Menschen – wer wir sind

Schulleiters Tagebuch

11. Mai 2021

Wir sind seit ein paar Wochen eine anerkannte Erasmusschule. Dies bedeutet in den nächsten Jahren, dass wir SchülerInnen und LehrerInnen in ganz viele und interessante, europäische Projekte bringen können. Für die nächsten 1,5 Jahre haben wir einige Projekte überlegt, insgesamt sehe ich darin eine riesige Entwicklungschance. So können wir es auch LehrerInnen ermöglichen zum Beispiel in einer finnischen oder schwedischen Schule zu hospitieren und Kontakte zu knüpfen, die nicht nur im Fremdsprachenunterricht nützlich sein können. So können SchülerInnen zum Beispiel einen English-Drama-Workshop mit unseren Fortbildnern aus Irland in Irland selbst machen. So können zwischen Schulen aus unterschiedlichen Staaten Projekte gemacht werden, die den Einzelnen, wenn er sich denn beteiligt, enorm weiterbringen. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns mit dem Europäischen Referenzrahmen und wollen diesen in unserer Schule einführen. Wir beschäftigen uns nicht erst seit gestern mit diesem Referenzrahmen und halten den Schmetterling, so sieht er grafisch aus, für eine sehr gelungene Zusammenfassung von Kompetenzen für das Leben im 21. Jahrhundert. Ihn in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen und ihn quasi als Leitbild verinnerlichen und in der konkreten Arbeit mit SchülerInnen umzusetzen, halte ich für eine gute Idee. Wir sind leider von Nazis, sogenannten Reichsbürgern, Pekidaanhängern umgeben und müssen unsere Demokratie aktiv verteidigen. Dass diese Gesinnung, dass dieses rechte Gedankengut sogar in die Parlamente gekommen ist, ist meines Erachtens ein Alarmzeichen. Es ist die Aufgabe einer guten Schule die Machenschaften aufzudecken und Schüler für ein aktives Eintreten für demokratische Strukturen vorzubereiten. Gute Schule ist eine demokratische Schule, eine Schule, in der SchülerInnen bedeutsam sind und etwas zu sagen haben.


10. Mai 2021

Heute waren ganz viele Lehrerinnen und Lehrer bei ihrem ersten Impftermin. Das freut mich sehr. Leider werden in unserer Schule nur die Lehrkräfte so schnell geimpft, die Sekretärinnen und die Hausmeister haben noch keinen ersten Termin. Das ist wieder einmal eine Ungleichbehandlung aller an der Schule Arbeitenden. Sollte irgendein politisch Verantwortlicher sich auf dieses Tagebuch verirren, so möge er meinen lauten Ruf hören: Geben Sie den Sekretärinnen einen Impftermin. Vergessen Sie unsere „Perlen“ nicht.

Ich träume davon im kommenden Schuljahr tatsächlich mit allen Schülerinnen und Schülern den Unterricht wieder aufnehmen zu können. Lasst uns die Kinder und Jugendlichen impfen und im Spätsommer und Herbst unsere Freiheit wieder bekommen. Viele um mich herum werden immer ungeduldiger. Ich glaube, dass wir auf einem richtigen Weg sind und plädiere dafür unsere Schülerinnen und Schüler zu bestärken und ihnen immer wieder zu sagen, dass wir bald wieder ganz viele gute Erfahrungen miteinander machen dürfen. Unsere Kinder, unsere Schülerinnen und Schüler brauchen unseren Zuspruch. Geben wir diesen an alle.


07. Mai 2021

Ich mache mir große Sorgen um Schülerinnen und Schüler aus unseren sogenannten Abschlussklassen. Eigentlich haben wir gar keine Abschlussklassen im klassischen Sinne, es ist eben nur so, dass uns Schülerinnen und Schüler jährlich ab der 9. Klasse verlassen können. Nach der 9. Klasse mit dem Abschluss der Berufsreife, nach der 10. Klasse mit dem Sekundarabschluss I, nach der 12. Klasse haben sie den schulischen Teil der Fachhochschulreife erreicht und nach der 13. Klasse eben das Abitur. Unsere Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9 und 10 bereiten uns Kummer. Gerade sie brauchen uns in diesen Zeiten ganz besonders. Hier haben wir viele Kinder und Jugendliche, die wir einfach nicht erreichen oder nicht motivieren können regelmäßig zu arbeiten. Viele Angebote unsererseits, Einzelgespräche, Elterngespräche, es kommt einfach nicht bei allen an. Und es steht doch auch etwas auf dem Spiel, aber trotzdem scheitern wir. Sicher ist das kein Problem unserer Schule nur allein, sicherlich geben viele andere Schulleitungen die gleiche Diagnose ab. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Schuljahr ganz besonders an den Einzelnen denken müssen und nicht mit den Maßstäben eines normalen Schuljahres messen dürfen. Die Frage, was ein normales Schuljahr ist, soll jetzt an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Meine Lehrerinnen und Lehrer machen sich viele Gedanken und stehen selbst vor einem Rätsel. Bis am Ende alle Schülerinnen und Schüler ein Zeugnis erhalten, müssen in den wenigen Wochen vor dem Zeugnisdruck noch viele gute Dinge passieren. Arbeiten wir daran.


