können bzw. dass alle Schülerinnen und Schüler da sind. Es bedeutet nämlich einen großen Aufwand, auch wenn nur ein Schüler fehlt, müssen die Kolleginnen und Kollegen aufwändige neue Vorschläge erarbeiten, das kostet verdammt viel Zeit.

07. Januar 2022

Ich versprach zu berichten und es geschah zutiefst Verstörendes. Heute war eine Kollegin zu Besuch, die Unterricht im Fach Darstellendes Spiel sehen wollte. Und es begann, wie es oft beginnt, im Kreis, ganz praktisch, mit Konzentration und Bewegung. Gut war der Anfang glaube ich. Und dann ging es zur Sache. Im Fach Darstellendes Spiel gibt es ganz oft auch meditative Momente, die Kinder lieben das. Ich bat sie, sich bequem irgendwo hinzulegen, die Augen zu schließen und das, was geschehen würde, einfach nur zu genießen. Ich selbst hatte mir natürlich auch etwas überlegt, nachgedacht und mit Kollegen gesprochen, was ihnen denn so einfiele zum Thema Grusel und Horror. Wir waren uns einig, jedes deutsche Märchen oder fast jedes ist gruselig und viele von ihnen sind Horrorgeschichten. Hänsel und Gretel oder Von einem der auszog das Fürchten zu lernen sind Horrorgeschichten. So las ich den Kindern Blaubart vor, in der ein reicher, blaubärtiger Mann ein junges, armes Mädchen ehelichte und sich auf eine Reise begab, ihr alle Schlüssel für alle Zimmer im Schloss überließ und ihr verbot den einen Raum und den einen Schlüssel zu benutzen, alle anderen dürfe sie öffnen. Und es kam, wie es kommen musste, sie öffnete den verbotenen Raum und bei den Gebrüder Grimm heißt es dann, dass ihr ein Fluss von Blut entgegensprang und an den Wänden nackte Weiber hingen, manche waren bis auf das Skelett zerfressen. Wenn das kein Horror ist, dachte ich. Doch weit gefehlt. Für die Kinder war das kein Horror. Ich war geschockt, meine Kollegin auch und das musste ich dann erst einmal verdauen. Die Geschichten, die sie geschrieben haben, zumindest einige dieser Geschichten, waren furchtbar, da rollten Köpfe oder sie wurden per Axt gespalten. Da wurde auf die furchtbarste Weise getötet. Und das ohne Unterlass. Ich nehme mir jetzt das Wochenende Zeit und überlege mir, wie es weitergeht.

06. Januar 2022

Ich glaube, wir nehmen unseren Kindern zu viel ab. Wir muten ihnen zu wenig zu. Wir trauen ihnen nichts zu. Ich glaube, dass es ein Riesenfehler ist Elterntaxi zu spielen, die Kinder überall hinzufahren, wo sie hinmüssen und ihnen nicht aufzuerlegen sich auf ein Fahrrad setzen. Wir tragen dazu bei Kinder zu Konsumenten zu machen. Sich selbst für etwas anzustrengen, sich herausgefordert fühlen, sich etwas zu erarbeiten, wir machen in dieser Frage als Erwachsene und als Gesellschaft Fehler. Der Schreiber dieser Zeilen möchte sich davon überhaupt nicht ausnehmen. Meines Erachtens müssen wir an dieser Stelle wirklich umdenken. Wir wollen doch eine Gesellschaft, in der sich die Menschen engagieren, ja, auch anstrengen. Dann müssen wir unseren Kindern mehr zumuten. Und ich meine damit nicht für sie gesetzte Freizeittermine zu organisieren. Fangen wir ab heute damit an.

05. Januar 2022

Ich hatte heute Unterricht in meiner absoluten Lieblingsgruppe. Im Darstellenden Spiel der Klassenstufe 7. Wir haben beschlossen nach kleinen Szenen im 6. Schuljahr und auch noch im 1. Halbjahr der 7. Klasse uns für das 2. Halbjahr ein längeres Stück zu überlegen und wir haben nach Themen gesucht. Seit ich mit diesen Kindern zusammen bin, ging es in vielen Szenen immer wieder um das Thema „Tod“. Immer wieder wurden in selbstgebauten Szenen der Kinder am Ende irgendwelche Menschen getötet. Und heute haben wir uns auf Themensuche gemacht und sind zum Entschluss gekommen, dass wir entweder ein Theaterstück oder einen Film drehen. Wenn ich die Kinder richtig verstanden habe, sind sie daran interessiert etwas zum Thema, ich würde sagen Grusel, sie nennen es Horror spielen werden. Also war folgerichtig die Hausaufgabe für die nächste DS-Doppelstunde eine Horrorgeschichte zu schreiben. Ich werde am Freitag berichten.

04. Januar 2022

Die Schüler und Schülerinnen brauchen ihre Schule. Ich begegne so vielen Kindern, die mir sagen, dass sie richtig froh seien wieder in der Schule zu sein, Freunde zu treffen, Mittag zu essen und die Pausen zu verbringen. Wenn nur das lästige Lernen nicht wäre, aber das ertragen die Meisten dann doch. Ich träume ja immer wieder davon alle Schülerinnen und Schüler so sehr begeistern zu können und wir am Ende ganz viele fleißige Bienchen haben, die tüchtig nach dem Höchsten streben. Ich weiß schon, wie weit mein Traum von der Realität entfernt ist, aber dennoch träume ich eben. Wir wollen in dieser Schule ja immer verändern und neue Ideen verwirklichen. Wenn ich es wirklich alleine bestimmen könnte, würde ich täglich eine Stunde lang lesen, eine Stunde lang nur in einer Fremdsprache sprechen, eine Stunde lang mit anderen irgendwie kreativ sein, singen, tanzen, schauspielern, künstlerisch tätig sein. Eine Stunde lang an einem eigenen Text schreiben, eine Stunde lang rechnen und begreifen und eine Stunde lang im Garten arbeiten. An Projekttagen würde ich ganz oft aus der Schule rausgehen und mit anderen Menschen an anderen Orten lernen. Ach, es wäre eigentlich richtig einfach.

03. Januar 2022

Der erste Schultag im neuen Kalenderjahr und irgendwie ist es nicht richtig Winter. Am ersten Tag wird gleich getestet und es ist der erste Tag im Jahr bzw. Schuljahr, an dem keine Lehrkraft erkrankt oder fehlend war. Dazu haben wir ein Mädchen, welches einen positiven Schnelltest hatte, ansonsten sind alle da. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Oder haben wir hier in der schönen Südpfalz wieder Glück. Ich wünsche mir das natürlich sehr und klopfe dabei drei Mal auf Holz.