6. Mai 2021

Heute habe ich eine wunderbare Videokonferenz mit dem Schweizer Professor Gollob mitmachen dürfen. In unserem Gespräch ging es unter anderem um das Verlassen von bekannten Pfaden. Wir Lehrerinnen und Lehrer machen das, was wir können, was wir gewohnt sind, was wir gelernt haben. Veränderung ist da nicht immer einfach. Veränderung kann Angst erzeugen. Und da man das vermeiden möchte, bleibt oft alles so, wie es ist. Wenn es nach dem Willen vieler Befürworter des dreigliedrigen Schulsystems ginge, würde immer alles so bleiben, wie es ist. Im Koalitionsvertrag der neuen rheinland-pfälzischen Landesregierung wird unter anderem von der Schule der Zukunft gesprochen. Heißt das, wir werden uns verändern? Sind die Schulen der Zukunft tatsächlich demokratische und partizipative Systeme? Fördert man in der Schule der Zukunft die intrinsische Motivation? Heute hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin aus der Bildenden Kunst. Sie berichtete mir von dem Curriculum der gymnasialen Oberstufe und ich hatte eine Erinnerung an meinen eigenen Geschichtsunterricht vor 45 Jahren. Da war es auch so, dass man in der 10. Klasse angekommen, leider nicht mehr die Zeit des Nationalsozialismus durchnehmen konnte. Im Nachhinein weiß ich auch gar nicht, ob ich mit den Lehrern, die ich zum Teil hatte, dieses Thema gerne durchgenommen hätte. Da war doch zum Teil noch ziemlich viel schmutzige Vergangenheit im Spiel. Meiner Kunstlehrerin geht es nun ähnlich, wenn sie sich durch die ganzen Jahrhunderte chronologisch hindurch arbeitet, bleibt am Ende nur noch wenig Zeit für das Hier und Jetzt. Was gibt es denn nicht eigentlich Spannendes zu entdecken? Mit Schülerinnen und Schülern in Projekten an heute lebenden Künstlern sich zu orientieren und vor allem auch selbst künstlerisch aktiv zu sein. Schule der Zukunft heißt für mich die Erkenntnis, dass Schule eigentlich ganz anders sein muss, endlich in eine gelingende Praxis umzusetzen. Wir brauchen mutige Veränderungsschritte. Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die bereit sind Fehler zu machen, die bereit sind loszulassen, hinzufallen und wieder loszulassen und wieder hinzufallen und irgendwann etwas Neues geschaffen zu haben. Oh je, das ist anstrengend, das ist fordernd aber auf der anderen Seite kann es ein Abenteuer werden, welches die Einzelne nicht vergessen wird. Ich bin gespannt auf unsere Schule der Zukunft und freue mich sehr darauf.


5. Mai 2021

Heute startet mein erster inhaltlicher Beitrag für die Homepage und gerade hatte ich einen schönen Text geschrieben und meinte, ihn auch gesichert zu haben, doch weit gefehlt, 20 Minuten Arbeit für umme. Also zurück auf Start. Ja, wir haben endlich eine neue Homepage, mit der wir in den nächsten Jahren Sie mit Informationen und Beiträgen versorgen möchten. Mein Dank gilt meinen Schulleitungsmitgliedern Ralf Gauweiler, Uli Roos und Hansjürgen Wurtz-Linz. Sie haben zusammen mit dem Profi Herrn Haller die neue Seite aufgesetzt. Sicher gibt es daran Dinge zu optimieren, zu verbessern und inhaltlich zu ergänzen. Sie können uns gerne Rückmeldung geben, wenn Ihnen irgendetwas einfällt, auffällt oder auch gefällt. Wir haben bis zu den Pfingstferien und wahrscheinlich auch danach Unterricht im sogenannten Wechselmodell, heißt also, dass die Gruppe A noch 8 und die Gruppe B noch 3 Tage Präsenzunterricht hat. Nach den Pfingstferien werden dann beide Gruppen noch jeweils 3 Wochen Unterricht haben. Dann ist dieses verrückte Schuljahr zu Ende. Wenn man mich fragen würde, aber wer tut das schon, wäre meine Idee dieses vergangene Schuljahr komplett zu streichen. Es gibt auch aus der Wissenschaft genügend Vorschläge, die sicher alle ihre Haken haben, aber einfach so zu tun, als ob nichts gewesen wäre, das ist für mich einfach nur „wurschteln“. Ich kenne die Bedenken, aber es wurde und wird in dieser Frage keine vernünftige Diskussion geführt. Wir scheuen uns vor großen Schritten und das ist echt schade.

In unserer Schule gehen wir aber in diesen Tagen richtig große Schritte. Wir haben zwei Schulentwicklungsgruppen gegründet, die mit viel Energie ihre Arbeit aufgenommen haben. Da ist zum einen unser E-Team. Nicht nur durch die Coronazeit wurden alle Schulen in Deutschland quasi gezwungen mit Hilfe digitaler Endgeräte Unterricht zu gestalten. Wir wollen die guten Erfahrungen in ein Konzept gießen, welches das Arbeiten mit digitalen Endgeräten uns in unserer eigentlichen Frage unterstützt. Die eigentliche Frage ist nämlich, wie schaffen wir es, dass ganz unterschiedliche Kinder möglichst viel lernen und das auch noch mit Freude. Unser E-Team besteht aus 10 sehr engagierten Lehrkräften, die mit großer Energie an den Themen arbeitet. Ich bin auch dabei und es macht mir richtig Spaß. Eine zweite, genauso spannende, Schulentwicklungsgruppe trägt im Moment den Arbeitstitel „Lernen in Zusammenhängen“. Das klingt nüchtern, dahinter verbirgt sich jedoch eine tolle Idee. Wir wollen die Orientierungsstufe zu einer wirklichen Orientierungsstufe machen, SchülerInnen sollen mit Kopf, Herz und Hand lernen dürfen. Am liebsten würden wir keine Ziffernnoten geben, sondern eine Leistungsrückmeldung, wie sie dem einzelnen Kind auch nützt. Wir wollen eingeschliffene Pfade verlassen und Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler motivieren mit uns einen neuen Weg zu beschreiten. In der gestrigen Sitzung trafen sich 25 LehrerInnen und Eltern. Eine Mutter, die drei Kinder an unserer Schule hat und deren Größter gerade Abitur machte, formuliert es drastisch: „Ich möchte, dass meine Kinder mit Freude lernen und ihren eigenen Weg finden können. Ich möchte mit meiner Mitarbeit dafür sorgen, dass wir uns an unserer Schule von dem Prinzip Lernen – Auskotzen – Vergessen endgültig verabschieden.“ Gewiss klingt das drastisch, es beschreibt jedoch immer noch den Schulalltag, den wir uns in diesem Land so oft leisten. Diese Schulentwicklungsgruppe möchte dies ändern. Auch darauf freue ich mich sehr. Während diese Zeilen entstehen, klopft es an meiner Tür und ein Schüler, den ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, begrüßt mich strahlend. Es ist der Schüler, von dem ein Bild in meinem Büro hängt. Dieses Bild zeigt die beiden Twintowers des Empire-State-Buildings, welches er freihändig mit Tusche gezeichnet hat und das ungemein gelungen und perspektivisch fantastisch ist. 11 Jahre war er, als dieses Bild entstand. Irgendwann musste er die Schule verlassen, ein Kind, welches wirklich auf sich alleine gestellt war und sich herauskämpfte. Seine Ausbilderin fotografierte sein Werk, als sie mein Büro verließ, sagte sie: „Den geben wir nicht wieder her.“ Schule gelingt, wenn gute Beziehungen gelegt werden. Wir brauchen in unseren deutschen Schulen ein Verständnis von Bildung und Erziehung, von welchem wir manchmal entfernt sind. Entfernt auch deshalb, weil wir Vorgaben erfüllen müssen, die aus einer ganz anderen Zeit stammen. Ich habe immer noch die Hoffnung große Schritte gehen zu dürfen und in einer Schule zu arbeiten, in der es allen möglichst gut geht.

4. Mai 2021

Heute ist der 04.05.2021 und dies ist der erste Eintrag im Tagebuch. WIR HABEN EINE NEUE HOMEPAGE. Nachdem unsere alte Page seit Beginn der Schule im Jahr 2010 am Start war haben wir entschieden, ein neues Format zu entwerfen: moderner, übersichtlicher, auf dem aktuellen Stand. 11 Jahre hat die alte Page „einen guten Job“ gemacht, nun war es aber an der Zeit, alles zu überarbeiten. Und wie immer, wenn Sachen neu am Start sind, müssen sich Dinge einspielen und brauchen Zeit. Manche Seiten sind noch nicht fertig gestaltet, es fehlen noch Bilder, es fehlen noch Beiträge. Gerne können Sie uns Rückmeldung geben, über jeden Hinweis freuen wir uns. Und nun: viel Spaß beim Stöbern auf der neuen Page.